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Das Experiment «Erlebnisgastronomie» ist gescheitert – in der «Haifischbar» im Niederdorf gibt es bald wieder nackte Haut zu sehen

Дата публикации: 16-10-2026 03:07:00

Wo einst die spätere Wirtin der «Kronenhalle» am Buffet stand, wurde 1965 eines der legendärsten Variétés der Stadt Zürich eröffnet. Nach zehnjähriger Odyssee in seriöse Gefilde wird das Etablissement wieder zum Stripteaselokal.

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Comet/ETHZ

Wo einst die spätere Wirtin der «Kronenhalle» am Buffet stand, wurde 1965 eines der legendärsten Variétés der Stadt Zürich eröffnet. Nach zehnjähriger Odyssee in seriöse Gefilde wird das Etablissement wieder zum Stripteaselokal.

16.10.2026, 05.07 Uhr

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Es gibt wenige Lokale in Zürich, die mit der «Haifischbar» mithalten können: Fast jeder kennt sie – zumindest von aussen. Zu verdanken ist das dem Logo über dem Eingang: das Wort «Haifisch», flankiert von Kopf und Schwanzflosse selbigen Raubtiers. Seit den 1960er Jahren prangt der Schriftzug an der Wand des geschützten Gebäudes an der Mühlegasse. Er steht für die verruchte Seite des Niederdorfs.

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Das Etablissement hat einige Wechsel hinter sich. Der letzte ist noch nicht lange her: Anfang Jahr wurde der «Haifisch» als Restaurant und Pianobar wiedereröffnet. Statt nackter Haut sollte Fine Dining im Mittelpunkt stehen – und «ein neues Kapitel der Erlebnisgastronomie» geschrieben werden. Einlass fand nur, wer sich an die Kleiderregeln hielt: keine Sportbekleidung, keine Flip-Flops. Auf der Speisekarte stand selbstverständlich Kaviar, und die Cocktails kosteten 22 Franken.

Mit dem Gastrokonzept wollte der Betreiber das Lokal langfristig neu aufstellen. Schliesslich sehen sich Nachtklubs, Bars und dergleichen mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, angefangen beim gesunkenen Alkoholkonsum bis hin dazu, dass die jüngere Generation weniger in den Ausgang geht. Das zumindest beklagen so manche Bar- und Klubbetreiber.

Doch schon nach wenigen Monaten strich der Pächter die Segel. Im Juli ging das Restaurant in die Sommerpause – und kehrte nicht mehr zurück.

Jetzt ist klar: Der geplante Wandel von der verruchten Bar zum schicken Restaurant war nicht von Dauer. Wie den aktuellen Bauausschreibungen zu entnehmen ist, soll das Lokal erneut umgenutzt werden. Und zwar zum Striplokal. Der «Haifisch» kehrt zurück in vertraute Jagdgründe.

Der «Haifisch»-Schriftzug prangt seit den 1960er Jahren an der Fassade der Mühlegasse 3. Das Programm der legendären Bar änderte sich zwar, durch den Abend führte aber bis in die nuller Jahre Käpten Jo.

Der «Haifisch»-Schriftzug prangt seit den 1960er Jahren an der Fassade der Mühlegasse 3. Das Programm der legendären Bar änderte sich zwar, durch den Abend führte aber bis in die nuller Jahre Käpten Jo.

Patrick Lüthy / ETHZ

In den 1970er Jahren hielt in der «Haifischbar» auch ein Hauch Luftfahrt Einzug.

In den 1970er Jahren hielt in der «Haifischbar» auch ein Hauch Luftfahrt Einzug.

Comet/ETHZ

Federführend bei den geplanten Umbauten ist die Firma Gewerbe-Consulting Kruse und Partner von Hans-Peter Kruse. Zur NZZ sagt der Deutsche, dass er den Wirt der «Haifischbar» schon länger kenne. Dieser habe mit der Neuausrichtung einiges gewagt. Ein Restaurant in der Altstadt ohne Terrasse sei grundsätzlich eine Herausforderung. Nicht zuletzt wegen der hohen Mieten in dem Stadtteil. «Wenn es nicht funktioniert, ist es besser, schnell einen Schlussstrich zu ziehen.»

Im Fall des legendären Altstadtlokals dauerte die Suche nach einem neuen Pächter nicht lange. So hatte eine andere Klientin von Kruse schon länger kundgetan, dass sie an der «Haifischbar» interessiert wäre, sollte die Bar frei werden. Bei der neuen Mieterin handelt es sich laut Kruse um «eine ausländische Investorin, die europaweit dreizehn Striptease-Lokale betreibt». Dies unter anderem in Spanien, Deutschland und Polen. Mehr könne er momentan noch nicht dazu sagen.

Das geplante Lokal im Niederdorf werde das erste der besagten Firma in der Schweiz. «Für sie war klar, wenn in Zürich, dann nur in der ‹Haifischbar›.» Kruse betont, das Programm des geplanten Striplokals werde nicht über gekonntes Ausziehen hinausgehen. «Es wird keine Kontaktbar und kein Bordell.» Das sei im Mietvertrag festgehalten. Sollte der neue Pächter dagegen verstossen, sei sofort Schluss.

Wann genau in der «Haifischbar» wieder freizügig auf den Tischen getanzt werde, hänge davon ab, wie rasch die Umnutzung bewilligt werde, sagt Kruse. Er rechnet damit, dass im Februar mit den vorgesehenen, kleineren Umbauten begonnen werden könne.

Matrosen auf der Bühne, Fischernetze, Seesterne und andere Meeresbewohner als Dekoration – das Seemannsflair war von Anfang an Programm. Hier ein Bild aus den späten 1960er Jahren.

