Das angebliche Opfer der Prügel-Attacke migrantischer Jugendlicher auf Mädchen-Helfer in Zweibrücken hat seine Aussage bei der Polizei korrigiert: Die Verletzungen habe er bei einem anderen Streit erlitten. Die Vorwürfe hatten viele rassistische Kommentare ausgelöst.
Zweibrücken · Das angebliche Opfer der Prügel-Attacke migrantischer Jugendlicher auf Mädchen-Helfer in Zweibrücken hat seine Aussage bei der Polizei korrigiert: Die Verletzungen habe er bei einem anderen Streit erlitten. Die Vorwürfe hatten viele rassistische Kommentare ausgelöst.
16.10.2026 , 14:57 Uhr
Sowohl Tatort (ZOB, Archivbild) als auch Tatmotiv (ein Mädchen vor Belästigung durch eine männliche Jugendgruppe zu schützen) waren von dem mutmaßlichen Opfer erlogen.
Foto: Lutz FröhlichMassive Wellen schlug in Zweibrücken in den vergangenen Tagen eine angebliche Körperverletzung am Abend des 5. Oktober durch eine Jugendgruppe. Ein 37-Jähriger hatte in seiner Anzeige der Polizei erklärt, er habe am ZOB (Zentraler Omnibus-Bahnhof) ein Mädchen vor Belästigung durch vier Jugendliche schützen wollen – und sei deshalb durch dann insgesamt acht 13- bis 16-jährige Jungs mit Migrationshintergrund und dunkler Hautfarbe verprügelt worden.
Das aber war frei erfunden, wie die Polizeiinspektion Zweibrücken am Freitag mitteilte. Nachdem die Polizei sich zwischenzeitlich auf Merkur-Anfrage bereits irritiert gezeigt hatte, dass der 37-Jährige erst vier Stunden nach der angeblichen Tat die Polizei informiert hatte und zu einem später anberaumten Termin nicht erschienen war, um detaillierter auszusagen (wir berichteten), schreibt die Polizei nun: „Der Geschädigte konnte zwischenzeitlich vernommen werden. In der Vernehmung stellte er klar, dass sich der Tatort nicht am Zentralen Busbahnhof, sondern in der Oberen Himmelsbergstraße im dortigen Wendehammer befand.“
Nicht nur die in der Anzeige genannte Örtlichkeit war erfunden – es war auch kein Mädchen zu retten, habe der 37-Jährige nun eingeräumt. Die Polizei schreibt zu der neuen Darstellung des Mannes: „Er sei dort auf eine achtköpfige Personengruppe, bestehend aus Jugendlichen auf E-Scootern, gestoßen. Mit diesen sei er in ein Streitgespräch und anschließend in eine Rangelei geraten. Ihm wurde ins Gesicht und in die Rippen geschlagen.“
„Die Geschichte am Zentralen Busbahnhof und dem Mädchen habe er schlichtweg erfunden“, schreibt die Polizei weiter.
Aber warum hat der Mann die Geschichte erfunden? Der stellvertretende Polizeiinspektionsleiter Thomas Brach sagte am Freitagmittag auf Merkur-Nachfrage: „Die Gründe sind privater Natur.“ Brach bedauerte, die Ermittlungen seien durch die ersten Falschangaben „unnötig erschwert“ worden, die Glaubwürdigkeit des Mannes erschüttert. Allerdings passten die Verletzungen (Blutergüsse und leichte Schürfwunden) eindeutig zu der Hergangsschilderung. Rechtliche Konsequenzen drohten dem Mann wegen der Falschaussage nicht.
Welche Angaben hat der Anzeigeerstatter nun gemacht, wie der Streit entbrannte? Laut Brach hat der 37-Jährige ausgesagt, die acht E-Scooter-Fahrer hätten über ihn gelacht. Daraufhin habe er sie aufgefordert, dies zu unterlassen. Daraus habe sich ein Streitgespräch entwickelt, das mit der Rangelei endete.
Auf Social Media hatte der Fall auch deshalb Wellen geschlagen, weil er politisch auszuschlachten versucht wurde. Das tat auch das mutmaßliche Opfer selbst, indem es unter anderem postete (nicht unter Klarnamen, aber nach von unserer Zeitung recherchierten klaren Indizien handelt es sich tatsächlich um den Verletzten): „Bitte Augen auf machen und vor allem die richtige Partei wählen! Es waren am Ende 8 Kerle, die mich übel zugerichtet haben. Ein älteres Pärchen hat Gottseidank geschrien sie sollen aufhören. Ich wüsste sonst nicht wie es geendet hätte. Passt bitte auf eure Kinder auf!!!!!“. Auch das „ältere Pärchen“ war frei erfunden, sagte dazu am Freitag Polizei-Vize Brach.
Ebenso gelogen war die Erstaussage des Mannes auch gegenüber der Polizei, mehrere Taxifahrer am ZOB hätten die Tat mitbekommen, seien aber weggefahren. Mehrere Facebook-Kommentatoren spekulierten daraufhin wild, dies liege bestimmt daran, dass heute auch die meisten Taxifahrer Migrationshintergrund hätten. Es kam zu offen rassistischen Kommentaren (die, soweit auf der Merkur-Facebookseite geschehen, von unserer Redaktion gelöscht worden sind). Zudem wurden Rufe nach Videoüberwachung am ZOB laut und Kritik am „Stadtbild“ geübt.
Auch die Behauptung des mutmaßlichen Opfers auf Facebook, nach der behaupteten Gewalttat am ZOB habe ihm der Kommunale Vollzugsdienst des städtischen Ordnungsamts Hilfe verweigert („Was bringen uns Fahrradwege und neue Spielplätze, wenn das Ordnungsamt Party mit Pizza essen macht!!! Ich war dort und sie sagten, wir haben jetzt keine Zeit!!! Also musste ich mich an die Polizei wenden. Ihr Leute passt bitte auf euch auf, es sind viele Leute an mir vorbeigefahren und gelaufen. Das ist armselig mittlerweile!!!!!!“) hatte nichts mit der Wahrheit zu tun: Die Stadt erklärte am 14. Oktober auf Merkur-Anfrage, es sei an dem mutmaßlichen Tatabend niemand erschienen – auch habe es weder eine Party noch Pizza gegeben (wir berichteten).
Zeugensuche mit neuen Angaben: Das mutmaßliche Opfer beschreibt die acht Jugendlichen, die ihn verletzt hätten, nun laut der Polizei-Pressemitteilung vom Freitag wie folgt: männlich, 14 bis 18 Jahre, alle um die 1,80 Meter groß, südländischer Phänotyp, dunkel gekleidet, zwei der Tatverdächtigen trugen weiße Nike-Turnschuhe. „Nunmehr sucht die Polizei Zweibrücken Zeugen, welche die Tat am 05.10.2026 gegebenenfalls in der Oberen Himmelsbergstraße beobachtet haben“, schreibt die Polizei. Sie nimmt sachdienliche Hinweise per E-Mail (pizweibruecken@polizei.rlp.de) oder telefonisch unter (06 31) 3 69-15399 entgegen.