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Macht Millionen Mut: Forscher knacken mit Tablette Krebscode

Дата публикации: 09-09-2026 08:30:00

Das Protein KRAS galt jahrelang als unangreifbar. Ist es mutiert, treibt es Krebszellen zum Wachsen an. Lange fanden Forscher keinen Weg, diesen Code für unkontrolliertes Wachstum zu knacken. Nun ist erstmals ein Medikament zugelassen.

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Das Protein KRAS galt jahrelang als unangreifbar. Ist es mutiert, treibt es Krebszellen zum Wachsen an. Lange fanden Forscher keinen Weg, diesen Code für unkontrolliertes Wachstum zu knacken. Nun ist erstmals ein Medikament zugelassen.

Die Zulassung eines neuen Präparats gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs durch die US-amerikanische Food and Drug Administration im vergangenen Monat markierte das Ende einer langen Suche nach einer Medizin, die eines der am schwersten fassbaren Angriffsziele in der Krebsforschung treffen kann.

Forscher hoffen, dass das neue Medikament erst der Anfang ist und ein neues Kapitel bei der Behandlung einer Reihe verschiedener Krebsarten aufschlägt. Laut einer Erfassung akademischer Forscher werden mindestens 79 Medikamente mit einem ähnlichen Ansatz in 238 klinischen Studien weltweit getestet.

Neues Medikament greift Krebs-Protein namens KRAS an

Große Pharmakonzerne wie Eli Lilly, Pfizer, Amgen und AstraZeneca wetteifern um die Entwicklung von Medikamenten, die wie das neue Mittel Daraxonrasib wirken. Dieses wird von Revolution Medicines hergestellt und unter dem Namen Rasonque auf den Markt kommen.

Das neue Medikament, das zweimal täglich als Tablette eingenommen wird, greift ein mutiertes zelluläres Protein namens KRAS an. Dieses ist seit Langem ein verlockendes Ziel, da es fast alle Arten von Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie viele Lungen- und Darmkrebserkrankungen und einige andere Tumorarten befeuert.

Daraxonrasib wurde im August 2026 in den USA zugelassen. In Deutschland hat das Medikament noch keine reguläre Zulassung. Die dafür zuständige Europäische Arzneimittelagentur hat im Juli 2026 ein beschleunigtes Verfahren gestartet. Diese Maßnahme kann bei Medikamenten mit hohem Bedarf die Zeit bis zur Zulassung deutlich zu verkürzen.

KRAS galt lange als unangreifbar

Doch jahrelang galt das KRAS-Protein mit seiner glatten Oberfläche als unangreifbar, weil ihm eine offensichtliche Andockstelle fehlte, die sich ein Medikament zunutze machen könnte.

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Eine Reihe wissenschaftlicher Fortschritte widerlegte diesen Grundsatz jedoch nach und nach und zeigte, dass KRAS bezwungen werden konnte. Etwa ab 2024 zog die Forschungsaktivität auf diesem Gebiet schlagartig an.

„Es geht dabei nicht nur um Bauchspeicheldrüsenkrebs“, erklärt Dr. David S. Hong, Onkologe am MD Anderson Cancer Center in Houston und einer der Leiter einer frühen Sicherheitsstudie zu Daraxonrasib. Er vergleicht dessen bahnbrechende Zulassung mit dem Aufkommen einer hochwirksamen Klasse von Immuntherapie-Medikamenten vor etwa 15 Jahren, den sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren, die heutzutage bei einem breiten Spektrum von Tumoren eingesetzt werden.

Tumoren im Keim ersticken

Krebs ist ein schwer fassbarer Gegner, der oft einen Weg findet, einer einzelnen Therapie zu entgehen, und es besteht die Hoffnung, dass die Behandlung mit mehreren Ansätzen gleichzeitig dazu beitragen könnte, Tumoren im Keim zu ersticken. Bereits jetzt laufen Studien, die Kombinationen von KRAS-Inhibitoren zusammen mit anderen Therapieformen testen, um einen mehrgleisigen Angriff zu starten. Die Zulassung von Daraxonrasib könnte zu weiteren solcher Studien führen.

Unter Forschern herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass diese aufkommende Wirkstoffklasse „Kombinationen benötigen wird, um ihre Ansprechrate und Wirkdauer zu steigern“, so Channing Der, ein Pionier der KRAS-Forschung, der akademische Forschungseinrichtungen in North Carolina und Berlin leitet, die experimentelle Wirkstoffe und Studien auf diesem Gebiet beobachten.

