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Zehntausende 9/11-Helfer sind heute schwerkrank: „Hatte 8-mal Hautkrebs“

Дата публикации: 11-09-2026 06:38:00

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 eilen etliche an den Ground Zero. 25 Jahre später leiden Zehntausende an den Folgen des Staubs.

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Nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 eilen etliche an den Ground Zero, um zu helfen. 25 Jahre später leiden Zehntausende an den Folgen des toxischen Staubs. Einer ist Feuerwehrmann Curt Andrews.

Achtmal hat sich Curt Andrews schon Hautkrebs entfernen lassen müssen. Im Gesicht, am Kopf und auf der Brust. Es sind die Stellen seines Körpers, die vor 25 Jahren dem Staub ausgesetzt waren, den die Anschläge auf die Türme des World Trade Centers verursacht haben. Der freiwillige Feuerwehrmann aus dem US-Bundesstaat Connecticut verbrachte eine Woche in der Katastrophenzone, die als Ground Zero in die Geschichte einging.

Was damals kaum jemand überblickte: Über die Luft und die Haut nahmen die Helfer einen hochgiftigen Cocktail aus pulverisiertem Beton, Glas, Gipskarton, verbrannten Kunststoffen und weiteren Schadstoffen auf. 

Asche reicht Andrews bis zum Knie

„Wir alle wussten, dass dort Tausende und Abertausende Menschen arbeiteten. Also sagte ich mir: Ich muss da hin, um zu helfen“, sagt Andrews, der sich damals kurzerhand mit einer für zwei Wochen gepackten Tasche und weiteren Feuerwehrmännern ins Auto setzt, um ins anderthalb Stunden entfernte New York zu fahren. 

Die Türme sind bereits zusammengestürzt, als er ankommt. Er watet durch eine Art Asche, die ihm bis zum Knie reicht. „Es war, als würde man durch Schnee laufen“, sagt er. Die Straßen rund um das World Trade Center sind voller Trümmer.

„Mussten seinen Arm amputieren und ihn aus dem Trümmern bergen“

Andrews erwartet, Menschen aus den Trümmern zu retten, und Hilferufe unter den kollabierten Türmen. Aber das Einzige, was er hört, sind Pieper. Vor dem Einsturz waren die Feuerwehrleute der gesamten Stadt zum World Trade Center gerufen worden. Mehr als 300 Feuerwehreinsatzkräfte sterben, als die Türme zusammenstürzen. Die Geräte piepen, wenn sie länger nicht bewegt werden. Ein Notsignal. Irgendwann sind die Batterien leer.

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„Um 11.00 Uhr kurz vor Mitternacht fanden wir dann aber jemanden – einen Mann, der noch am Leben war. Ein Stahlträger hatte sich in seinen Arm gebohrt. Wir ließen Ärzte zu ihm kommen, die ihm Morphin verabreichten. Anschließend mussten wir seinen Arm amputieren und ihn aus dem Trümmerhaufen bergen. Er hat überlebt“, erzählt Andrews.

Tragen keine Schutzmasken

Es soll der einzige Überlebende sein, den er innerhalb einer Woche findet. Schutzmasken tragen er und seine Kollegen nach seiner Erinnerung nicht. „Wir waren da, um anderen zu helfen. Um uns selbst haben wir uns keine Gedanken gemacht.“

Seine Augen seien gereizt gewesen und er habe viel gehustet. Die erste Nacht verbrachte der damals 41-Jährige auf einem Bordstein. „Wir hatten keine Gelegenheit zu duschen, die ganze Zeit, die wir dort unten waren. Wir waren also völlig mit diesem Staub bedeckt.“ 

Ein Feuerwehrmann fordert weitere Rettungskräfte auf, sich einen Weg in die Trümmer des World Trade Center zu bahnen.

Ein New Yorker Feuerwehrmann fordert weitere Rettungskräfte auf, sich einen Weg in die Trümmer des World Trade Center in New York City zu bahnen, (Nur für redaktionelle Zwecke) (zu dpa: „Wenn Helfer Jahre später erkranken – Die Folgen von 9/11“) Preston Keres/U.S. Navy/dpa
Heute sind Zehntausende krank

An den Rettungs- und Aufräumarbeiten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 waren Zehntausende Helfer beteiligt. 25 Jahre danach ist die durch sie ausgelöste Gesundheitskrise noch in vollem Gange.

