Ein Teil der Produktion soll in Winterthur verbleiben. Die Stadtregierung ist erleichtert.
Ein Teil der Produktion soll in Winterthur verbleiben. Die Stadtregierung ist erleichtert.
12.10.2026, 15.05 Uhr
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Andreas Haas / Imago
Der Medizintechnikhersteller Zimmer Biomet kündigte Anfang September an, bis zu 580 seiner rund 730 Arbeitsplätze in Winterthur zu streichen. Das Unternehmen erklärte, die mögliche Massenentlassung sei «Teil der kontinuierlichen Weiterentwicklung der globalen Produktion».
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Die Produktion von Zimmer Biomet in Winterthur geht auf den Industriekonzern Sulzer zurück. 1997 brachte dieser seine Medizintechnik an die Börse und spaltete sie später ab. Zimmer Biomet hat schon früher Stellen in Winterthur abgebaut. Das amerikanische Unternehmen stellt Implantate her. Es beschäftigt weltweit rund 17 000 Mitarbeiter und produziert neben den USA unter anderem in Irland und Frankreich.
Am Montag hat Zimmer Biomet nun mitgeteilt, dass insgesamt 490 Stellen gestrichen würden, also 90 weniger als ursprünglich angenommen. Das Konsultationsverfahren ist abgeschlossen.
Arbeitsplätze werden bis 2030 gestrichenNun sollen der Schmiedebetrieb und die Herstellung bestimmter Hüftkomponenten in Winterthur verbleiben. Ebenso die unterstützenden Geschäftsfunktionen sowie Forschung und Entwicklung. Bestimmte Aktivitäten sollen aber an andere bestehende Produktionsstandorte verlagert werden.
Nach derzeitigem Stand würden vor 2028 keine Stellen abgebaut, heisst es in der Mitteilung. Die Restrukturierung solle schrittweise bis 2030 erfolgen. Die längere Umsetzungsphase schaffe mehr Zeit für interne Wechsel, natürliche Fluktuation, Frühpensionierungen und Unterstützung bei der externen Stellensuche.
Der Sozialplan wurde ebenfalls bis 2030 verlängert und damit an den Umsetzungszeitplan angepasst. Zudem können alle der rund hundert Lernenden ihre laufende Ausbildung bei Zimmer Biomet abschliessen.
Nach dem angekündigten Stellenabbau suchte eine Delegation um die Zürcher Regierungsratspräsidentin Carmen Walker Späh sowie den Winterthurer Stadtpräsidenten Stefan Fritschi und den Finanzvorsteher Kaspar Bopp das Gespräch mit der Unternehmensleitung. Ziel war es, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu können. Auch Mitglieder des Kantonsrats zeigten sich besorgt.
Der Stadtrat begrüsst nach eigenen Angaben, dass weniger Stellen abgebaut werden sollen. Dies sei ein wichtiger Schritt für den Industriestandort Winterthur, lässt sich der Stadtpräsident in einer Mitteilung zitieren. Der Entscheid bleibe aber für alle Mitarbeitenden, die ihre Stelle verlören, ein schwerer Einschnitt.
Gewerkschaft Unia kritisiert «Kahlschlag»Weniger optimistisch klingt die Unia. Der Stellenabbau treffe die Beschäftigten hart, schreibt die Gewerkschaft in einer Stellungnahme und spricht von einem Kahlschlag. Die Unsicherheit bleibe gross. Viele Mitarbeitende hätten seit Jahrzehnten bei Zimmer Biomet gearbeitet und stünden vor existenziellen Fragen – etwa, wie lange ihre Stelle noch erhalten bleibe.
Mit dem Verlust von Arbeitsplätzen drohten auch wertvolles Know-how, industrielle Erfahrung und regionale Wertschöpfung verlorenzugehen, teilt die Unia mit. Zusammen mit dem angekündigten Stellenabbau beim Industriekonzern Burckhardt Compression verschärfe sich der Druck auf den Industriestandort Winterthur.
Burckhardt Compression hatte Mitte August bekanntgegeben, in Winterthur bis zu 150 Stellen zu streichen. Weitere 70 Stellen sollen an internationalen Standorten abgebaut werden. So will der Konzern jährlich Kosten in der Höhe von 20 Millionen Franken einsparen. Am Hauptsitz in Winterthur sind rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Die Unia fordert deshalb «echte, aktive Industriepolitik und konkrete Massnahmen», damit industrielle Arbeitsplätze, Fachwissen und Produktionskapazitäten in der Region eine Zukunft hätten.
In der jüngsten Stellungnahme schreibt Zimmer Biomet, man bekenne sich zur Schweiz als wichtigem Standort für die Aktivitäten in Europa, dem Nahen Osten und Afrika.
Der Winterthurer Stadtrat erklärt, man wolle den Austausch mit dem Unternehmen, dem Kanton sowie anderen Akteuren weiterführen, um Zimmer Biomets langfristige Präsenz in der Stadt zu stärken. Für die verbleibenden Arbeitsplätze und Produktionsaktivitäten sollten gute Rahmenbedingungen geschaffen werden.
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