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Verrückt vor Liebe: Der Sopranist Nicolò Balducci wirbelt in Götzis durch ein barockes Pop-Epos

Дата публикации: 11-10-2026 13:06:12

Ariosts Ritterroman «Orlando furioso» fesselte im 16. und 17.Jahrhundert das Lesepublikum wie heute «Harry Potter» und inspirierte viele Komponisten. Aus der Fülle an Opern über den «Rasenden Roland» präsentierte das Barockorchester Concerto Stella Matutina – bald wieder in St.Gallen zu hören – ausgewählte Preziosen.

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Countertenor Nicolò Balducci in seinem Element: je virtuoser, desto lieber.Countertenor Nicolò Balducci in seinem Element: je virtuoser, desto lieber.

Bild: Lilli Löbl

Die Lebkuchen und Spekulatius verlocken schon ein paar Wochen lang zur Vorfreude auf Weihnachten, und wer vorausschauend Spielzeitprogramme und Konzertkalender durchblättert, wird sich das eine oder andere Bach'sche «Weihnachtsoratorium» vorgemerkt haben. Eines davon jedenfalls sollte man als bachliebenden Ostschweizerin oder als barockbegeisterter Ostschweizer möglichst nicht verpassen: Jenes am 5.Dezember in der St. Galler Stadtkirche St. Laurenzen.

Dort wird, zusammen mit dem Bachchor St. Gallen, das Vorarlberger Barockorchester Concerto Stella Matutina zu hören sein: seit mehr als zwanzig Jahren unter der künstlerischen Leitung von Cellist Thomas Platzgummer mit Verve und Neugier und nicht zuletzt mit grosser Vermittlungslust gemeinsam unterwegs in Sachen historischer Aufführungspraxis. Sie spielen an Festivals und in der Region und machen gelegentlich auch Abstecher in die Ostschweiz.

Virtuose Koloraturkaskaden

Wer die rund 25 Musikerinnen und Musiker regelmässig in ihren Vorarlberger Abo-Konzerten erlebt, weiss, dass sie musikalisch gern auf Entdeckungsreise gehen und schon zahlreiche Archivschätze neu zum Funkeln gebracht haben. Und barocke Repertoire-Hits so frisch und inspiriert spielen, als erklängen sie zum ersten Mal. Ihr neuestes Programm, das am Wochenende in Götzis zu hören war, vereinte beides: einerseits bekannte Komponistennamen und auf den Opernbühnen präsente Werke wie Händels «Alcina» oder Vivaldis «Orlando furioso», andererseits Raritäten - etwa Agostino Steffanis «Orlando generoso».

Den «Rasenden Roland» aus Ariosts frühbarockem Ritterepos thematisch in den Mittelpunkt zu stellen, drängte sich angesichts des Gastes auf. Der italienische Countertenor und Sopranist Nicolò Balducci, 27 Jahre jung und auf dem besten Weg zum Weltstar, ist nämlich ganz in seinem Element in den hochvirtuosen Koloraturkaskaden von Händel und Vivaldi – und ebenso in den ausdrucksstarken, herzzerreissenden Liebesschmerzarien, die in deren Orlando-Opern nicht fehlen dürfen. Denn Ritter Roland verliert vor Liebe zu Angelica den Verstand.

Er springt munter von Männer- zu Frauenrollen

Balducci singt die Arien aus der weitverzweigten, episodenreichen Handlung mit einer solchen Innigkeit und Nuanciertheit, mit warmem Timbre ohne jede Schärfe, dass man ihm jede Figur sofort abnimmt. Ob nun Orlando, Ruggiero, Morgana, Ariodante: Er wechselt die Rollen wie spektakuläre Outfits, und immer sitzen sie wie eine zweite Haut, ob Mann, ob Frau, ob Ritter oder Schwester einer Zauberin. Was sich natürlich auch dem famosen Zusammenwirken mit dem (wie meistens) ohne Dirigenten spielenden Orchester verdankt.

Inniges musikalisches Zwiegespräch: Nicolò Barducci mit Flötistin Angelika Gallez und dem Orchester Concerto Stella Matutina.Inniges musikalisches Zwiegespräch: Nicolò Barducci mit Flötistin Angelika Gallez und dem Orchester Concerto Stella Matutina.

Bild: Lilli Löbl

Balducci geniesst es sichtlich und hörbar, die Musiker auf Augenhöhe, zum Greifen nah zu haben – anders als auf der Opernbühne. Aus der unmittelbaren Interaktion ergeben sich immer neue spontane Eingebungen, Gestaltungsschnörkel, die nicht nur im Saal überraschen und beleben. Dabei sind die Arien schon anspruchsvoll genug. Mühelose Virtuosität und Lust, sich mit Haut und Haar in einen Affekt, eine dramatische Situation zu stürzen, sind Balduccis Trümpfe.

Mit Leichtigkeit und Eleganz rollt ihm das Orchester dafür den Teppich aus – und setzt seinerseits Glanzlichter: in Suiten und Instrumentalsätzen von Nicola Porpora, Jean-Baptiste Lully und Johann Adolf Hasse. So dass man sich, kaum ist der anhaltende Applaus verebbt, die zweite Zugabe ausgiebig gefeiert, schon freut und innerlich frohlockt beim Gedanken an Bachs «Jauchzet, frohlocket» im Dezember.

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Классификация: Культура. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 11.94. Источник: www.tagblatt.ch.