Offiziell soll die Einrichtung laotische Piloten ausbilden. Doch Experten glauben, dass Peking einen Truppenstützpunkt aufbauen könnte. Ein ähnliches Zentrum betreibt China bereits in Kambodscha.
Offiziell soll die Einrichtung laotische Piloten ausbilden. Doch Experten glauben, dass Peking einen Truppenstützpunkt aufbauen könnte. Ein ähnliches Zentrum betreibt China bereits in Kambodscha.
01.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten

Vantor via Reuters
Chinas Volksbefreiungsarmee hat in Laos ein gemeinsames Unterstützungs- und Ausbildungszentrum für die Luftwaffe eröffnet. Es solle laotische Luftwaffenpiloten ausbilden, teilte das chinesische Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Angaben zu Personal, Flugzeugen oder weiterer Ausrüstung machte es nicht. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch berichtete, hatten die Arbeiten am Flughafen Ban Keun Ende 2025 begonnen. Baut China gerade eine neue Militärbasis?
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Angela Stanzel, China-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, sieht darin einen Ausbau der engen Sicherheitskooperation mit Laos. China verstärke seine Zusammenarbeit mit südostasiatischen Staaten im Sicherheits- und Verteidigungsbereich. «So ein Luftwaffen-Zentrum ist also der nächste logische Schritt für China», schreibt sie auf Anfrage.
Die Sicherheitsexpertin Rachel Vandenbrink vom Australian Strategic Policy Institute sagt gegenüber Reuters, dass China womöglich versuche, sich einen ständigen Zugang zu einem wichtigen Logistik-Knotenpunkt zu verschaffen, um etwa Truppenrotationen zu unterstützen.
Ausbildungszentrum oder Militärstützpunkt?Es gibt bereits eine ähnliche Einrichtung in Südostasien: Im Jahr 2025 hatte China ein Marine-Ausbildungszentrum in Kambodscha am Hafen von Ream eröffnet. Die Zentren würden vollständig Laos und Kambodscha gehören, sagte der chinesische Militärexperte Song Zhongping der parteinahen chinesischen Zeitung «Global Times». Sie würden zwar gemeinsam mit China betrieben, es seien dort jedoch keine eigenständigen chinesischen Truppen stationiert. China habe auch keine Bereiche oder Einrichtungen zur alleinigen Nutzung.
Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) vermutet jedoch, dass China zu einem Pier am Hafen von Ream durchaus exklusiven Zugang geniesse. Zeitweise waren dort monatelang zwei Kriegsschiffe der chinesischen Marine stationiert. Im Januar lief auch kurzzeitig ein Küstenkampfschiff der amerikanischen Marine ein.
Das Konzept des neuen Unterstützungs- und Ausbildungszentrums in Laos gleiche jenem des chinesischen Stützpunktes in Djibouti, sagte der Experte Song der «Global Times». Dort betreibt Chinas Regierung ihren einzigen offiziell anerkannten militärischen Stützpunkt im Ausland. Auch der Sicherheitsexperte Collin Koh von der S. Rajaratnam School of International Studies in Singapur misst dem Zentrum in Laos eine grosse Bedeutung zu: «Es dürfte nicht falsch sein, dies als den ersten vollwertigen ausländischen Stützpunkt der chinesischen Volksbefreiungsarmee in Südostasien zu betrachten.»
Eine Strategie der Mini-StützpunkteAuch im Südchinesischen Meer hat China seine militärische Präsenz ausgebaut. Seit Ende 2013 schüttet es Riffe zu künstlichen Inseln auf. Die grössten Stützpunkte verfügen über Flugpisten, Hafenanlagen und Raketenstellungen. China beansprucht den Grossteil des Südchinesischen Meers für sich, aber viele der Anrainerstaaten haben überlappende Gebietsansprüche. So protestierte zum Beispiel Vietnam gegen die neusten chinesischen Aufschüttungen.
China setzt im Gegensatz zu den USA nicht auf Hunderte von Militärbasen weltweit. Das Land projiziert seine Macht primär mit Handel. So hat Peking in den letzten Jahrzehnten ein weltweites Hafennetzwerk gespannt. An rund 150 Hafenprojekten sind chinesische Firmen beteiligt, über 90 Terminals sind in chinesischem Besitz. Ein Drittel davon wird zeitweise der chinesischen Marine zur Verfügung gestellt.
Das Pentagon vermutet in seinem neusten Bericht zum chinesischen Militär, dass China bereits weitere Standorte prüfe und diskutiere. Isaac Kardon, Professor an der Johns-Hopkins-Universität, sagte der NZZ, für China sei es teuer und politisch heikel, Militärbasen zu bauen. Peking verfolge vielmehr eine Strategie vieler, oft temporärer Ministützpunkte, die unter dem Radar blieben.
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