Ein Smartphone, ein 300-mm-Objektiv und 667 Gramm Kampfgewicht: Oppos Hasselblad Earth Explorer Kit treibt die Idee der Handykamera herrlich auf die Spitze. Nur: Braucht man das wirklich?

Mit dem Tele-Kit für das Oppo Find X9 Ultra tauschen Sie Handlichkeit gegen noch mehr Tele-Power.
Foto: COMPUTER BILD / Christian Lohse / Michael Huch
Ein Smartphone, ein 300-mm-Objektiv und 667 Gramm Kampfgewicht: Oppos Hasselblad Earth Explorer Kit treibt die Idee der Handykamera herrlich auf die Spitze. Nur: Braucht man das wirklich?
Das Hasselblad Earth Explorer Kit ist für sich betrachtet ein tolles Objektiv, aber der Anwendungsbereich ist klein und der Qualitätsgewinn im Vergleich zum normalen Oppo Find X9 Ultra rechtfertigt kaum den Aufwand. Gleichzeitig sind die Resultate für Handy-Verhältnisse beeindruckend.
Pro
Kontra
Das
Oppo Find X9 Ultraist wie Bruce Wayne: talentiert, bestens ausgestattet und mit Abmessungen von 163,2 x 77 x 8,7 Millimetern und 236 Gramm Gewicht voll alltagstauglich. Doch wenn das Hasselblad-Logo am Himmel erscheint und das Find X9 Ultra seinen Spezialanzug anlegt, wird es zum Batphone, einer 667 Gramm schweren Tele-Kanone. Bye, Handlichkeit! Hallo, skeptische und bewundernde Blicke! Mit aufgesetztem Sonnenschutz verdreizehnfacht das Ultra seine Bauhöhe von 15,2 auf 192 Millimeter.

Die Hülle ermöglicht erst das Andocken des Objektivs an das Oppo Find X9 Ultra.
Foto: COMPUTER BILD / Christian Lohse
Manchmal sind die außergewöhnlichen Dinge – die eigentlich keiner braucht – die interessantesten. Dazu zählt womöglich auch das optionale Oppo Find X9 Ultra Hasselblad Earth Explorer Kit für 599 Euro. Es setzt dem im Hinblick auf Teletalente schon üppig bestückten
Oppo Find X9 Ultrafür 1.699 Euro die Zoom-Krone auf. Das Kit besteht aus einer Handyhülle mit Bedienelementen, eigenem Akku und 16 GB Speicher, die es ermöglicht, das mächtige 300-mm-Objektiv mit 16 Linsenelementen aus Glas anzudocken.

Das Hasselblad Earth Explorer Kit erweitert den optischen Zoom deutlich. Mit 1.699 für das Oppo Find X9 Ultra und 599 Euro für das Kit kostet die Konfiguration 2.298 Euro (UVP).
Foto: COMPUTER BILD / Michael Huch
Das Objektiv ist 140,27 mm lang, wiegt 358 Gramm, bietet einen 4,3-fachen Zoom und macht ab 2,8 Metern Abstand scharfe Fotos. Da es aber am Find X9 Ultra vor das Dreifach-Tele gesetzt wird, beträgt die kleinstmögliche Vergrößerung 3 x 4,3 = 13-fach. Ein spezieller Anwendungsfall, bei dem einige Handys schon am Ende ihrer Telekunst sind. Aber es hat schon was, mit dem Objektiv zu hantieren und den Bajonettverschluss satt einrasten zu lassen. Das fühlt sich sehr hochwertig an und verströmt etwas Profiduft.
Neugierige Zuschauer fragen nicht nach dem Handy-Modell, sondern nach der exotischen "Kamera". Das Objektiv sitzt fest, und es lässt sich gut damit zielen. Ansonsten bietet das Find X9 Ultra mit seinem riesigen, hellen 6,82 Zoll großem OLED-Bildschirm mit 3.168x1.440 Pixeln (510 ppi) beste Voraussetzungen, Motive anzupeilen – und bei den Entfernungen, die zu überbrücken sind, kommt sich der Fotograf fast wie ein Scharfschütze vor. Ab 30-facher Vergrößerung hilft eine klein eingeblendete Totale bei der Orientierung und verbessert die Chance, das Flugzeug vor dem wolkenfreien Himmel anzupeilen.