Matrosen auf der Bühne, Fischernetze, Seesterne und andere Meeresbewohner als Dekoration – das Seemannsflair war von Anfang an Programm. Hier ein Bild aus den späten 1960er Jahren.

Comet/ETHZ

Bei den Gästen kam Käpten Jos Programm an. Die Bar wurde schnell zum beliebten Ziel für Nachtschwärmer.

Bei den Gästen kam Käpten Jos Programm an. Die Bar wurde schnell zum beliebten Ziel für Nachtschwärmer.

Comet/ETHZ

Für das Lokal mit dem unverwechselbaren Schriftzug ist es die vierte Wiedereröffnung innert gut eines Jahrzehnts. 2016 schloss der damalige Betreiber das Striplokal und eröffnete den «Haifisch» neu als Nachtklub für Partygänger, die lieber selber tanzten, als anderen dabei zuzusehen. Grund für den Wandel war das im Jahr davor vom Bundesrat verabschiedete «Tänzerinnen-Statut». Dieses besagt, dass Striplokale fortan nur noch Frauen aus EU-Staaten anstellen dürfen.

Doch das Tanzgeschäft rentierte nicht. Die «Haifisch»-Betreiber kehrten zu ihren Wurzeln zurück – nur dass nun Frauen mit EU-Pass ihre Hüllen fallen liessen.

Wo sich die «Kronenhalle»-Gründer kennenlernten

Im Gebäude an der Mühlegasse 3 trug sich für die Zürcher Gastronomie schon lange vor der «Haifischbar» Geschichtsträchtiges zu – es ist sozusagen mitverantwortlich für ein anderes legendäres Restaurant. Im frühen 20. Jahrhundert befand sich in dem Haus ein Gasthof. Dessen Wirt Gottlieb Zumsteg stellte eine junge Frau aus Winterthur als Buffetdame ein: Hulda Durst. Die beiden heirateten und kauften 1924 das damalige Hotel «Couronne» an der Rämistrasse – und eröffneten die «Kronenhalle».

Als Josef Schupp alias Käpten Jo die «Haifischbar» 1965 gründete, hatte er etwas anderes damit vor als das, was Zumstegs in der «Kronenhalle» auf die Beine stellten. Damals war das Niederdorf Zürichs Ausgehmeile schlechthin, erhielt aber schon langsam Konkurrenz durch angesagte Lokale im Langstrassenquartier. Doch Käpten Jo wusste, wie er sein Publikum bei Laune und die «Haifischbar» im Gespräch halten konnte.

Bald war das Lokal mit seiner Mischung aus Seefahrerflair und nackter Haut als eines der bekanntesten Variétés der Stadt etabliert. Käpten Jo führte in Seemannsmontur durch das Programm, welches nebst leicht bekleideten Tänzerinnen auch dressierte Schimpansen in Matrosenkostümen enthielt. Zudem warb der Käpten mit «internationalen Attraktionen» für seine Bar, in der auch Zauberkünstler auftraten und Wettbewerbe im Ballonaufblasen stattfanden.

In der «Haifischbar» gab es nicht nur Variété und nackte Haut, sondern auch musikalische Darbietungen.

In der «Haifischbar» gab es nicht nur Variété und nackte Haut, sondern auch musikalische Darbietungen.

Comet/ETHZ

Alles für die Show: Für die Ringkämpfe wurde ein Teil der Bar zum Schlammring umfunktioniert.

Alles für die Show: Für die Ringkämpfe wurde ein Teil der Bar zum Schlammring umfunktioniert.

Paolo Foschini / Photopress / Keystone

An manchen Abenden wurde es in der «Haifischbar» so richtig dreckig. Nämlich dann, wenn «die hübsche Mabel» sich mit Jack, dem «englischen Fleischkoloss», im Schlammringen mass.

Mitte der 1970er Jahre geriet das Lokal immer mehr in Verruf. So verkehrte hier auch der Mann, der in einer Märznacht 1974 zwei Prostituierte ermordete.

Mit den Jahren verlor die «Haifischbar» ihr Variété-Flair. Zürichs Nachtleben wandelte sich. Mit der Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes Ende der 1990er Jahre fiel die Polizeistunde. Fortan mussten Wirte keine Ausnahmebewilligung mehr haben, um nach Mitternacht Gäste zu empfangen. Lokale wie die «Haifischbar», die lange Zeit auch gerade deshalb angesagt waren, weil sie bis 2 Uhr offen hatten, erhielten quasi über Nacht grosse Konkurrenz.

Comet/ETHZ

Comet/ETHZ

Käpten Jo führte jeweils in einer Kapitänsuniform durch das Programm. Mit dabei waren oft dressierte, als Matrosen verkleidete Schimpansen.

2005 hängte der «Haifischbar»-Gründer Josef Schupp seine Zürcher Kapitänsmütze an den Nagel und zog sich in den Aargau zurück. Hier hatte er 1970 die «Aarfähre» eröffnet, das erste Erlebnisrestaurant der Schweiz. Seefahrer- und Piratenatmosphäre dominierten auch hier, allerdings in einer familienfreundlicheren Version als in Zürich.

In den meisten Lokalen Zürichs war um Mitternacht Feierabend. Die «Haifischbar» hatte eine Ausnahmebewilligung und wurde so zum Hit für Freunde der Nacht. Diese Aufnahme entstand um 1968.

In den meisten Lokalen Zürichs war um Mitternacht Feierabend. Die «Haifischbar» hatte eine Ausnahmebewilligung und wurde so zum Hit für Freunde der Nacht. Diese Aufnahme entstand um 1968.

Comet/ETHZ

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