Der Tod von Julian Curo Churata reiht sich in eine Serie von Fällen ein. Bürgerrechtler sprechen von ignorierten medizinischen Notfällen. Die Behörden weisen Vorwürfe bislang zurück.
Stand: 21.10.2026, 15:05 Uhr

Der Tod von Julian Curo Churata reiht sich in eine Serie von Fällen ein. Bürgerrechtler sprechen von ignorierten medizinischen Notfällen. Die Behörden weisen Vorwürfe bislang zurück.
Louisiana – Veronica Ramirez wusste, dass etwas nicht stimmte, als ihr Mann eines Tages nicht anrief.
In den drei Monaten, die er in einem Einwanderungshaftzentrum in Louisiana verbrachte, rief Julian Curo Churata jeden Morgen an oder schickte eine Nachricht. Damit wollte er Ramirez und ihre drei Kinder in Maryland beruhigen, dass es ihm gut gehe. Als der 28. September ohne ein Lebenszeichen verstrich, rief Ramirez die Frau eines anderen Häftlings an. Die Frau sagte ihr, Curo Churata sei „den ganzen Tag über in schlechter Verfassung“ gewesen.
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Als er sich am folgenden Morgen nicht meldete, kontaktierte Ramirez das Haftzentrum. Ein Mitarbeiter sagte ihr, man werde sich in Kürze bei ihr melden.
Zwanzig Minuten später rief ein Bestattungsinstitut an, um Ramirez mitzuteilen, dass ihr Mann tot sei.
Ramirez sagte, ein ICE-Vertreter habe ihr gesagt, Curo Churata sei an diesem Morgen gestorben und die Todesursache werde noch ermittelt. Die ICE-Verantwortlichen erklärten in einer Stellungnahme, Wachleute im Richwood Correctional Center in Monroe, Louisiana, hätten Curo Churata am Tag zuvor in einem „medizinischen Notfall“ vorgefunden. Am 28. September brachten die Wachleute ihn kurz nach 20 Uhr in das Ochsner LSU Health Monroe Medical Center.
Ungeklärte Stunden vor der EinlieferungDas Krankenhaus liegt nur sieben Autominuten vom Haftzentrum entfernt. Laut Krankenhausunterlagen, die der Washington Post vorliegen, verzeichnete es seine Ankunft erst um 22:26 Uhr.
Es bleibt unklar, was genau in den Stunden vor Curo Churatas Ankunft im Krankenhaus geschah.
Die Krankenhausunterlagen nennen als unmittelbare Todesursache einen Herzstillstand infolge eines septischen Schocks.
„Niemand aus dem Haftzentrum hat mich je angerufen, um mir zu sagen, dass er krank sei oder dass sie ihn in ein Gesundheitszentrum oder Krankenhaus verlegen – nichts“, sagte Ramirez in einem Interview mit der Post auf Spanisch.
Mehr als zwei Wochen nach dem Tod hätten die Behördenvertreter der Familie noch immer keine detaillierte Schilderung der Geschehnisse gegeben, sagte Ramirez. Sie habe ihren Mann als gesunden 47-Jährigen ohne Vorerkrankungen gekannt, und sie wolle Antworten, sagte sie.
„Er war kein Verbrecher“, sagte Ramirez. „Alles, was er in diesem Land wollte, war arbeiten. Er zahlte seine Steuern, er wollte eine bessere Zukunft für seine Kinder und für mich – für seine Familie. Das hat er überhaupt nicht verdient. Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass die Wahrheit gesagt wird, und ich will, dass sie Verantwortung übernehmen, falls sie etwas damit zu tun hatten. Sie müssen die Wahrheit sagen und die wahre Geschichte ans Licht kommen lassen.“
Senator Chris Van Hollen (Demokrat, Maryland) hat eine „umfassende unabhängige Untersuchung“ des Todes von Curo Churata gefordert.
„Es mehren sich die Hinweise, dass Richwood die dringenden medizinischen Bedürfnisse von Herrn Curo Churata ignorierte und damit eine völlige Missachtung seines Lebens zeigte“, sagte Max Schoening, ein Bürgerrechtsanwalt der Kanzlei Qureshi Law, der Ramirez vertritt, in einer Stellungnahme.
Das Richwood Correctional Center reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Das Heimatschutzministerium (DHS) ließ eine Liste mit Fragen der Post unbeantwortet. Die Behörde gab Curo Churatas Tod in einer Stellungnahme vom 1. Oktober bekannt. Darin erklärte sie, sie habe ihn während seiner Haft „angemessen medizinisch versorgt“. „Zu keinem Zeitpunkt der Haft wird einem inhaftierten Nichtstaatsbürger eine Notfallversorgung verweigert“, heißt es in der Stellungnahme.
