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Obst- und Gartenbauvereine besorgt: Die Bäume sind erschöpft - Wie die Apfelflaute überbrückt wird

Дата публикации: 12-10-2026 13:09:00




Nach dem Hitzesommer kam die schlechte Apfelernte. Viele Obst- und Gartenbauvereine im Saarpfalz-Kreis haben das Keltern deshalb gestrichen. Wie die Vorsitzenden in die Zukunft schauen und wo sie die Gründe für den geringen Ertrag sehen.



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Obst- und Gartenbauvereine besorgt Die Bäume sind erschöpft - Wie die Apfelflaute überbrückt wird

Homburg/Bexbach/Kirkel · Nach dem Hitzesommer kam die schlechte Apfelernte. Viele Obst- und Gartenbauvereine im Saarpfalz-Kreis haben das Keltern deshalb gestrichen. Wie die Vorsitzenden in die Zukunft schauen und wo sie die Gründe für den geringen Ertrag sehen.

12.10.2026 , 15:09 Uhr

Unter anderem durch die Trockenheit fällt die Apfelernte im Saarpfalz-Kreis in diesem Jahr schlecht aus.

Unter anderem durch die Trockenheit fällt die Apfelernte im Saarpfalz-Kreis in diesem Jahr schlecht aus.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Nach der Apfelschwemme 2025 kam in diesem Jahr die große Flaute. „Wir keltern dieses Jahr gar nicht. Das Apfelangebot geht gegen null“, berichtet Thomas Hares, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Höchen. Saft aus dem Bestand aus 2025 wird aber noch verkauft. „Wir reparieren jetzt halt das Dach, machen Instandsetzungsarbeiten“, gibt sich Hares pragmatisch. Das Keltern hätten sie in den vergangenen zehn Jahren schon ein- oder zweimal abgesagt. „Aber so klar wie in diesem Jahr war es in den vergangenen Jahren nicht“, so Hares.

Nutzung der Apfelsaftpresse lohnt sich in diesem Jahr nicht

Auch der OGV Kirkel-Neuhäusel hat die Keltersaison in diesem Jahr gestrichen. Vorsitzender Patrick Schwaab findet das „äußerst ärgerlich“. Gleichzeitig gibt er sich optimistisch: „Wir machen natürlich weiter.“

Jedes Jahr aufs Neue wird das Apfelsaft-Keltern beim Verein vorbereitet – so auch in diesem Jahr. Doch die Maschine bleibt in diesem Jahr still, nachdem sie 2025 quasi im Dauereinsatz war. Die Apfelsaft-Presse des Kirkeler Vereins sei groß und modern – sie könne 700 Kilogramm Äpfel in der Stunde zu naturtrübem Apfelsaft verarbeiten. Die traurige Gesamtausbeute in diesem Jahr, bei 140 Bäumen: 250 Kilogramm. Bei alleine einem Reinigungsaufwand von etwa 50 Arbeitsstunden war es wohl die einzig sinnvolle Entscheidung, nicht zu keltern – auch wenn sie sicher nicht leicht getroffen wurde. Schließlich spielt das Keltern auch eine finanzielle Rolle für die Vereine.

Kaum Äpfel, dafür eine gute Birnenernte: Helfer des OGV Erbach ernteten auf dem Golfplatz Websweiler Birnen für Birnenbrand. Im Bild (von links): Angelika und Hans Stephan, Peter Merscher, Klaus und Martina Dejon, Leo Metzinger, Monika Emser, Gudrun Keller und Vorsitzender Edgar Emser

Kaum Äpfel, dafür eine gute Birnenernte: Helfer des OGV Erbach ernteten auf dem Golfplatz Websweiler Birnen für Birnenbrand. Im Bild (von links): Angelika und Hans Stephan, Peter Merscher, Klaus und Martina Dejon, Leo Metzinger, Monika Emser, Gudrun Keller und Vorsitzender Edgar Emser

Foto: OGV Erbach/Thomas Simon

Bäume hatten durchaus Blüten

Dabei habe es zunächst gar nicht so schlecht ausgesehen für die Apfelernte, berichtet Schwaab unserer Zeitung weiter. Die Bäume des Vereins hätten ordentlich Blüten getragen. Doch am Ende hat der Rekordsommer Hoffnungen zunichtegemacht.

In den vergangenen vier Jahren sei eigentlich nur 2025 ein gutes Kelterjahr gewesen – auf Dauer kein guter Zustand, resümiert der Vorsitzende. In anderen schwachen Jahren habe der Verein die Anlage schon für die Bürger geöffnet und den Ertrag verschenkt – doch nicht einmal dafür hätte es sich in diesem Jahr gelohnt.

Kleine Ausbeute haben die Vereinsfreunde gekeltert

Die wenigen reifen Äpfel haben die Kirkeler zu ihren Vereinsfreunden des Obst- und Gartenbauvereins Erbach gebracht. Der Verein habe eine ältere und kleinere Kelteranlage, die eine kleinere Mindestmenge erfordert. Einen Annahmetag konnten die Erbacher organisieren, sagt Vorsitzender Edgar Emser. Aus dem ganzen Saarpfalz-Kreis seien die Leute angereist, um Äpfel keltern zu lassen, weil es so wenig Angebot gegeben habe.

Ein wenig ausgeglichen werden konnte die Stimmung durch eine gute Birnenernte beim OGV Erbach. „Diesmal ‚Birnen-Maische-Saison‘ statt ‚Apfel-Saft-Saison‘“ schreiben die Vereinsleute auf ihrer Webseite. Dieser Umstand bringt den Vorsitzenden Emser dazu, die Trockenheit nicht als einzige Ursache für das schlechte Apfeljahr auf den Erbacher Wiesen zu sehen. „Birnen blühen später“, so der Obstbau-Experte. Er vermutet, dass die Apfelblüten zu viel Kälte abbekommen haben.

Henry Lavall hat schlechte Ernte schon kommen sehen

Henry Lavall, Geschäftsführer des Kreisverbands für Obst- und Gartenbauvereine im Saarpfalz-Kreis, bestätigt, dass die Apfelernte in der gesamten Gegend schwach war. Nach der Schwemme im vergangenen Jahr seien die Bäume ohnehin erschöpft. Und bereits im Frühjahr habe sich der voraussichtlich schlechte Ertrag abgezeichnet, so Lavall. Es habe zwar gar nicht wenige Blüten gegeben. Doch während der Blütezeit sei es kälter gewesen – was den Blüten teils geschadet und weniger Insekten in die Lüfte gelockt habe. Seine diesjährige Fruchtbehangschätzung sei so niedrig wie noch nie zuvor ausgefallen.

Doch die Temperaturen seien nicht die einzigen Faktoren, die die Apfelernte beeinflussen. Auch die schlechte Pflege der Streuobstwiesen, von denen sich die meisten im Privatbesitz befänden, sieht Lavall als Problem an. „Sie sind nicht geschnitten und nicht gedüngt“ – beides für ihn Faktoren, die den Ertrag deutlich verringerten.

Keltern lohnt sich für viele nicht

Keltern sei ohnehin nicht wirklich eine monetär lohnenswerte Sache, so Lavall. Doch bei so wenig Ausbeute und potenziell auch weniger Wasser in der Frucht – was zu noch weniger Ertrag führe – bei einem enormen Reinigungsaufwand könne er die Entscheidungen der Obst- und Gartenbauvereine gut nachvollziehen. (pn)

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