Einige Berliner sagen zu dem Gebäude "Mittelfinger".
Foto: COMPUTER BILD / Christian Lohse
Das Oppo Find X9 Ultra hat im Test auf dem Fotomessstand schon gezeigt, dass es mit den
besten Handykamerasmithalten kann. Dabei spielt es seine besonderen Talente erst bei wesentlich höheren Zoomstufen aus, die jenseits der Standardtests liegen und keinen Einfluss auf die Testnote haben. Von Haus aus ist es mit zwei Telelinsen mit drei- und zehnfacher optischer Vergrößerung hervorragend für große Zoomstufen ausgerüstet. Tatsächlich ist die eingebaute 10-x-Telelinse mit umgerechnet 230 mm auch gar nicht so weit weg vom Explorer-Monster-Kit mit 300 mm.
Die Anwendungsfälle sind so gering wie der Aufnahmewinkel – man muss sie suchen. Mit allen Tricks erlaubt das Find X9 Ultra eine 120-fache Vergrößerung, mit Tele-Explorer-Kit sogar eine 200-fache Vergrößerung. Aber lohnt sich der Aufwand? Wir haben verglichen. Beachten Sie, dass alle Motive im folgenden Fotovergleich zwischen 100 und 200 Meter entfernt sind.

Sie können auch weiterhin die anderen Linsen nutzen, aber mit aufgesetztem 300-mm-Objektiv ist das Ergebnis befremdlich. Die folgenden Telefoto-Vergleiche spielen sich in dem kleinen weißen Rahmen (300 mm) ab. Mehr Aufnahmewinkel oder ein größerer Bildbereich geht mit dem Kit nicht. Der ganz kleine zweite weiße Rahmen markiert den maximalen 200-fachen Zoom.
Foto: COMPUTER BILD / Michael Huch

13-fach Tele-Vergleich (300 mm) ohne (links) und mit Telekonverter (rechts).
Foto: COMPUTER BILD / Michael Huch
In der Totale fällt auf, dass das Earth Explorer Kit ein etwas helleres Bild liefert.

Detailvergleich 13-fach Tele (300 mm) ohne (links) und mit Telekonverter (rechts).
Foto: COMPUTER BILD / Michael Huch
In der Detailansicht liefert das Earth Explorer Kit durchaus mehr feine Strukturen. Vergleichen Sie mal die Holzflächen.
Bei schlechter Beleuchtung sind die Unterschiede noch größer. Der Automatikmodus des Find X9 Ultra entschied sich bei 13-fachem Zoom für die lichtstärkere Dreifach-Telelinse. Das Ergebnis überzeugt aber nicht und wurde von übertriebener Bildbearbeitung überlagert. Hier konnte das Earth Explorer Kit seine Vorzüge ausspielen. Das Foto war heller und es sind mehr Details zu erkennen:

13-fach-Tele-Vergleich bei Nacht.
Foto: COMPUTER BILD / Michael Huch

Detailvergleich 13-fach-Tele bei Nacht.
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30x-Tele-Aufnahme im Automatik-Modus mit Earth Explorer Kit. Wenn Leute etwas weiter weg stehen ermöglicht das Tele-Kit starke Portrait-Aufnahmen mit schönem Bokeh-Effekt.
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60-fach-Tele-Vergleich (1.380 mm) ohne (links) und mit Telekonverter (rechts).
Foto: COMPUTER BILD / Michael Huch