Vorwürfe gegen Richwood und ICECuro Churata ist einer von mindestens 59 Menschen, die seit Präsident Donald Trumps Rückkehr ins Amt in ICE-Gewahrsam gestorben sind. In dieser Zeit gab es weitverbreitete Vorwürfe gegen Haftanstalten wegen schlechter Bedingungen, fehlender medizinischer Versorgung und Übergriffen durch Wachpersonal.
In Texas starb am Samstag ein in Mexiko geborener Mann. Man hatte ihn gegen 10 Uhr reaktionslos in seinem Bett in der Zelle des Rio Grande Processing Center in Laredo, Texas, gefunden, wie der US-Abgeordnete Henry Cuellar bestätigte. Das mexikanische Konsulat habe gegenüber Cuellar Bedenken zum Tod des Mannes geäußert, auch zum Grund seiner Inhaftierung. Cuellar sagte, er habe ICE Fragen übermittelt, aber noch keine Antworten erhalten. Er stehe in Kontakt mit der Familie von Emiliano Andrade-Covarrubias.
Man wirft dem Richwood Correctional Center mangelhafte medizinische Versorgung vor, darunter einen Vorfall im April 2025: Eine inhaftierte Frau brachte ein totes Kind zur Welt. Sie soll zuvor unzureichende Schwangerschaftsvorsorge erhalten haben, wie aus Berichten von The Intercept hervorgeht.
Das DHS erklärte, Einwanderungsbeamte hätten Curo Churata im Juni festgenommen, weil er sich illegal im Land aufhielt. Laut Ramirez‘ Anwalt hatte er 2021 erfolglos Asyl beantragt. Er besaß eine Arbeitserlaubnis, die 2024 auslief, wie aus einer Kopie hervorgeht, die der Post vorliegt. Gerichtsunterlagen zeigen einen Verkehrsverstoß aus dem Jahr 2019: Er fuhr mit abgelaufener Zulassung. Außerdem existiert ein staatliches Steuerpfandrecht in Maryland aus dem Jahr 2024.
Ein Familienvater und TischlerRamirez beschrieb ihn als ruhigen und gutherzigen Familienmenschen, der Fußball liebte und hart arbeitete, um sie und die Kinder zu versorgen.
Wer Curo Churata kannte, fällt es schwer, seinen plötzlichen Tod zu begreifen. Als Tischler galt er bei seinen Kollegen als aktiver, gesunder Mann. Er arbeitete bei Hitze, Kälte und Regen im Freien und meldete sich selten krank. Ramirez kenne keine gesundheitlichen Probleme, die zu seinem Tod beigetragen haben könnten. „Er hatte keine Laster, er rauchte nicht und trank nicht“, sagte sie.
„Er ist ein Typ, auf den man sich total verlassen kann, er kam zur Arbeit, wollte keinen Ärger“, sagte Cassaundra Brownell, eine Managerin bei Wentworth, einer Baufirma, bei der Curo Churata arbeitete. „Er war einer von den Jungs in unserem Team, den einfach alle mochten … Er sprach die ganze Zeit von seiner Familie.“
Als sie zuletzt mit ihrem Mann sprach, am 27. September, sei ihr nichts Ungewöhnliches aufgefallen, sagte Ramirez.
Tod im KrankenhausAm nächsten Tag verschlechterte sich Curo Churatas Zustand dramatisch. Laut Krankenhausunterlagen gaben Vollzugsbeamte in Richwood an, er sei am 28. September „den ganzen Tag über lethargisch und nicht ansprechbar“ gewesen.
Als er an jenem Abend im Krankenhaus eintraf, hatte sich sein Zustand verschlechtert. Als das Personal versuchte, sich über einen Spanisch-Dolmetscher mit ihm zu verständigen, „blieb er in sich gekehrt und gab nur unverständliche Laute von sich“, wie aus den Krankenhausunterlagen hervorgeht.
Das Krankenhauspersonal, das Curo Churata untersuchte, notierte: Ein 47-jähriger inhaftierter Mann ohne bekannte Vorerkrankungen kam „wegen Verdachts auf eine veränderte Bewusstseinslage“ zur Behandlung. Außerdem besagen die Unterlagen, dass ihn das Gefängnis geschickt hatte, um eine Lungenentzündung auszuschließen.
Am 29. September um 4:01 Uhr starb Curo Churata.
In einem Schreiben teilte die Behörde Ramirez mit: „Ihr Mann ist am 29. September 2026 gestorben. Seine Todesursache wird noch ermittelt.“ Ramirez sagte, seitdem habe sie nichts mehr von der Behörde gehört.
