Viele Betroffene bleiben aus Angst und finanzieller Abhängigkeit jahrelang mit dem Täter zusammen. Nun wollen Gemeinderätinnen ihnen neue Perspektiven eröffnen.
Viele Betroffene bleiben aus Angst und finanzieller Abhängigkeit jahrelang mit dem Täter zusammen. Nun wollen Gemeinderätinnen ihnen neue Perspektiven eröffnen.
16.10.2026, 17.29 Uhr
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Illustration Ida Götz / NZZ
Die Stadtpolizei Zürich rückt pro Tag durchschnittlich sechsmal wegen häuslicher Gewalt aus. Doch häufig ändert eine solche Intervention langfristig für die Opfer wenig: Sie bleiben beim Partner – wegen wirtschaftlicher Abhängigkeit, aus Angst oder weil ihnen eine Perspektive fehlt.
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Viele Opfer erstatten nie Anzeige. Und kommt es doch dazu, bleiben die Anzeigen häufig ohne juristische Folgen für die Täter. Im Kanton Zürich stellt die Staatsanwaltschaft sechs von zehn Verfahren ein. Oft aus Mangel an Beweisen.
Ein überparteiliches Vorstosspaket will Betroffene von häuslicher Gewalt in der Stadt Zürich deshalb nun besser unterstützen.
Das von den Fraktionen SP, FDP, GLP, Grüne, AL und Mitte jüngst eingereichte Vorstosspaket setzt bei drei Punkten an: bei der finanziellen Unabhängigkeit, bei sicheren Wohnmöglichkeiten und längerfristiger psychosozialer Unterstützung.
«Betroffene häuslicher Gewalt brauchen neben dem sehr wichtigen akuten Schutz, wie beispielsweise eine vorübergehende Bleibe in einem Frauenhaus, die konkreten Voraussetzungen, um ein selbstbestimmtes Leben aufbauen zu können», heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung.
Das Ziel des ersten Vorstosses ist es, den Opfern einen raschen Einstieg in eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. So dass sie sich aus der finanziellen Abhängigkeit vom Täter lösen können.
Der zweite Vorstoss widmet sich der Wohnsituation. Das in der Stadt Zürich bestehende Wohnangebot soll gestärkt werden. Zudem soll geprüft werden, ob es weitere kurzfristige Wohnmöglichkeiten braucht.
Der dritte Vorstoss fordert eine Stärkung der längerfristigen psychosozialen Unterstützung, damit Betroffene auch über die akute Krisensituation hinaus therapeutisch begleitet werden können.
Die FDP-Gemeinderätin Marita Verbali sagt dazu: «Akuter Schutz ist wichtig, reicht aber allein nicht. Betroffene brauchen Unterstützung, um sich aus Gewaltbeziehungen zu lösen und wieder auf eigenen Beinen zu stehen.»
Und die Mitte-Gemeinderätin Karin Weyermann ergänzt: «Wir wollen bestehende Angebote dort ergänzen, wo es Lücken gibt.»
Angesichts der breiten Unterstützung durch die Parteien hat das Vorstosspaket gute Chancen, vom Gemeinderat an den Stadtrat überwiesen zu werden. Dieser hat danach zwei Jahre Zeit, einen Vorschlag auszuarbeiten.