Der VfR überrascht beim Spitzenreiter und nimmt als erstes Team drei Punkte aus Offenbach mit. Ein genauerer Blick zeigt, warum das kein Zufall ist.
Stand: 27.09.2026, 15:31 Uhr

Der VfR überrascht beim Spitzenreiter und nimmt als erstes Team drei Punkte aus Offenbach mit. Ein genauerer Blick zeigt, warum das kein Zufall ist.
Aalen. Als die Spieler des VfR Aalen nach dem Abpfiff vor den rund 200 mitgereisten Fans standen, war ihnen die Freude anzusehen. Hinter ihnen lagen 90 intensive Minuten, eine Schlussphase in Unterzahl – und ein 3:1-Erfolg bei Kickers Offenbach, mit dem vor der Partie wohl nicht viele gerechnet hatten. Viermal hatte der OFC in dieser Saison zuvor am Bieberer Berg gespielt, viermal gewonnen. Ausgerechnet der VfR sorgte dafür, dass der bisherige Spitzenreiter erstmals vor eigenem Publikum Punkte liegen ließ.
Bemerkenswert war dabei nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem die Art und Weise. Die Aalener versteckten sich vor 8047 Zuschauern nicht, fanden nach einer kurzen Anlaufphase immer bessere Lösungen und stellten Offenbach mit ihrer variablen Offensive vor Probleme. Gleichzeitig verteidigten sie über weite Strecken äußerst konsequent. Der Erfolg am Bieberer Berg hatte deshalb mehrere Gründe.
Zwei Ausfälle bei den AalenernDabei musste Trainer Beniamino Molinari seine Mannschaft kurzfristig umbauen. Kapitän Ali Odabas fehlte mit Oberschenkelproblemen, Gianluca Gaudino nach einem Zusammenprall im Training. Michael Schaupp rückte in die Innenverteidigung, Niklas Antlitz in die Startelf. Auf dem Papier sah vieles nach einer Doppelspitze mit Antlitz und Michael Kleinschrodt aus.
Ganz so einfach war es allerdings nicht. „Michi Kleinschrodt hat in Großaspach eine komplette Saison auf der etwas hängenden Position gespielt“, erklärte Molinari. Entscheidender waren für ihn die Rollen von Sasa Maksimovic und Dean Melo. Beide rückten von außen immer wieder ins Zentrum. „Das haben beide hervorragend gemacht. Ich habe ihnen das, um ehrlich zu sein, in dieser Form gar nicht so zugetraut“, sagte der Trainer.
Flexibel in der OffensiveGenau diese Flexibilität bekam Offenbach nicht in den Griff. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase fand der VfR immer besser in die Partie. „Wir haben ein bisschen gebraucht, um uns an das Stadion und die Atmosphäre anzupassen“, sagte Molinari. Danach hätten ihm vor allem „die Rotationen und Positionswechsel“ gefallen.
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Wie wirkungsvoll diese waren, zeigte sich beim Doppelschlag. Melo zwang Johannes Brinkies zunächst zur Parade, Maksimovic staubte in der 31. Minute zum 1:0 ab. Nur zwei Minuten später schlugen die Aalener erneut zu. Wieder hatte Melo seine Füße im Spiel, Kleinschrodt vollendete zum 2:0.
Eine Premiere für KleinschrodtFür den Stürmer war es weit mehr als nur das zweite Aalener Tor an diesem Nachmittag. Erstmals seit seinem Wechsel zum VfR durfte Kleinschrodt selbst jubeln. Danach gingen die Emotionen mit ihm durch. „Nach meinem Tor war ich erst einmal auf den Knien. Dann kamen die Jungs, wir haben uns in den Armen gelegen – das beschreibt es eigentlich ganz gut. Es war einfach Erleichterung“, sagte Kleinschrodt. Besonders habe ihn die Reaktion seiner Mitspieler gefreut: „Man hat gemerkt, dass sich jeder für mich gefreut hat, dass der Knoten endlich geplatzt ist.“
Kaum Lücken gefundenDoch mindestens genauso wichtig wie die offensive Variabilität war die Arbeit gegen den Ball. Offenbach fand vor der Pause kaum Lücken. „An eine hundertprozentige Torchance von Offenbach in der ersten Halbzeit kann ich mich eigentlich nicht erinnern“, sagte Molinari. Thomas Geyer sah darin einen Schlüssel zum Erfolg: „Entscheidend war unsere mannschaftliche Geschlossenheit. Und wie unsere Offensivspieler defensiv gearbeitet haben – Hut ab.“
Weitere Konter-GelegenheitenNach der Pause zeigte der Spitzenreiter dann seine Qualität. Offenbach erhöhte das Tempo und drückte die Aalener zeitweise tief in die eigene Hälfte. Maximilian Otto musste nun mehrfach eingreifen und hielt den Vorsprung mit starken Paraden fest. Gleichzeitig boten sich dem VfR Räume zum Kontern. Maksimovic scheiterte zunächst frei an Brinkies (55.).
In der 70. Minute machte es der VfR besser. Kleinschrodt behauptete sich und legte quer, Melo schob zum 3:0 ein. Damit war der Offensivspieler an allen drei Aalener Treffern beteiligt. „Der Schlüssel waren für mich ganz klar unser Spirit und unser Zusammenhalt. Jeder kämpft für jeden“, sagte Melo.
In der Schlussphase wurde es nochmals hektisch: Thomas Geyer sah nach einer Notbremse die Rote Karte, dazu gab es Strafstoß. Benedikt von Hagen verwandelte diesen zum 1:3. Mehr ließ der VfR in Unterzahl aber nicht zu. Stattdessen hatte Tom Barth in der Nachspielzeit sogar zweimal das 4:1 auf dem Fuß.
So stand am Ende ein Erfolg, der über die drei Punkte hinaus Selbstvertrauen geben dürfte. Geyer formulierte es entsprechend deutlich: „Wir können mit jedem in dieser Liga mithalten und jeden schlagen.“ Der Auftritt am Bieberer Berg lieferte dafür zumindest ein ziemlich starkes Argument.
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