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Burgtonna-Leopard mit Jaguar-Körper: Sensationsfund aus Thüringen

Дата публикации: 22-09-2026 13:52:17

Das kleine Dorf Burgtonna liegt idyllisch am Rand des Thüringer Beckens im Landkreis Gotha. Dort fanden es einst Leoparden mit richtig gut – das fanden jetzt Forschende der Senckenberg Gesellschaft heraus.

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Senckenberg-Gesellschaft

AUDIO: Forschende entdecken neue Leoparden-Art in thüringer Dorf Burgtonna (1 Min)

Neue Entdeckung

Eiszeit-Leopard wird nach Thüringer Dorf Burgtonna benannt

von Katrin Tominski

Stand: 22.09.2026 15:52 Uhr

Das kleine Dörfchen Burgtonna liegt idyllisch am Rand des Thüringer Beckens. Dort fanden es vor 125.000 Jahren auch Leoparden mit einem jaguarähnlichen Körperbau richtig gut – wie Fossilien aus Travertinablagerungen beschreiben. Forschende des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt definierten daraus jetzt eine für die Leoparden völlig neue Unterart.

Das 750-Einwohner zählende Thüringer Dörfchen Burgtonna schlängelt sich an dem kleinen Fluss "Tonna" entlang. Es gibt eine Kirche dort, ein Schwimmbad und einen Sportplatz – und eben die südliche Grube von Burgtonna. Dort entdeckte Andreas Lindner aus Mühlhausen bereits während der 1990iger Jahre zahlreiche paläontologische Funde.

Diese wurden jetzt von Wissenschaftlern der Senckenberg-Gesellschaft analysiert – mit einem erstaunlichen Ergebnis: „Zu den besonders bemerkenswerten Funden gehören mehrere Großkatzen-Fossilien. Hiervon haben wir einen rechten Unterkieferast mit Bezahnung, einen Backenzahn aus dem Oberkiefer sowie mehrere Knochen der Gliedmaßen analysiert“, sagte Ralf-Dietrich Kahlke, langjähriger Leiter der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar und heute ehrenamtlicher Mitarbeiter bei Senckenberg. "Die Fossilien lagen mehrere Meter tief im Travertingestein und lassen sich dem Eem zuordnen – der globalen Warmzeit vor der letzten Eiszeit."

Dieser rechter Unterkieferast mit Fangzahn und Zahnreihe stammt von einer neu entdeckten Unterart fossiler Leoparden (Panthera pardus burgtonnae) aus dem Travertin von Burgtonna in Thüringen. Foto: Senckenberg

Völlig neue Leoparden-Unterart entdeckt

Die Untersuchung der Zähne und Knochen ergab demnach, dass die wahrscheinlich von einem einzelnen Tier stammenden Fossilien einer bislang unbekannten Unterart europäischer Leoparden zuzuordnen sind. Diese Leopardenart wurde nun nach dem Thüringer Dorf benannt: Panthera pardus burgtonnae. Die in der Fachzeitschrift "Palaeobiodiversity and Palaeoenvironment“ veröffentlichte Neubeschreibung fügt dem Bild der europäischen Leoparden eine weitere klar unterscheidbare Form hinzu. Der Großkatze aus Burgtonna lebte vor rund 125.000 Jahren, besiedelte ganz in Europa und besaß einen besonders massigen, fast jaguarähnlichen Körperbau. Panthera pardus burgtonnae gehört zu einer taxonomischen Gruppe, die bereits aus pleistozänen Fundstellen wie den Lössablagerungen über den hessischen Mosbach-Sanden und der thüringischen Lokalität Weimar-Taubach aufgefallen war.

Diese Luftbildaufnahme zeigt, wie klein und beschaulich Burgtonna in Thüringen ist.

Burgtonna-Leopard besonders gut durch seine Zähne erkennbar

Die Merkmale dieser Leoparden unterscheiden sich deutlich von denen der vor allem während der späteren Weichsel-Kaltzeit in Europa verbreiteten Form Panthera pardus antiqua. Diese war während der letzten Eiszeit wesentlich häufiger anzutreffen und in weiten Teilen Europas verbreitet. „Besonders auffällig ist der erste untere Backenzahn der neuen Unterart. Er ist vergleichsweise schmal und niedrig. Gleichzeitig besitzt ein davor liegender Zahn eine ungewöhnlich breite Vorderseite. Diese Kombination von Merkmalen macht den Burgtonna-Leoparden innerhalb der europäischen Leopardenfunde gut erkennbar“, fügt Kahlke hinzu.