Revolution Medicines, ein kleines Unternehmen in der Nähe von San Francisco, das vor Daraxonrasib keine zugelassenen Produkte am Markt hatte, gilt weitgehend als führend auf diesem Gebiet. Eine seiner meistbeachteten – und potenziell bedeutendsten – Studien testet Daraxonrasib als erstes Medikament, das direkt nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs verabreicht wird. Anstatt als Zweitlinientherapie für Menschen, die sich bereits zuvor einer Chemotherapie unterzogen haben – jene Patientengruppe, für die das Medikament die Zulassung erhielt.

Revolution entwickelt zudem einen ähnlichen Wirkstoff, Zoldonrasib, der bei Lungenkrebs bereits früh vielversprechende Ergebnisse gezeigt hat. Darüber hinaus unterhält das Unternehmen bereits Kooperationen mit Pharmakonzernen wie Bristol Myers Squibb, Tango Therapeutics und Summit Therapeutics, um Kombinationstherapien mit seinen KRAS-Inhibitoren zu erforschen.

Andere Medikamente enttäuschten

Daraxonrasib ist nicht das erste Mittel, das auf KRAS abzielt. Zwei weitere, die von Amgen und Bristol Myers Squibb vertrieben werden, erhielten vor einigen Jahren die Zulassung zur Behandlung bestimmter Formen von Lungenkrebs. Doch diese Medikamente erwiesen sich als Enttäuschung. Sie zeigten nur bescheidenen Nutzen, weil sie nur auf eine einzige mutierte Form von KRAS abzielten, und das nur, solange diese das Krebswachstum nicht aktiv vorantrieb. Infolgedessen mutierten die Tumoren rasch, um der Behandlung zu entgehen.

Wirkstoffe wie Daraxonrasib und andere in der Entwicklung befindliche Mittel sind wirksamer, weil sie bei einer Reihe von Mutationen wirken können und weil sie KRAS blockieren, während es das Krebswachstum aktiv verursacht. Sie stoßen jedoch auf dasselbe Problem wie andere zielgerichtete Therapien: Über kurz oder lang schlägt die Behandlung nicht mehr an und der Krebs kehrt zurück.

Mögliche Behandlung von Brustkrebs

KRAS gehört zu einer Proteinfamilie, die bei etwa einem Fünftel der menschlichen Krebserkrankungen Mutationen entwickelt, darunter einige, von denen man in der Vergangenheit nicht annahm, dass sie auf diese Art von Behandlungsansatz ansprechen würden.

Nehmen wir zum Beispiel Brustkrebs: KRAS-Mutationen sind in Brusttumoren sehr selten. Wenn der Brustkrebs jedoch in andere Teile des Körpers streut – wie die Lungen oder die Leber – und eine Resistenz gegen die Behandlung entwickelt, kann er gelegentlich KRAS-Mutationen hervorbringen.

Forscher hoffen nun auf die Planung einer klinischen Studie, die diesen Ansatz bei Brustkrebs erproben würde, so Ariella Hanker vom Simmons Comprehensive Cancer Center am UT Southwestern Medical Center, eine der an der Arbeit beteiligten Wissenschaftlerinnen.

Krebsforscherin: „Wir sind natürlich alle sehr begeistert“

Dr. Elizabeth Jaffee, eine Bauchspeicheldrüsenkrebs-Forscherin an der Johns Hopkins University, nannte einige der drängendsten Erfordernisse auf diesem Gebiet: Die Entwicklung einer neuen Generation von KRAS-Inhibitoren mit weniger Nebenwirkungen; das Finden von Wegen zur Überwindung der Resistenzen, die es dem Krebs ermöglichen, wiederzukehren; und die Kombination von KRAS-Inhibitoren mit anderen Behandlungen, einschließlich solcher, die das Immunsystem des Patienten einspannen, um den Krebs anzugreifen.

„Wir sind natürlich alle sehr begeistert“, betont sie. Aber, so fügt sie hinzu, „wir haben noch viel zu tun.“

Um diese Ziele zu erreichen, sei jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen mit gegensätzlichen Interessen erforderlich, betonte sie. Und in einem Fall sind Spannungen bereits an die Öffentlichkeit gedrungen.

Ein Arzneimittelhersteller, Erasca, hat mit Studien im Frühstadium zu seinem KRAS-Inhibitor ERAS-0015 bei Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs Aufmerksamkeit erregt. Dieser experimentelle Wirkstoff ähnelt Daraxonrasib – so sehr sogar, dass die Anwälte von Revolution Medicines ihrem Konkurrenten im Frühjahr in einem Schreiben vorwarfen, ein wichtiges Patent zu verletzen, und forderten, die Arbeit an dem Medikament in den Vereinigten Staaten einzustellen. Erasca, das seinen Sitz in San Diego hat und die Rechte an seinem experimentellen Medikament von einem chinesischen Unternehmen erworben hat, weist die Vorwürfe zurück.

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