Viele Autozulieferer im Südwesten stehen unter Druck: E-Autos, Konkurrenz aus China und hohe Kosten. Ein Kongress in Esslingen sucht nach Antworten.
Patrick Vikari steht vor einem Prüfstand in einer Fabrikhalle in Stuttgart. Gelbe Metalllager, die ein wenig an Radkappen erinnern, stehen sich in einem Abstand von mehreren Metern gegenüber. In die werden normalerweise Lkw-Achsen eingespannt. Die Halle gehört der Hofer Technology Group, einem Dienstleistungsbetrieb für die Autoindustrie. 150 Beschäftigte hat das Unternehmen in Baden-Württemberg, davon 50 hier in Stuttgart, erklärt Standortchef Patrick Vikari. Ihr Fachgebiet hier ist der Antrieb. Getriebe entwickeln und testen, für alle deutschen Autohersteller und viele im Ausland, das ist ihr Geschäft. Das Besondere: Hofer ist Spezialist für alle Antriebsarten, egal ob Verbrennungs-, Hybrid- oder Elektromotor.
Vorteil Vielfalt beim AntriebSchon vor zehn Jahren habe man bei Hofer gemerkt, dass das Geschäft mit dem klassischen Antrieb schrumpft, erklärt Patrick Vikari. Das Unternehmen hat sich damals neu orientiert, mit einem starken Fokus auf Elektromobilität. Nur noch 15 bis 20 Prozent des Geschäfts laufen heute mit Verbrennern. Doch bei Hofer haben sie das Neue getan, ohne das Alte zu lassen: Der Lkw-Prüfstand etwa wurde nicht umgerüstet, sondern nachgerüstet – und kann heute Achsen von Diesel- wie Elektrolastern auf Herz und Nieren testen.
Autohersteller und Zulieferer in Baden-Württemberg stecken schon länger in der Krise. Jetzt bekommen die Beschäftigten im Land die dramatischen Folgen immer deutlicher zu spüren.
Damit ist man bei Hofer in einer vergleichsweise komfortablen Lage: Die Transformation der Antriebe, die viele Zulieferer unter enormen Druck gesetzt und Tausende Arbeitsplätze vernichtet hat – bei dem Dienstleister ist sie einigermaßen geräuschlos über die Bühne gegangen. Und selbst das Gezerre rund um das "Verbrenner-Aus" lässt Patrick Vikari einigermaßen gelassen. Dass die EU nun Verbrennungsmotoren vermutlich doch länger im Markt halten wird, sei für sein Unternehmen gut – und das, obwohl Hofer das große Geschäft mittlerweile mit neuen Antrieben verdient:
Wir sind auch im Bereich Supersportwagen aktiv, die es vollelektrisch nicht gibt. Wir fänden es positiv, wenn der Verbrenner nicht komplett ausstirbt.“

Wie können die Zulieferer die Talsohle endlich hinter sich lassen? Diese Frage beschäftigt auch die rund 400 Branchenvertreterinnen und -vertreter, die in Esslingen zusammengekommen sind. Die Antworten, die man dazu im Neckar Forum hört, sind teilweise überraschend optimistisch. Franz Loogen ist Geschäftsführer der "e-mobil BW", der Landesagentur, die sich das Thema neue Mobilität auf die Fahne geschrieben und den Kongress organisiert hat. Viele Zulieferer würden heute erste Früchte ihrer Aktivitäten ernten. Firmen hätten in neue Technologien investiert, in Open-Source-Software und Computerchips etwa. Dazu käme ein weiterer Effekt: Weil die Lieferketten stabilisiert werden sollten, seien europäische Unternehmen in europäischen Autofabriken aktuell als Zulieferer sehr gefragt: "Die Zulieferer sehen natürlich auch die konjunkturellen Daten. Also, es ist durchaus Licht am Horizont", so Loogen.
Diese Zuversicht teilen aber längst nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Zuliefertag. Ein Vertreter berichtet, dass die Stimmung in seinem Unternehmen am Tiefpunkt sei. Viel hört man in Gesprächen von Auftragsrückgängen – und von einer Umschichtung der Kundschaft, weg aus Europa, hin nach China. Optimistisch ist man vor allem in Betrieben, die sich mit Elektronik und Computerchips im Pkw-Bereich beschäftigen – in Zeiten des KI-Hypes als weltweitem Wachstumstreiber.
Zulieferer: Herausforderungen bleibenDass die Herausforderungen weiter riesig sind, bescheinigen der Branche auch Fachleute wie Samina Sultan. Die Handelsexpertin vom Institut der Deutschen Wirtschaft ist aus Köln nach Esslingen gekommen. Die Firmen hätten weiter mit internen wie externen Herausforderungen zu kämpfen. Intern bezieht sich vor allem auf die technologische Umstellung hin zur Elektrifizierung der Antriebe. Extern mache den Betrieben die harte Konkurrenz mit China zu schaffen und außerdem der Zollstreit mit den USA. Und dennoch sieht die Forscherin viele Betriebe weiter gut gerüstet, um auch in diesem schwierigen Umfeld zu bestehen. Weil sie technologisch exzellent sind:
„Es gibt weiter viele Unternehmen, die in ihrem Produktbereich Weltmarktführer sind oder Alleinstellungsmerkmale haben, die weltweit nicht so leicht nachzubilden sind.“
Der Alltag in vielen Unternehmen ist trotzdem immer noch von der Krise geprägt. Das merken sie selbst bei einem breit aufgestellten Dienstleister wie Hofer Technology. Denn der Kostendruck bei den Zulieferern ist enorm gestiegen. Die Hersteller – Mercedes, VW und Co. – haben massive Einsparziele verabschiedet, die sie in der Lieferkette nach hinten weiterreichen, erklärt Patrick Vikari: "Eigentlich sind bei uns die Kosten gestiegen, beispielsweise für Energie. An den Kunden weitergeben können wir das derzeit nicht."
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