Beide europäischen Leopardenformen des späten Pleistozäns waren im Vergleich zu heutigen Artvertretern besonders kräftig gebaut. Sie übertrafen die rezenten Verwandten deutlich in ihrer Körpermasse und kamen in dieser Hinsicht Jaguaren nahe. "Für die Burgtonna-Leoparden lässt sich anhand eines Oberarmknochens ein Gewicht von etwa 35 bis 40 Kilogramm berechnen. Der untersuchte Körperbau deutet dabei auf ein ausgesprochen kräftiges weibliches Tier hin“, erklärt Helmut Hemmer, der die neue Art ebenfalls mit definierte. Um die unterschiedliche Körpergestalt verschiedener Leoparden vergleichbar zu machen, führen die Autoren in ihrer Studie einen neuen Körpermassenindex ein. Er setzt die Körpermasse mit der Kopf-Rumpf-Länge in Beziehung und funktioniert damit ähnlich wie der aus der Humanmedizin bekannte BMI.

Sind die Burgtonnaer Leoparden Jaguar-Kreuzungen?

Die außergewöhnliche körperliche Robustheit der fossilen europäischen Leoparden führt das Forscherteam zu einer weiteren Fragestellung: Kam es zur Übertragung von genetischem Material zwischen den während des Mittelpleistozäns in Europa noch vorkommenden Jaguaren (Panthera onca gombaszoegensis) und damaligen Leoparden? „Ein Genfluss zwischen den beiden Arten, aber auch von erst kürzlich nachgewiesenen europäischen Schneeleoparden, ist durchaus denkbar. Ob es tatsächlich zu einer Vermischung kam, lässt sich allerdings nur durch molekulargenetische Untersuchungen klären. Dafür wären insbesondere Analysen vollständiger Genome notwendig“, gibt Hemmer einen Ausblick.

Ergebnisse helfen, die Geschichte der Großkatzen neu zu ordnen

Die neuen Ergebnisse tragen dazu bei, die komplizierte Geschichte der Großkatzen zu ordnen. Sie zeigen, dass sich in Europa bereits im späten Mittelpleistozän unterschiedliche evolutionäre Linien von Leoparden herausgebildet hatten. Panthera pardus burgtonnae war während der Eem-Warmzeit offenbar weit verbreitet, ihr Nachweis reicht mindestens von Mitteleuropa bis zur Apenninenhalbinsel. Während der späteren Weichsel-Kaltzeit war in Mittel- und Südosteuropa dagegen vor allem Panthera pardus antiqua verbreitet.

Das ist der rechter Unterkieferast mit Fangzahn und Zahnreihe der neu entdeckten Unterart fossiler Leoparden (Panthera pardus burgtonnae) aus dem Travertin von Burgtonna in Thüringen. Foto: Senckenberg

Travertinablagerungen aus Burgtonna zeigten bereits 1696 fossile Elefatenreste

„Die Funde aus Burgtonna zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in paläontologischen Fundstellen und wissenschaftlichen Sammlungen steckt, um die komplexe Evolutionsgeschichte der Eiszeitfauna zu entschlüsseln“, schließt Kahlke. Die Travertinablagerungen von Burgtonna gehören zu den bedeutendsten paläontologischen Fundstellen der europäischen Quartärpaläontologie. Bereits im Jahr 1696 wurden dort fossile Elefantenreste weltweit erstmals wissenschaftlich beschrieben.

Publikation: Hemmer, H., Kahlke, RD. Panthera pardus burgtonnae ssp. nov. (Mammalia, Carnivora, Felidae) from the Eemian of Burgtonna (Thuringia, Germany) – Late Pleistocene European leopards in a new perspective. Palaeobio Palaeoenv (2026). https://doi.org/10.1007/s12549-026-00702-8

Senckenberg Gesellschaft / Katrin Tominski

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Классификация: Наука. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 13.5. Источник: www.mdr.de.