Weniger Arbeitslose, mehr Menschen finden im September neue Jobs – doch der Jahresvergleich zeigt: Ostwürttembergs Arbeitsmarkt bleibt unter Druck.
Stand: 01.10.2026, 09:07 Uhr

Weniger Arbeitslose, mehr Menschen finden im September neue Jobs – doch der Jahresvergleich zeigt: Ostwürttembergs Arbeitsmarkt bleibt unter Druck.
Aalen. Der September bringt für den Ostwürttemberger Arbeitsmarkt einige positive Signale. Die Zahl der Arbeitslosen ist zum Ende des Sommers saisonbedingt um 180 auf 11.970 gesunken. Gleichzeitig fanden deutlich mehr Menschen aus der Arbeitslosigkeit zurück in Beschäftigung. Von einer nachhaltigen Erholung kann dennoch keine Rede sein: Im Vorjahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit weiterhin um 4,2 Prozent höher, während die konjunkturellen Belastungen vor allem in der Industrie fortbestehen.
Die Arbeitslosenquote im Bezirk der Agentur für Arbeit Aalen sank im September von 4,7 auf 4,6 Prozent. Damit liegt sie weiterhin 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. "Die kurzfristige Tendenz am Arbeitsmarkt stimmt", sagt Stefan Schubert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aalen. Der wirtschaftliche Rahmen bleibe jedoch herausfordernd, ein konjunktureller Aufschwung sei weiterhin nicht in Sicht.
Mehr Menschen finden zurück in JobsBemerkenswert ist vor allem die Bewegung hinter dem Arbeitslosenbestand. Im September beendeten 3081 Menschen ihre Arbeitslosigkeit – 546 mehr als im August und 464 mehr als vor einem Jahr. 979 von ihnen nahmen eine Erwerbstätigkeit auf. Das waren 352 mehr als im Vormonat und 209 mehr als im September 2025. Gleichzeitig meldeten sich 1112 Menschen nach einer Beschäftigung arbeitslos, 70 mehr als vor einem Jahr.
Das zeigt: Der Arbeitsmarkt ist keineswegs erstarrt. Unternehmen stellen weiterhin ein, Beschäftigte wechseln, und ein Teil der Menschen, die im Sommer arbeitslos geworden sind, findet wieder zurück in Arbeit. Gleichzeitig bleibt der Zugang in Arbeitslosigkeit erhöht. Seit Jahresbeginn haben sich 23.902 Menschen arbeitslos gemeldet – 1928 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Abgänge liegt mit 22.866 ebenfalls höher, allerdings um 2273.
Stellenmarkt sendet ein gemischtes SignalAuch der Stellenmarkt liefert ein ambivalentes Bild. Im September meldeten Arbeitgeber 638 neue Arbeitsstellen – 119 oder 22,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Bestand stieg binnen eines Monats um 113 auf 3099 Stellen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren das 152 Stellen oder 5,2 Prozent mehr.
Auf den zweiten Blick wird die Zurückhaltung der Unternehmen jedoch sichtbar. Seit Jahresbeginn wurden 4891 Stellen gemeldet, 563 oder 10,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der September bringt damit zwar einen kräftigen Ausschlag nach oben, gleicht den Rückstand des Jahres aber nicht aus. Schubert verweist dennoch auf die Widerstandsfähigkeit der regional breit aufgestellten Wirtschaft.
Industrie verliert weiter BeschäftigungenBesonders deutlich wird die angespannte Lage beim Blick auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die aktuellsten gesicherten Zahlen stammen allerdings erst aus dem März 2026. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Aalen gab es 0,4 Prozent weniger Beschäftigte als ein Jahr zuvor. Im Verarbeitenden Gewerbe fiel der Rückgang mit 2,8 Prozent deutlich stärker aus – das entspricht 2029 Beschäftigten weniger als ein Jahr zuvor.
Dass der Arbeitsmarkt diese Entwicklung bislang vergleichsweise gut abfedert, liegt auch an anderen Branchen. Die öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung legten binnen Jahresfrist um 392 Beschäftigte zu. Auch Verkehr und Lagerei sowie weitere Dienstleistungsbereiche konnten Beschäftigung aufbauen.
Ältere geraten stärker unter DruckWährend sich die Situation für junge Menschen im September verbessert, geraten Ältere stärker unter Druck. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren sank binnen eines Monats um 88 auf 1148. Ihre Arbeitslosenquote ging von 4,4 auf 4,1 Prozent zurück. Bei den über 50-Jährigen stieg die Zahl der Arbeitslosen dagegen um 42 auf 4684; gegenüber dem Vorjahr sind es 230 mehr. Bei den über 55-Jährigen liegt das Plus sogar bei 7,3 Prozent. Gerade bei älteren Beschäftigten hat sich die Arbeitswelt in den vergangenen Jahren verändert – die Zahl der geringfügig Beschäftigten neben einem regulären Job ist hier besonders stark gestiegen.
Auch die Verteilung auf Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung zeigt, wo die steigende Arbeitslosigkeit ankommt. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) waren im September 6293 Menschen arbeitslos – acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im SGB II, dem Bereich der Grundsicherung, lag die Zahl mit 5677 dagegen nahezu auf Vorjahresniveau. Die Zunahme konzentriert sich damit weiterhin auf den Bereich der Arbeitslosenversicherung.
Regionale Arbeitsmärkte gehen auseinanderAuch innerhalb Ostwürttembergs zeigt sich kein einheitliches Bild. Im Ostalbkreis sank die Zahl der Arbeitslosen im September um 178 auf 7777, die Quote ging auf 4,3 Prozent zurück. Im Landkreis Heidenheim gab es mit 4193 Arbeitslosen kaum Veränderung zum Vormonat; die Quote verharrt bei 5,5 Prozent.
Im Jahresvergleich entwickeln sich die Geschäftsstellenbezirke ebenfalls unterschiedlich. In Schwäbisch Gmünd lag die Arbeitslosigkeit zwei Prozent unter dem Vorjahreswert, in Bopfingen dagegen neun Prozent darüber. Der Ostwürttemberger Arbeitsmarkt bleibt damit auch regional in Bewegung – allerdings längst nicht überall in dieselbe Richtung.
September macht Hoffnung – aber keine WendeDer September liefert damit einige positive Signale: weniger Arbeitslose, deutlich mehr Übergänge in Beschäftigung und einen stärkeren Stellenmarkt als vor einem Jahr. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosigkeit weiterhin über dem Vorjahresniveau, die Zahl der Stellenmeldungen seit Jahresbeginn deutlich darunter und die Industrie baut weiterhin Beschäftigung ab.
Der Arbeitsmarkt bewegt sich also – aber er kommt noch nicht wirklich voran. Die kurzfristige Entspannung trifft auf eine Wirtschaft, in der Unternehmen gleichzeitig Personal abbauen und nach Fachkräften suchen. Genau diese Uneinheitlichkeit dürfte Ostwürttembergs Arbeitsmarkt auch in den kommenden Monaten prägen.
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