Eine neue Zeitung will in der amerikanischen Hauptstadt die Medienszene aufmischen: «The Washington Sun» versucht dies mit klassischer Lokalberichterstattung – und mithilfe eines Milliardärs.
Eine neue Zeitung will in der amerikanischen Hauptstadt die Medienszene aufmischen: «The Washington Sun» versucht dies mit klassischer Lokalberichterstattung – und mithilfe eines Milliardärs.
Marc Neumann, Washington DC19.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten

Dario Veréb / NZZ
Ende September war Washington Schauplatz einer kleinen Ungeheuerlichkeit. Die Rede ist nicht von Donald Trumps Querelen mit Journalisten von CNN und «Politico», die er – wieder einmal – aus dem Weissen Haus verbannte. Sondern von einer Aktion von «The Washington Sun», einem neuen Medientitel in der Hauptstadt. Direkt gegenüber dem Hauptquartier der «Washington Post» verteilten Mitarbeiter Gratiskaffee an Passanten – quasi unter den Augen der Journalisten der «Washington Post».
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Die PR-Aktion war eine Provokation: Das am 9. September lancierte Medien-Startup pflanzte sich frech vor die Nase des 1877 gegründeten Traditionsblattes, das legendär für seine Recherchen ist. Diese führten einst zum Rücktritt von Präsident Nixon und zur Aufdeckung der «Pentagon Papers». Derzeit ist das Weltblatt im Besitz des Amazon-Gründers Jeff Bezos jedoch selber Gegenstand negativer Schlagzeilen. Die Leser- und Abonnentenzahlen sind stark rückläufig, die Einnahmeverluste belaufen sich auf bis zu 100 Millionen Dollar pro Jahr. Anfang Februar wurde ein Drittel des Newsrooms entlassen oder frühpensioniert, vornehmlich im Sport- und Lokalressort.
Knapp zwei Dutzend ehemalige Journalisten der «Washington Post», unter ihnen der langjährige Kolumnist Dana Milbank oder der Gastrokritiker Tom Sietsema, fanden nun bei der eben lancierten «Washington Sun» eine neue Stelle. Unter dem Emblem der Sonne und dem Motto «Shining a Light on Washington» setzt die Zeitung einen hellen Kontrapunkt zum «Post»-Slogan «Democracy Dies in Darkness.»
Schwerpunkt HauptstadtpolitikWer dieser Tage die Metro nimmt, sieht den neuen Blatttitel und das Logo der «Washington Sun» auf der U-Bahn prangen. Auch am Hauptbahnhof Union Station sind Werbebanner aufgehängt. Auf X werden für mittlerweile knapp eine Viertelmillion Follower im Halbstundentakt die neusten Artikel aus einer inzwischen hundertköpfigen Redaktion gepostet.
Die Artikel befassen sich vor allem mit der Politik in der amerikanischen Hauptstadt, dazu gibt es viel Lokalkolorit zu den Themen Sport, Schulwesen oder Lifestyle. Die Texte sind gut recherchiert und von Substanz und Tiefe her vergleichbar mit den Inhalten von «The Wall Street Journal», «The New York Times» oder eben «The Washington Post». Neben der digitalen Ausgabe versammelt eine gedruckte Magazin-Ausgabe die besten Geschichten des Monats.

PD
Inhaber der «Washington Sun» ist der 57-jährige Milliardär Robert Allbritton. Laut dem «Wall Street Journal» soll er das neue Medienprodukt im ersten Jahr mit 10 Millionen Dollar unterstützen. Allbritton bringt viel Erfahrung mit: Er gründete 2007 das Medienunternehmen «Politico» mit dem gleichnamigen Internetmagazin, das im politischen Betrieb rund um Washington viel Einfluss hat.
Allbritton verkaufte «Politico» 2021 für über 1 Milliarde Dollar an Axel Springer und gründete 2023 das Medienportal «Notus», was ausgeschrieben «News Of The United States» heisst. Dazu kam das Allbritton Journalism Institute, eine Talentschmiede. «Notus» erfuhr nun unter der Marke «The Washington Sun» einen Relaunch.
Über seinen journalistischen Kurs sagte Allbritton dem «Wall Street Journal», er lanciere die «Washington Sun» im Geist einer «Reinheit der Mission». Journalistische Tugenden sind ihm wichtiger, als sich zum Anwalt für eine politische Stossrichtung zu machen, dies gibt er damit zu verstehen.

PD
Bislang scheinen Allbritton und die «Sun» nicht auf ideologischer Mission zu sein, auch ein kulturkämpferischer Ton fehlt weitgehend. Vielmehr macht das Medienportal gutes altes Reporting im Sinne von «just the news» – faktengetreu und neutral aufbereitete Nachrichten kommen an erster Stelle.
Wenn sich die «Sun» nun auf die lokale Berichterstattung konzentriert, tut sie das, was die «Washington Post», aber auch das lokale NPR-Radio, vernachlässigt haben. Dabei lassen sich aus dieser Nische genauso gut Bezüge zur politischen Macht herstellen und Themen recherchieren, die eine nationale und internationale Wirkung haben können.
Wird es zu einem erbitterten Konkurrenzkampf zwischen «Sun» und «Post» kommen? Dieser Frage wich eine Pressesprecherin der «Sun» aus. «Wir wollen guten Journalismus anfeuern, auch bei der ‹Washington Post›», hiess es. Weitere Anfragen blieben unbeantwortet, das Team sei gerade sehr beschäftigt. Macht das Team so weiter, könnte es bald auch ausserhalb der Hauptstadt und jenseits der Landesgrenze auffallen.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | WSJ: Трамп за день стал богаче на $5 млрд благодаря WLFI | 0 | 0 | 02-09-2025 |
| 2 | WP: генпрокурор Вашингтона хочет допросить сына Трампа | 0 | 0 | 15-01-2021 |
| 3 | Помпео: Вашингтон стремится найти сферы, в которых у США и РФ есть общие интересы | 0 | 0 | 01-11-2018 |
| 4 | NYT: в США хотят перевести полицию Вашингтона под федеральный контроль за месяц | 0 | 0 | 11-08-2025 |
| 5 | Трамп подаст в суд на WSJ из-за публикации об эротическом подарке для Эпштейна | 0 | 0 | 18-07-2025 |
| 6 | WSJ: Трамп считает Маска смесью гения и ребенка | 0 | 0 | 31-05-2025 |
| 7 | News outlets banned from White House sue Trump administration on First Amendment grounds | 0 | 5.49 | 21-09-2026 |
| 8 | Populist president, meet socialist mayor | 0 | 5 | 18-06-2026 |
| 9 | В США решили направить $1 млрд в созданный в рамках конвенции ООН климатический фонд | 0 | 0 | 20-04-2023 |