„Das zerreißt mich am meisten, denn jede Nacht frage ich mich: Was ist passiert?“, sagte Ramirez. „Ich kann es einfach nicht begreifen.“
Das DHS erklärte, eine Autopsie werde die offizielle Todesursache klären. Das Büro des Coroners im Ouachita Parish, wo das Haftzentrum liegt, bestätigte am Montag: Der Autopsiebericht sei noch nicht fertig.
Ramirez sagte, der Verlust sei zeitweise kaum zu ertragen, zumal ihr Mann auch Vater und finanzielle Stütze der Familie war. Ihre Tochter, einst ein fröhliches, aufgeschlossenes Kind, sei in sich gekehrt und habe Angst, auch sie zu verlieren.
„Sie lässt mich nicht aus den Augen“, sagte Ramirez. „Sie will nicht zur Schule gehen. Sie hat Angst – Angst, allein zu sein.“
Eine GoFundMe-Aktion zur Unterstützung von Ramirez und zur Deckung der Beerdigungskosten hat bislang knapp 22.000 Dollar (ca. 18.900 Euro) gesammelt. Eine separate Spendenaktion, die Curo Churatas ältester Sohn gestartet hat, um sein Studium zu finanzieren, hat mehr als 10.000 Dollar (ca. 8.600 Euro) eingebracht.
„Ich versuche immer noch, mich an ein Leben ohne ihn zu gewöhnen“, schrieb Luis Curo auf der Webseite der Spendenaktion. „Mein Vater war ein wichtiger Teil meines Lebens, und ich hoffe, ihn stolz zu machen, indem ich mein Studium abschließe und meine Träume verfolge.“
Von der Festnahme bis zum AbschiedVor seiner Festnahme hatte das Paar trotz der zunehmenden ICE-Haftaktionen im Sommer ein zerbrechliches Gefühl der Ruhe verspürt. Curo Churata hatte ein anhängiges Verfahren vor dem Einwanderungsgericht. Bei einer Anhörung am 22. Juni sagte man ihm, er solle im August zu einem Folgetermin wiederkommen. Ramirez erinnerte sich: „Wir sagten uns, wenn sie ihn hätten festnehmen wollen, hätten sie es genau dort und dann getan.“
Weniger als eine Woche später, am 27. Juni, nahmen ICE-Beamte Curo Churata in Laurel fest, als er auf dem Weg zur Arbeit bei einem Home Depot haltmachte.
In den Monaten der Haft entwickelten sich die täglichen Anrufe mit seiner Familie – manchmal bis zu dreimal am Tag – zu einer Art Ritual, sagte Ramirez. Er beruhigte sie, dass er in Sicherheit bleibe, und sagte seinen Kindern, dass er sie vermisse und sie bald wieder zusammen sein würden. Das Paar hatte vereinbart, der sechsjährigen Tochter nichts von seiner Inhaftierung zu erzählen. Also sagte Curo Churata ihr bei Videoanrufen, er helfe, ein wunderschönes Haus weit weg zu bauen. Er werde zurückkehren, wenn die Arbeit getan sei.
„Sie sagte: ‚Papa, warum machst du diesen Job nicht fertig? Dieser Job ist schrecklich, sie lassen dich nicht zu uns zurückkommen‘“, erinnerte sich Ramirez. „Er sagte dann zu ihr: ‚Nein, mein Schatz, ich bin fast fertig, und dann kann ich nach Hause kommen und bei dir sein.‘“
Kurz vor seinem Tod lehnte ein Einwanderungsrichter Curo Churatas Asylantrag und seinen Antrag auf freiwillige Ausreise nach Peru ab. Ramirez sagte, als die Aussicht schwand, dass er im Land bleiben könne, hätten sie begonnen zu planen, sich außerhalb der USA wieder zu vereinen. Dafür kamen Peru oder vielleicht El Salvador infrage, ihr Heimatland.
„Wir beschlossen, dass ich mit den Kindern gehen würde, wenn er gehen müsste – wir wollten nicht getrennt sein“, sagte sie. „Aber am Ende haben sie ihn mir für immer weggenommen.“
Arelis R. Hernández hat zu diesem Bericht beigetragen.
Zum Autor:Liam Bowman ist Praktikant in der Lokalredaktion „Metro“. Er erwarb einen Master in Journalismus an der University of Maryland, wo er als Reporting Fellow am Howard Center for Investigative Journalism tätig war. Zuvor schrieb er für Lokalzeitungen in Virginia.
Dieser Artikel war zuerst am 20. Oktober 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.
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