Neben dem toxischen Staub verpesteten Feuer, die bis zum Dezember in den Trümmerbergen am sogenannten Ground Zero brannten, zusätzlich monatelang die Luft. Die Umweltschutzbehörde der USA erklärt am 18. September 2001, die Luft sei nicht gesundheitsschädlich - eine Einschätzung, die sie später zurücknehmen muss. Hunderttausende waren da bereits an ihre Arbeitsplätze, in Schulen und in ihre Wohnungen zurückgekehrt und der giftigen Luft ausgesetzt. Die nahe gelegene New Yorker Börse öffnete schon am 17. September wieder.

Viele Schüler klagen über Atemwegsbeschwerden

Lila Nordstrom ist damals Schülerin an einer am World Trade Center gelegenen Schule, die Anfang Oktober wieder öffnet. Die Aufräumarbeiten sind da noch in vollem Gange. Kurz darauf klagen viele Schüler über Atemwegsbeschwerden. Neben einer Verschlimmerung ihres Asthmas entwickelte die Schülerin eine Refluxkrankheit und eine posttraumatische Belastungsstörung durch das Erleben des Anschlags. Sie war in der Schule, als die entführten Flugzeuge in die Türme krachten.

Die zentrale Gesundheitsbehörde der USA (CDC) verzeichnet bisher mehr als 57.000 Fälle von Krebs infolge der Anschläge. Am häufigsten ist es Hautkrebs, gefolgt von Prostata- und Brustkrebs. Allein in den zwölf Monaten vor Juni 2026 verzeichnete das Programm mehr als 10.000 weitere Krebsfälle.

Weitere typische Krankheiten infolge der Anschläge sind laut CDC unter anderem chronischer Reflux, Asthma und posttraumatische Belastungsstörungen. Bis 2026 haben sich mehr als 150.000 Menschen in einem staatlichen Gesundheitsprogramm für durch die Anschläge Geschädigte registriert. Dabei wird geprüft, ob Erkrankung, Ausmaß der damaligen Belastung und zeitlicher Verlauf festgelegte wissenschaftliche Kriterien erfüllen. Ist das der Fall, wird die Erkrankung als 9/11-bedingt anerkannt.

Mehr Tote durch Spätfolgen als durch Anschlag selbst

Experten weisen im Oktober 2001 mehr als 350 chemische Substanzen in dem Staub nach - pulverisierter Beton, Isoliermaterial, Kerosin, elektrische Geräte und eine hohe Konzentration von Glaspartikeln. Der Staub habe etwa direkt die Nebenhöhlen und den Magen-Darm-Trakt angegriffen. Unmittelbar nach dem Anschlag ging ein Foto von Marcy Borders um die Welt, die als Staub-Frau bekannt wurde. Sie starb 2015 mit 42 Jahren an Magenkrebs. Sie machte den Staub dafür verantwortlich.

Eine exakte Zahl der Menschen, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 an durch die Katastrophe bedingten Erkrankungen gestorben sind, wird von den US-Behörden nicht ausgewiesen. Experten gehen aber davon aus, dass es mehr sind als die in direkter Folge durch den Anschlag getöteten 3.000 Menschen.

20 Jahre lang kehrte Andrews nicht nach New York zurück

Feuerwehrmann Andrews kennt viele solcher Geschichten. Einer seiner Kollegen aus Connecticut sei 2018 an Leberkrebs gestorben, ein anderer habe sich jahrelang wegen einer Quecksilbervergiftung behandeln lassen. Dass Andrews seinen Einsatz mit gleich mehrfachen Krebserkrankungen bis heute bezahlt, lässt ihn keine Reue spüren. „Ich würde 100 Prozent wieder so handeln. Ich bin dankbar, dass ich helfen konnte.“

Wenn Helfer Jahre später erkranken – Die Folgen von 9/11

Blick auf eine Tätowierung auf dem Arm von Curt Andrews, der nach den Anschlägen am 11. September 2001 als Ersthelfer am Ground Zero war. In der Folge hat er sich mehrfach wegen Hautkrebs behandeln lassen müssen. (zu dpa: «Wenn Helfer Jahre später erkranken – Die Folgen von 9/11») Anne Pollmann/dpa

Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, bis Andrews an den Ground Zero zurückkehren konnte. 2023 überredet ihn ein Freund, der sich den Ort von Andrews zeigen lassen wollte. Es habe auch Jahre gebraucht, bis er sich ein Bild der in eine amerikanische Flagge gehüllten Zwillingstürme auf den Unterarm tätowieren lassen konnte. Darunter steht „Never Forget“ - „Vergiss niemals“.

dpa

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