Detailvergleich 60-fach-Tele (1.380 mm) ohne (links) und mit Telekonverter (rechts).
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Die Fotos sind alle Freihand entstanden. Trotz Bildstabilisierung kann es dazu kommen, dass das Foto bei sehr großen Zoomstufen leicht verwackelt erscheint.
100x-Tele
100-fach-Tele-Vergleich (2.300 mm) ohne (links) und mit Telekonverter (rechts).
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Detailvergleich bei 100-facher Vergrößerung. In beiden Fotos sieht man deutlich die KI-Bildbearbeitung. Mit dem Earth Explorer Kit ist das Ergebnis besser.
Foto: COMPUTER BILD / Michael Huch
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Detailvergleich 100-fach-Tele (2.300 mm) ohne (links) und mit Telekonverter (mittig). Rechts zum Vergleich der Bildausschnitt eines 100-fach-Zoomfotos des Google Pixel 10 Pro XL.
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Die Fotos sind trotz oder wegen KI-Bildbearbeitung verblüffend scharf und rauschfrei. Fragmente an Schriften oder Zeichen verraten die künstliche Intelligenz, die nach der zehnfachen optischen Vergrößerung, Pixel-Cropping und Interpolation der 50 MP alles glattzieht. Das funktioniert beim Oppo längst nicht fehlerfrei, aber die optischen Vorarbeiten sind offenbar besser als bei Google. Das
Pixel 10 Pro XList unsere Extremzoom-Referenz. Es ermöglicht maximal eine 100-fache Vergrößerung, die alles aus einer fünffach optischen Telelinse und 48 Megapixel herausquetschen muss. Im Vergleich zum Find X9 Ultra mit und ohne Tele-Kit muss es sich im Extremzoom-Bereich geschlagen geben.

120x-Tele-Aufnahme mit Earth Explorer Kit. Stellt sich unwillkürlich die Frage: Kommen die Krater aus dem Objektiv oder aus der Bibliothek?
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2.758 mm sind das Tele-Maximum ohne Zusatzobjektiv. Das entspricht einer 120-fachen Vergrößerung.
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Erst bei 200-facher Vergrößerung ist mit dem Tele-Kit das Ende der Tele-Orgie erreicht.
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Das Fernglas in der Hosentasche, um etwas zu erkennen, was mit bloßem Auge nicht zu sehen ist, das schafft auch das Oppo Find X9 Ultra ohne Zusatztele. Das Zusatzobjektiv bietet zwar noch mehr, aber so gut, dass Sie damit besondere Aufnahmen machen können, die ohne völlig unmöglich wären, ist es nicht.
OPPO
1.399,00 EUR
Das Objektiv ist ein Hammer. So ein Klopper auf einem Handy provoziert staunende, neugierige, bewundernde sowie verständnislose Blicke und sorgt gleichzeitig für Fotoprofi-Handling. Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, die Qualität der Teleaufnahmen erreicht damit ein neues Level. Fotos sind im Vergleich praktisch immer besser als ohne den Zusatz – auch wenn man manchmal schon genau hinschauen muss. Aber das Handling ist im Alltag unpraktisch und führt die Vorteile einer Smartphone-Kamera, die man einfach immer dabei hat, ad absurdum.
Zudem braucht man einen mindestens 13-fachen Zoom in der Praxis selten, einen 200-fachen Zoom noch weniger. Der Bildausschnitt ist winzig. Neben dem Preis von rund 500 Euro ist das größte Problem allerdings die starke Extremzoom-Qualität des
Oppo Find X9 Ultraohne den sperrigen Aufbau. Bei Tageslicht hielt das eingebaute Zehnfach-Tele in dieser Stichprobe nämlich erstaunlich gut mit, sodass man sich das an sich spannende und tolle Hasselblad Earth Explorer Kit – rational betrachtet – sparen kann. Es ist unnötig, aber gleichzeitig faszinierend und gut. Das macht es letztlich zu einer attraktiven Luxus-Kombination.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
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