Hitze und Trockenheit machen den Wäldern und Forstbetrieben im Saarland zunehmend zu schaffen – auch in Schmelz. Im Kampf gegen den Klimawandel setzt man hier aber vor allem auf einen ganz bestimmten natürlichen Prozess.
Schmelz · Hitze und Trockenheit machen den Wäldern und Forstbetrieben im Saarland zunehmend zu schaffen – auch in Schmelz. Im Kampf gegen den Klimawandel setzt man hier aber vor allem auf einen ganz bestimmten natürlichen Prozess.
19.10.2026 , 07:00 Uhr
Folgen des Klimawandels: Auch im Forst von Schmelz sorgen Trockenheit und Hitze für zunehmende Schäden. So fiel etwa diese ältere Buche der jüngsten Dürre zum Opfer.
Foto: Tom PetersonViel ist nicht mehr übrig. Von dem einst mächtigen Buchen-Baum, der sich in der Nähe einer Bank im Schmelzer Forst unweit der Sodixhütte befindet, steht nur noch ein abgesplitterter Stumpf. Den Rest mussten Förster Simon Becker und sein Team notgedrungen zu Brennholz verarbeiten. Verantwortlich dafür war jedoch kein Mensch. Und auch kein Sturm hat dafür gesorgt, dass die große Buche nicht mehr steht.
„Die Trockenheit ist das Problem“, sagt Becker. Der fehlende Regen habe dafür gesorgt, dass der Baum immer mehr vertrocknet und schließlich umgestürzt sei. Dass der Schmelzer Gemeindeförster dies bei einer gemeinsamen Waldbegehung mit unserer Zeitung genau an dem Tag schildert, als nach über einem Monat Dürre erstmals wieder Regenwetter das Saarland heimsuchte, dürfte dabei wohl Ironie des Schicksals sein. Denn die zunehmende Trockenheit der vergangenen Jahre hat auch hier ihre Spuren mittlerweile sichtbar hinterlassen.
Im Gegensatz zu anderen Regionen in Deutschland, wo die Trockenheit bereits zu einem flächigen Absterben von Bäumen gesorgt hat, seien im Schmelzer Forst zwar nur einzelne Standorte betroffen. Laut Becker gebe es jedoch „keine Baumart, die nicht irgendwelche Schäden hat“.
Am schwersten hätten es demnach vor allem ältere Buchen von über 100 Jahren und Birken an Standorten mit tonigen oder lehmigen Boden. Hier sehe es teilweise „verheerend“ aus. Vereinzelt befänden sich sogar eher klimaresistentere Arten wie Eichen im Absterben. Bereiche mit Sandböden seien hingegen so gut wie überhaupt nicht betroffen, wohl auch, weil für die Bäume hier eine einfachere Durchwurzelung der tieferen Erdschichten möglich sei, vermutet Becker.
Dennoch: Der Blätterabwurf hat auch im Forst von Schmelz teilweise bereits schon im September begonnen – und damit deutlich früher als sonst, wie Becker zuletzt im Gemeinderat betonte. Der vorzeitige Abwurf der Blätter sei dabei eine „natürliche Reaktion“ der Bäume auf die Trockenheit und hohe Temperatur in diesem Sommer. „Die Bäume müssen ihre Transpiration (Verdunstung, Anm. d. Redaktion) einschränken. Um einer Austrocknung vorzubeugen, werfen sie daher mitunter ihre Blätter ab“, schilderte Becker.
In Schmelz setzt der örtliche Forstbetrieb zur Anpassung des Waldes an den Klimawandel zwar in erster Linie auf Naturverjüngung, pflanzt im geringeren Ausmaß aber auch selbständig neue Bäume an.
Foto: Tom PetersonGleichzeitig sei es jedoch schwer zu sagen, inwieweit sich die betroffenen Bäume hiervon wieder erholen werden. Zumal die Schäden, die man jetzt beobachte, eine Folge der Trockenheit aus den Vorjahren sind. „Es ist daher schwer, die tatsächlichen Auswirkungen des jetzigen Jahres abzuschätzen“, betonte Schmelz Förster gegenüber den Ratsmitgliedern. Persönlich gehe er jedoch davon aus, dass nicht alle betroffenen Bäume das Jahr überstehen werden.
Die wirtschaftlichen Folgen deswegen sind jedoch überschaubar, auch weil der allgemein gestiegene Holzpreis auf dem Markt viel wieder aufwiege, erklärt Becker im Nachgang gegenüber unserer Zeitung. Der Gemeindeförster betont dennoch, wie wichtig eine Klimaanpassung der saarländischen Wälder sei.
Hierfür setzt Becker insbesondere auf die sogenannte Naturverjüngung, also den natürlichen Erneuerungsprozess des Waldes. Dies hätte insbesondere den Vorteil, dass sich hierdurch die Baumsorten in erster Linie vermehren würden, die sich an die hiesigen Bedingungen bereits auch genetisch angepasst haben und damit von sich aus eine gewisse „Klimaresilienz“ mitbringen.
Gleichzeitig achte man dabei auch auf eine gewisse Artenvielfalt in der Fläche. Denn ein artenreicher Wald würde besser mit den sich ändernden Klimabedingungen zurechtkommen als einer, der nur aus wenigen Baumsorten besteht. Dafür unterhält die Gemeinde laut Becker auch finanzielle Hilfe vom Bund. Denn dieser unterstützt die Gemeinde im Rahmen ihres Förderprogrammes „Klimaangepasstes Waldmanagement“ mit jährlich rund 70.000 Euro. (leis)
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