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"Zu verschenken"-Kisten vor der Haustür: Nachhaltige Lösung oder bequeme Müllentsorgung?

Дата публикации: 20-10-2026 09:04:59

Alte Sachen vor die Tür stellen? Was für die einen eine gute Idee ist, ist für andere entsorgter Hausrat. Doch was ist erlaubt? Und wann wird daraus ein Entsorgungsproblem?

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Ein paar alte Bücher, eine Vase, Geschirr oder Dinge, die im eigenen Haushalt längst ausgedient haben: Wer sie in eine Kiste packt und mit einem "Zu verschenken" oder "Zum Mitnehmen"-Schild vor die Haustür stellt, hofft meist, dass jemand anderes noch Freude daran hat. Oder ist es doch eher die einfache Variante, seinen Sperrmüll loszuwerden?

Eine Nachfrage in Heilbronn, Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) und Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) zeigt: Grundsätzlich sehen die Kommunen darin bislang kein größeres Problem. Doch ganz freie Hand haben die Menschen beim Aufstellen der Kisten nicht.

Verschenken statt wegwerfen: Wie finden das die Kommunen?

Statt im Müll landen die Sachen im besten Fall in einem neuen Zuhause. Im schlimmsten Fall aber wird der Gehweg zum Sperrmüllplatz. In Heilbronn sind die Kisten längst kein neues Phänomen. Sie tauchen im Stadtgebiet seit Jahren immer wieder auf. Dort drückt man aber meist ein Auge zu. "Wegen des Nachahmungseffektes sehen wir die Kisten zwar nicht gerne", heißt es von der Stadt, sie seien aber "in der Regel geduldet" und würden "nicht geahndet, wenn sie nur für wenige Tage auf die Straße gestellt werden."

Anders sieht es aus, wenn die Kisten das Stadtbild beeinträchtigen. Dann könne der Kommunale Ordnungsdienst durchaus aktiv werden und gegebenenfalls ermitteln, wer die Gegenstände abgestellt hat - verbunden mit der Bitte, die Sachen rasch zu beseitigen. Bußgelder wurden dafür bislang nicht verhängt.

Ein Tisch mit Dingen "zu verschenken" vor einem Haus.

Entdeckt in Leingarten (Kreis Heilbronn): Hier steht ein Tisch mit Dingen "zu verschenken" - Bücher, DvDs, ein Kerzenständer. SWR Ulrike Schirmer Eine Kiste vor dem Haus ist noch kein Fall fürs Ordnungsamt

In Crailsheim ist das Thema bislang kein großes Ärgernis. Die Stadt sieht in den "Zu verschenken"-Kisten grundsätzlich "kein relevantes Problem". Gelegentlich seien sie vor allem in den äußeren Bereichen der Innenstadt und in den Stadtteilen zu finden, berichtet Pressesprecher Mathias Grimm. Dort stünden sie auf privaten Grundstücken, seien aber vom Gehweg aus gut erreichbar. Sein Fazit: "Tatsächlich nichts von öffentlichem Belang."

In Bad Mergentheim fällt die Einschätzung ähnlich aus. Eine Zunahme des Phänomens beobachtet die Stadt nach eigenen Angaben nicht. Die Kisten seien gelegentlich zu sehen und meist etwa nur "so groß wie ein Schuhkarton". Zu einer problematischen Form der Müllentsorgung sei es bislang nicht gekommen.

Wann wird aus einer guten Idee ein Müllproblem?

Der entscheidende Punkt ist, was mit den Sachen passiert, wenn sie niemand haben möchte. Bleibt die Kiste beispielsweise tagelang im Regen stehen und wird ihr Inhalt nicht mitgenommen, stellt sich irgendwann die Frage: Wird hier noch verschenkt oder ist das Zeug eigentlich schon Abfall? Im März vergangenen Jahres wurde in Konstanz sogar ein kleiner Hund mit einem "zu verschenken"-Schild an einen Poller angebunden.

Die Stadt Crailsheim macht deutlich, dass öffentliche Flächen nicht der Müllentsorgung dienen. Auch die Stadt Bad Mergentheim empfiehlt, die Kisten im Blick zu behalten. Deshalb rät das Ordnungsamt dazu, sie ausschließlich auf Privatgrundstücken aufzustellen. Wird nach ein paar Tagen nicht alles mitgenommen, sollte die Kiste wieder weggeräumt und der Müll ordnungsgemäß entsorgt werden.

Auch wenn es kaum Beschwerden gibt - vielleicht doch zur Aufbaugilde?

Und wie sieht es mit den Nachbarn aus? Werden die Kisten und Gegenstände nahe des eigenen Grundstücks toleriert? Ja, sagen die Kommunen. Ihrer Einschätzung nach sind sie kaum jemandem ein Dorn im Auge. In Crailsheim und Bad Mergentheim liegen zumindest bislang keine Beschwerden vor.

Wer aber doch auf Nummer sicher gehen und dennoch etwas Gutes tun möchte, der kann gut erhaltene Kleidung, Bücher, Haushaltswaren oder Möbel auch an Secondhand-Läden weitergeben. In Heilbronn betreibt die Aufbaugilde ein Kaufhaus, in dem gebrauchte Waren angeboten werden.

Second Hand Kaufhaus der Aufbaugilde in Heilbronn

Das Secondhand-Kaufhaus der Aufbaugilde in Heilbronn. SWR

Die gemeinnützige Einrichtung hat nach eigenen Angaben mehr als 35 Jahre Erfahrung mit der Weitergabe gebrauchter Waren. Auf rund 3.000 Quadratmetern bietet sie unter anderem Kleidung, Schuhe, Bücher, Haushaltswaren, Elektrogeräte und Möbel an. Das Sortiment wird täglich um etwa zwei Lkw-Ladungen ergänzt, so Geschäftsführer Gerald Bürkert im SWR-Interview.

Und genau das schaffe Beschäftigung für Menschen, die sonst möglicherweise keine Arbeit hätten, sagt er und betont, wie wertvoll gut erhaltene Spenden für die Einrichtung sind.

Verschenken ja, aber nicht alles gehört in die Kiste

Dennoch, so Bürkert weiter, seien die Kisten vor den Haustüren eine sinnvolle Ergänzung. "Tolle Idee", sagt er, und ein kleines Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. Es helfe Menschen, die darauf angewiesen sind. Viele Menschen, die die Aufbaugilde aus der Wohnungsnotfall- und Suchtkrankenhilfe betreut, würden gezielt nach solchen Angeboten Ausschau halten: Spielsachen, kleine Alltagsgegenstände und andere brauchbare Dinge würden gerne mitgenommen.

Wichtig sei ihm aber, dass man nicht alles vor die Tür stellt. Manches sei einfach Müll und gehöre auch dorthin.

Prinzipiell gilt: Das, was ich selbst noch benutzen würde, das ist auch was, was ich weiter verschenken kann.

Und dann spiele es keine Rolle, ob die Sachen in einer Verschenkekiste landen oder in einem Secondhand-Kaufhaus. Hauptsache, sie machen einem anderen Menschen noch eine Freude.

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