Arne Friedrich musste seine Karriere mit 34 wegen eines Bandscheibenvorfalls beenden. Der Ex-DFB-Star schildert die „ziemlich schlimme“ Lage – und seine Ängste.
Ex-Nationalspieler Arne Friedrich äußert sich im Podcast „Behind the Athletes“ zu seinem verletzungsbedingten Karriereende 2013. Damals war er 34 und hatte einen Bandscheibenvorfall, den Friedrich als „ziemlich schlimm“ bezeichnet.
„Ich hatte schon Angst, dass ich körperlich nicht wiederhergestellt würde“, sagt der heute 47-Jährige und führt aus:
„Ich bin abends ins Bett gegangen und hatte Angst, dass ich mich irgendwann bewege. Nach der kleinsten falschen Bewegung, einer Drehbewegung oder sonst irgendwas, fühlte es sich wie ein Muskelkrampf an – nur eben im Nerv. Und das hält dann zehn Minuten an. Und man kann nichts dagegen machen. Das Ding sitzt drin. So war es in meinem Fall.“
Bei einem Bandscheibenvorfall spiele auch der Kopf „eine große Rolle“, sagt Friedrich.
„Es hat wirklich gedauert, aber nach einem halben Jahr habe ich das hinbekommen – und war total dankbar, überhaupt wieder auf einem Stuhl sitzen zu können. Davor konnte ich nicht mal aufrecht stehen. Da ging gar nichts in dieser Phase.“
Nach der Genesung gab's andere Themen – die aktive Laufbahn war ja Vergangenheit. „Ich hatte eine richtig geile Zeit, dann stehst du mit 34 da und fragst dich: Was kommt als Nächstes? Da ist auch egal, ob man gutes Geld verdient hat oder nicht.“
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Erschwerend kam hinzu, dass parallel Friedrichs 14-jährige Beziehung zerbrach; auch der Kontakt zu seinem Vater war „nicht mehr so gut. Es sind viele wichtige Pfeiler gewesen, die dann weg waren“, sagt er im Podcast. „Am Ende willst du ja wieder irgendwas machen, du willst morgens aufstehen und dich auf den Tag freuen. Das hat einen Moment gedauert.“
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Der frühere Defensivspieler absolvierte Trainerscheine, fungierte als Assistent bei der deutschen U18-Nationalmannschaft und wurde (unter Coach Jürgen Klinsmann) sogenannter Performance Manager bei Hertha BSC. Später stieg Friedrich zum Sportdirektor auf, insgesamt blieb er zweieinhalb Jahre als Funktionär bei seinem Herzensklub.
Bereits 2015 hatte er die Arne-Friedrich-Stiftung gegründet mit dem Ziel, „Kindern wirksam zu helfen“. Heute sagt Friedrich, der nebenbei einen eigenen Podcast betreibt („From Done to Dare“), über sein Selbstverständnis: „Ich bin ehemaliger Profifußballer und Stiftungsgründer. Das sind die beiden Themen, die eine gewisse Konstanz haben.“
Den Fußball verfolgt er inzwischen distanzierter, die vielen misslichen Entwicklungen (Stichwort: Fifa) entgehen ihm freilich nicht. Friedrich deutlich:
„Zu meiner Zeit war das mit Sicherheit auch nicht cool – aber heute find ich’s einfach nur noch zum Kotzen, sorry. Ganz, ganz schlimm, wenn ich das sehe, Horror.“
Auf der anderen Seite habe ihm der Sport „unglaublich viel gegeben, deswegen bin ich sehr, sehr dankbar“. Im Vergleich fand es Friedrich, der 246 Bundesligaspiele bestritt und 14 Tore erzielte, in den 2000ern „schöner. Weil ich noch ein bisschen dieses Oldschool-Fußballer-Leben mitgemacht habe, fast das Analoge. Ich habe zwei verschiedene Generationen erlebt, von Oliver Kahn bis Manuel Neuer.“
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Friedrich spielte für den SC Verl (1999/2000), Arminia Bielefeld (2000-2002), die Hertha (2002-2010), den VfL Wolfsburg (2010/11) und schließlich in den USA bei Chicago Fire (2012/13). Acht Jahre verbrachte er in Berlin – bis zum Abstieg in die 2. Liga.
„Ich hatte die Möglichkeit, zu anderen Vereinen zu gehen, auch zum FC Bayern, mit denen habe ich gesprochen“, enthüllt der gebürtige Ostwestfale. „Aber für mich war das Wichtigste: Ich muss mich in der Stadt und im Verein wohlfühlen. Und meine Partnerin genauso. Ich hatte hier in Berlin doch alles.“
Nach zwei WM-Teilnahmen, 2006 und 2010, hätte Friedrich „super gerne noch die WM 2014 mitgemacht. Das ist auch der einzige Titel, den ich mir gewünscht hätte.“ 82 Länderspiele bestritt er, zehn davon direkt im ersten Jahr, der Saison 2002/03. Warum das wichtig ist? Aus monetären Gründen. Friedrich erzählt:
„In meinem Hertha-Vertrag stand, dass sich bei zehn Länderspielen im ersten Jahr mein Gehalt verdoppelt. Ohne dass ich verhandeln muss.“
Vor dem letzten EM-Qualifikationsspiel im Juni 2003, auf den Färöer Inseln, stand er bei neun DFB-Einsätzen. „Ich hatte solche Schmerzen in meinem Knie, eine chronische Patellasehnenentzündung“, erinnert sich Friedrich. „Dann habe ich gesagt, komm, spritze da irgendwas rein, ich muss spielen. Ich habe das Spiel noch gespielt, und der Vertrag hat sich verdoppelt...“