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Dachauer Prozesse: Enkel findet Koffer mit Großvaters Häftlingsakten im Keller

Дата публикации: 18-10-2026 16:47:00

David Husarek entdeckte die Geschichte seines Großvaters, eines KZ-Überlebenden, der die Dachauer Prozesse selbst protokollierte. 1941 half Paul Husarek ein Gebäude errichten – das wenig später zum Gerichtssaal wurde.

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Stand: 18.10.2026, 18:47 Uhr

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Szenische Lesung im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau: Robert Spitz, Burchard Dabinnus, Katharina von Harsdorf und Eos Schopohl (v.l.) tragen die historischen Texte vor.

Szenische Lesung im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau: Robert Spitz, Burchard Dabinnus, Katharina von Harsdorf und Eos Schopohl (v.l.) tragen die historischen Texte vor. © hab

David Husarek entdeckte die Geschichte seines Großvaters, eines KZ-Überlebenden, der die Dachauer Prozesse selbst protokollierte. 1941 half Paul Husarek ein Gebäude errichten – das wenig später zum Gerichtssaal wurde.

Dachau – Einen Lederkoffer voller Häftlingsunterlagen und Prozessdokumente entdeckte David Husarek vor sieben Jahren im Keller seiner Eltern. Darin stieß er auf die Geschichte seines Großvaters Paul Hussarek, den er selbst nie kennengelernt hatte. Der Dachau-Überlebende hatte nach der Befreiung die Prozesse gegen NS-Verbrecher miterlebt und die amerikanische Militärjustiz bei deren Vorbereitung unterstützt.

Szenische Lesung im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau: Robert Spitz, Burchard Dabinnus, Katharina von Harsdorf und Eos Schopohl (v.l.) tragen die historischen Texte vor.

Szenische Lesung im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau: Robert Spitz, Burchard Dabinnus, Katharina von Harsdorf und Eos Schopohl (v.l.) tragen die historischen Texte vor. © hab

David Husarek ist heute so alt wie sein Großvater Paul Husarek war, als dieser 1941 ins Konzentrationslager Dachau kam: 37 Jahre. Vier Jahre war der 1903 in Tschechien geborene Autor und Übersetzer dort gefangen. „Ein Mann des Wortes. Kein Mann der Waffe“, sagte David Husarek über seinen Großvater, dessen Häftlingsnummer 24175 lautete. 1941 musste er ein Gebäude errichten, ohne zu ahnen, dass dieses wenige Jahre später zum Gerichtssaal werden würde, in dem die Dachauer Prozesse stattfanden. Nach der Befreiung blieb Hussarek freiwillig in Dachau. Er erlebte die Prozesse mit und protokollierte sie. Die Dokumente aus seinem Nachlass geben heute Einblick in die Verfahren und die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen.

Ein Mann des Wortes. Kein Mann der Waffe.

An diese Geschichte knüpfte die Finissage der Sonderausstellung „Dachauer Prozesse – Verbrechen, Verfahren und Verantwortung“ im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau an. Anlass war der 80. Jahrestag des Beschlusses, die amerikanischen Militärprozesse zentral und ausschließlich in Dachau abzuhalten. Der Kurator Dr. Christoph Thonfeld und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Esther Lindenlauf ordneten die Verfahren historisch ein. Wie groß die Dimension der Dachauer Prozesse war, zeigen die Zahlen: „Zwischen 1945 und 1948 verhandelten US-Militärgerichte in Dachau 489 Verfahren gegen insgesamt 1672 Angeklagte“, sagte Thonfeld. Dabei ging es unter anderem darum, wie die amerikanische Militärjustiz die Verbrechen aufarbeitete und welche Verantwortung sich einzelnen Angeklagten nachweisen ließ.

Dachauer Prozesse unterscheiden sich

Die Dachauer Prozesse unterschieden sich von den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozessen vor allem durch die Angeklagten und die verhandelten Verbrechen. In Nürnberg standen die führenden Köpfe des NS-Regimes vor Gericht. In Dachau wurden vor allem Menschen angeklagt, die an Verbrechen in Konzentrationslagern beteiligt waren. Auch die Ermordung alliierter Kriegsgefangener und von Zivilisten wurde dort verhandelt.

Wie schwierig diese Aufarbeitung war, zeigten die szenischen Lesungen von Mitgliedern des Ensembles Theater dasvinzenz. Die Texte führten zurück in die Gerichtssäle, in denen die US-Militärjustiz ab November 1945 die NS-Verbrechen verhandelte. Sie lasen aus historischen Zeitungsberichten, trugen Aussagen ehemaliger Häftlinge und Angeklagter vor und gaben Erinnerungen des amerikanischen Chefanklägers William Denson wieder.

Die Berichte ehemaliger Häftlinge schilderten Zwangsarbeit, Hunger und Misshandlungen im Konzentrationslager. Die Schauspieler lasen auch aus einem späteren Interview mit Denson. Darin berichtete er, dass er die Schilderungen der Überlebenden zunächst kaum glauben konnte. Die Verbrechen seien so grausam und monströs gewesen, dass er zunächst skeptisch gewesen sei. Erst als er sich intensiver mit dem Fall beschäftigte und die Zeugen getrennt voneinander befragte und ihre Berichte verglich, begann er, die Aussagen zu glauben.

Doch die Verbrechen zu belegen, war nur ein Teil der Aufgabe. Wie Thonfeld erläuterte, musste die Anklage auch die Beteiligung der einzelnen Angeklagten nachweisen. Umstritten war dabei das Rechtskonzept des „Common Design“, das die Mitwirkung an einem gemeinsamen verbrecherischen Vorhaben erfasste. Die Verteidigung kritisierte, dass dadurch individuelle Schuld zu weit gefasst werden könne. Die Anklage musste deshalb nachweisen, dass sich die Angeklagten wissentlich und willentlich an den Verbrechen beteiligt hatten.

Szenische Lesung im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau: Robert Spitz, Burchard Dabinnus, Katharina von Harsdorf und Eos Schopohl (v.l.) tragen die historischen Texte vor.

Szenische Lesung im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau: Robert Spitz, Burchard Dabinnus, Katharina von Harsdorf und Eos Schopohl (v.l.) tragen die historischen Texte vor. © hab

Wie die amerikanische Militärjustiz dabei vorging, zeigt die Sonderausstellung anhand historischer Dokumente und Zeugenaussagen. Sie stellt Tatorte, Gerichtspersonal, Angeklagte und Zeugen vor und beleuchtet auch die damalige Medienberichterstattung sowie die Folgen der Verfahren für die Rechtsprechung in der Bundesrepublik.

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