Sind Süßstoffe gesünder als Zucker? Ja. Wer ein Zuckergetränk durch Light oder Zero ersetzt, nimmt weniger Zucker und weniger Kalorien auf.
Sind Süßstoffe gesünder als Zucker? Ja, wenn die Alternative Zucker ist. Wer ein zuckerhaltiges Getränk durch eine Light- oder Zero-Variante ersetzt, nimmt weniger Zucker und in der Regel weniger Kalorien auf. Ein gesundheitlicher Vorteil.
Eine aktuelle Auswertung von 19 Studien zeigt, dass der Austausch von Zucker durch Süßstoffe das Körpergewicht im Mittel geringfügig senken kann. Der Effekt lag bei knapp 0,8 Kilogramm und trat vor allem in kürzeren Studien auf. Das ist kein Wundermittel, aber deutlich günstiger als regelmäßig größere Mengen Zucker zu trinken.
Tim Hollstein ist Stoffwechselforscher und Leiter der Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum in Kiel. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Gegenüber Wasser haben Light- und Zero-Getränke dagegen keinen gesundheitlichen Vorteil. Wasser bleibt deshalb die beste Wahl. Die WHO-Empfehlung von 2023 wird in diesem Zusammenhang häufig missverstanden. Die WHO rät davon ab, Süßstoffe als langfristige Strategie zur Gewichtsabnahme einzusetzen. Diese Empfehlung sagt allerdings nichts darüber aus, ob Süßstoffe gesund sind oder nicht.
Nach aktuellem Stand gibt es keinen belastbaren Nachweis, dass zugelassene Süßstoffe in üblichen Verzehrmengen gesundheitsschädlich sind. Das bedeutet nicht, dass große Mengen unproblematisch wären. Für jeden Süßstoff gelten deshalb festgelegte tägliche Höchstmengen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat in den vergangenen Jahren unter anderem
erneut bewertet. Bei den derzeit zugelassenen Produkten sah sie kein generelles Sicherheitsproblem.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Aspartam. Die Internationale Krebsforschungsagentur stufte den Stoff 2023 als „möglicherweise krebserregend“ ein. Diese Einstufung beschreibt jedoch eine grundsätzliche Gefahr und nicht das tatsächliche Krebsrisiko bei üblichen Verzehrmengen. Das zuständige Expertengremium von WHO und Welternährungsorganisation bestätigte gleichzeitig den bisherigen Grenzwert von maximal 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag.
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Es gibt Hinweise darauf, dass einzelne Süßstoffe das Mikrobiom im Darm beeinflussen können. Damit gemeint sind alle Bakterien, Pilze, Viren und andere Mikroben, die im menschlichen Darm leben.
Eine Schädigung des Darms ist damit aber nicht bewiesen. Bereits 2018 habe ich im „Deutschen Ärzteblatt“ über erste entsprechende Untersuchungen geschrieben. Damals war die Datenlage beim Menschen noch äußerst dünn. In einer viel diskutierten Studie aus dem Jahr 2022 erhielten 120 gesunde Erwachsene für zwei Wochen unterschiedliche Süßstoffe.
Dabei zeigten sich Veränderungen des Mikrobioms. Unter Saccharin und Sucralose veränderte sich bei einigen Teilnehmern zusätzlich die Reaktion auf Glukose. Die Studie war jedoch klein, kurz und untersuchte überwiegend Menschen, die zuvor kaum Süßstoffe konsumiert hatten. Andere Untersuchungen wie die zehnmonatige Sweet-Studie kommen zu weniger beunruhigenden Ergebnissen, auch in Bezug auf das Mikrobiom. In diesem Kontext kann man also sagen: Ein verändertes Mikrobiom ist nicht automatisch ein geschädigtes Mikrobiom.
Das Gehirn reagiert ohne Frage auf süßen Geschmack. Daraus folgt aber nicht, dass Süßstoffe das Gehirn schädigen. In einer akuten Untersuchung mit 75 Erwachsenen führte Sucralose zu anderen Aktivitätsmustern im Hypothalamus als Zucker. Die Teilnehmer berichteten nach Sucralose mehr Hunger als nach Zucker. Gegenüber Wasser bestand beim Hunger jedoch kein eindeutiger Unterschied.
Solche Untersuchungen zeigen, dass das Gehirn ein süßes Getränk ohne Kalorien anders verarbeitet als ein zuckerhaltiges Getränk. Sie belegen weder eine Hirnschädigung noch eine Gewichtszunahme. Langfristige Studien finden bislang keinen konsistenten Effekt von Süßstoffen auf Hunger und Appetit.
Eine aktuelle Metaanalyse fand während der Gewichtsstabilisierung keinen relevanten Anstieg des Hungergefühls. Von einer Gefahr für das Gehirn oder gar von einer Förderung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer kann nach heutiger Datenlage keine Rede sein.
Dahinter stehen wohl zwei unterschiedliche politische Ziele. Einerseits argumentieren Befürworter, Süßstoffe würden die Gewöhnung an einen sehr süßen Geschmack aufrechterhalten. Diese Annahme ist allerdings nicht besonders gut belegt. Eine sechsmonatige Studie mit 180 Erwachsenen fand nach einer deutlichen Verringerung der allgemeinen Süße in der Ernährung weder eine veränderte Vorliebe für Süßes noch relevante Unterschiede bei Energieaufnahme, Gewicht oder Stoffwechselwerten.
Ein weiteres Argument betrifft die Umwelt. Einige Süßstoffe sind schwer abbaubar und lassen sich bereits in Gewässern nachweisen. Darauf weist auch das Umweltbundesamt hin. Das ist eine berechtigte Umweltfrage, aber kein Beleg dafür, dass zuckerfreie Getränke gesundheitlich genauso problematisch sind wie zuckerhaltige Getränke.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagt zu einer Steuer auf zuckerfreie Getränke: „Das mache ich nicht. Das wird nicht kommen.“ Ich halte diese Abgrenzung für richtig. Zuckerhaltige und zuckerfreie Getränke sind gesundheitlich nicht gleichwertig. Eine Steuer, die beide Varianten gleich belastet, würde den wichtigsten Vorteil von Light- und Zero-Getränken ignorieren: Sie enthalten keinen Zucker und meist kaum Kalorien.
Klingbeil hat inzwischen klargestellt, dass das bekannt gewordene Papier ein interner Arbeitsstand und keine abgestimmte Entscheidung der Bundesregierung war. In seinem Social-Media-Beitrag vom 26. August 2026 schloss er eine Steuer auf zuckerfreie Getränke ausdrücklich aus. Ein endgültiger Gesetzentwurf liegt bislang nicht vor.
Wenn die Politik eine Zuckersteuer einführt, sollte sie sich am tatsächlichen Zuckergehalt orientieren. Das schafft einen klaren Anreiz, weniger Zucker einzusetzen. Wasser bleibt die beste Wahl. Wer aber zwischen einer zuckerhaltigen Limonade und der entsprechenden Zero-Variante wählt, trifft mit der Zero-Variante in der Regel die gesundheitlich günstigere Entscheidung.
„Wir brauchen keine Regierung als Diätberater“
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