Händler, Handwerker und Mittelalterdarsteller haben die Bettinger Mühle in Schmelz drei Tage lang in eine andere Zeit versetzt. Für manche von ihnen ist das Mittelalter weit mehr als Kulisse und Kostüm.
Schmelz · Händler, Handwerker und Mittelalterdarsteller haben die Bettinger Mühle in Schmelz drei Tage lang in eine andere Zeit versetzt. Für manche von ihnen ist das Mittelalter weit mehr als Kulisse und Kostüm.
23.09.2026 , 10:37 Uhr
Eindrücke vom Mittelaltermarkt an der Bettinger Mühle in Schmelz
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Das Feuer in der Esse lodert, der Hammer trifft auf Metall. Für den Schmied, den auf dem Mittelaltermarkt alle nur „Ötzi“ nennen, ist das keine Show. Er hat den Beruf gelernt, seinen Meister gemacht und arbeitet bis heute als Schmied. Seine Aufträge führen ihn durch ganz Europa. Er arbeitet für Museen und war auch beim Wiederaufbau der Kathedrale Notre Dame in Paris beteiligt. Zu seinen Lieblingsarbeiten zählt die Restaurierung eines Kastenschlosses in Florenz, für das er selbst viele Teile neu anfertigen musste.
An diesem Wochenende steht er an der Bettinger Mühle in Schmelz. Dort hatte der Illinger Verein Historische Märkte und Feste von Freitag bis Sonntag zum Mittelaltermarkt eingeladen. 30 Händler, sieben Gastronomen hielten ihre Angebote für die Besucher bereit. Dazu wurden 13 Lager aufgebaut, wo die Darsteller und Mittelalterliebhaber über das Wochenende, so wie damals, lebten.
Zwischen Schmieden, Drechslern, Lederwaren, Textilien, Schmuck, Kerzen und Holzspielzeug gab es für die Besucher auch einiges selbst auszuprobieren. Beim Hufeisenwerfen und Axtwerfen war Zielgenauigkeit gefragt. Deutlich weniger ernst ging es beim sogenannten Streitschlichterspiel zu. Zwei Kontrahenten sitzen dabei auf einem mit Schafsfell bedeckten Baumstamm und versuchen, sich gegenseitig mit Säcken herunterzuschlagen.
Doch hinter vielen Lagern steckt mehr als ein Wochenende in Gewandung. Jörg Herrmann vom Lager Novum Exordium ist seit mehr als 30 Jahren als Mittelalterdarsteller unterwegs. Acht Märkte besucht er jährlich. Seinen gesamten Jahresurlaub verwendet er für sein Hobby, erzählt er. Nach Schmelz geht es für ihn für drei Wochen nach Dänemark, wo er ein Museum als Mittelalterdarsteller belebt. „Mir ist immer wichtig, Kindern zu zeigen, wie das Leben im Mittelalter so aussah. Um selbst vieles darüber zu lernen, habe ich auch entsprechende Kurse besucht.“
Für Ötzi wiederum ist das Schmieden Beruf und Leidenschaft. „Wir sind ein eigenes Volk. Ich liebe meine Arbeit so sehr, dass ich nicht nur im Hauptberuf schmiede, sondern auch am Wochenende gerne auf Mittelaltermärkten bin, sofern mir das möglich ist.“ Wie lange das noch geht, ist für ihn ungewiss. Er ist an primär progredienter Multipler Sklerose erkrankt. Nach Einschätzung seiner Ärzte könnte er in einem Jahr auf einen Rollstuhl angewiesen sein, erzählt er. Aufgeben will er deshalb nicht. Seine Esse hat er bereits niedriger gebaut, damit er notfalls auch im Rollstuhl daran arbeiten kann. Ein Leben ohne Schmieden kann und will er sich nicht vorstellen.
Auch Veranstalter Frank Peter Alt zog ein positives Fazit. „Wir sind sehr zufrieden mit den Besucherzahlen, und gerade am Samstag war es hier richtig voll.“ Das nächste Fest an der Bettinger Mühle lässt nicht lange auf sich warten. Bereits Anfang März 2027 veranstaltet der Verein dort das „Metfest“ und im September folgt ein weiterer Mittelaltermarkt. (loz/avm)