Die Linke will in Berlin große Wohnungskonzerne vergesellschaften. Gegen hohe Mieten soll der Staat also Eigentumsverhältnisse ändern, während zusätzliches Angebot bekämpft wird.
Die Linke will in Berlin große Wohnungskonzerne vergesellschaften. Gleichzeitig stellt sie sich mit Umweltverbänden gegen Neubauprojekte. Gegen hohe Mieten soll der Staat also Eigentumsverhältnisse ändern, während zusätzliches Angebot bekämpft wird.
Es sind nur 99 Wohnungen in Berlin-Pankow. Und doch lässt sich an ihnen das Berliner Dilemma besichtigen. Die landeseigene Gesobau will sie bauen, zunächst für rund 420 Geflüchtete. Ursprünglich waren 180 Wohnungen geplant, nach einem Beteiligungsverfahren blieben 99.
Doch auch die wurden nicht gebaut. Umweltverbände gingen gegen eine artenschutzrechtliche Ausnahme vor. Im November 2025 entschied das Verwaltungsgericht im Eilverfahren, die Genehmigung sei nicht hinreichend bestimmt und deshalb rechtswidrig. Im Januar zog das Bezirksamt den Bescheid zurück. Der BUND feierte einen „Erfolg für die Artenschutz-Bemühungen der Umwelt- und Naturschutzverbände“. Die Pankower Linke hatte bereits 2024 beschlossen, die Errichtung der Gebäude sei „umgehend zu stoppen“.
Größer wird der Konflikt in Späthsfelde. In Treptow-Köpenick plant der Senat ein Quartier mit rund 2500 Wohnungen. Etwa die Hälfte des 100 Hektar großen Untersuchungsgebiets soll Grün- und Freifläche bleiben. Dem BUND reicht das nicht. Er verweist auf Grundwasser, Boden und Klima. Auch Die Linke kämpft dafür, wesentliche Flächen der Späth’schen Baumschulen vor Bebauung zu schützen. Ihr Stadtentwicklungspolitiker Uwe Doering nennt das Gelände eine „grüne Lunge“ und warnt vor „kurzsichtigen Bauplänen des Senats“.
ANZEIGE
ANZEIGE
Verhindert sind die 2500 Wohnungen nicht. Der Senat beschloss im August 2026 das Struktur- und Nutzungskonzept. Aber der politische Kampf darum, wo und wie viel gebaut werden darf, läuft.
Der größte Brocken ist das Tempelhofer Feld. 355 Hektar mitten in einer Stadt mit Wohnungsmangel. Die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ stellte im Mai ein Konzept für eine Randbebauung mit 21.400 Wohnungen vor. Die Antwort der Linken: „Die Linke steht weiterhin zum Volksentscheid und lehnt jede Form der Bebauung des Tempelhofer Feldes grundsätzlich ab“, erklärte ihr Stadtentwicklungspolitiker Michael Efler.
Er hat ein starkes Argument: den Volksentscheid von 2014. Damals stimmten 739.124 Berliner und damit 64,3 Prozent der Abstimmenden für den weitgehenden Erhalt des Feldes. Das Tempelhofer-Feld-Gesetz schützt es seither vor einer normalen Wohnbebauung. Nur ist das zwölf Jahre her. Seitdem ist Berlin gewachsen, die Nachfrage nach Wohnungen bleibt hoch und der Wohnungsmarkt angespannt. Das macht den Volksentscheid nicht ungültig, aber es verschärft den Konflikt.
Die Rechnung: 99 Wohnungen in Pankow, 2500 in Späthsfelde und ein Konzept über 21.400 Wohnungen am Tempelhofer Feld. Zusammen 23.999 Wohnungen in Projekten beziehungsweise Konzepten, gegen deren Realisierung oder Ausgestaltung Linke und Umweltverbände Widerstand leisten oder geleistet haben.
Der Zusammenhang mit den Mieten
Der aktuelle Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin beschreibt weiterhin ein „strukturelles Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage“. Die Bevölkerung wächst, der Bedarf bleibt hoch. 2025 lag die mittlere Angebotsmiete bei 15,78 Euro pro Quadratmeter. Damit bekommt die Haltung der Linken zu Neubauprojekten eine besondere Bedeutung. Die Partei fordert bezahlbarere Mieten und will dafür tief in die Eigentumsordnung eingreifen. Gleichzeitig lehnt sie dort zusätzlichen Wohnraum ab, wo Natur-, Klima- oder Freiflächenschutz aus ihrer Sicht schwerer wiegen.
Ob sie die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände wirklich vorantreiben kann, ist dagegen völlig offen. Die Grundlage für das Ansinnen steht in Artikel 15 des Grundgesetzes. Er erlaubt grundsätzlich, „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel“ gegen Entschädigung in Gemeineigentum zu überführen. Eine Berliner Expertenkommission kam 2023 mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände grundsätzlich verfassungsgemäß ausgestaltet werden könne. Im März 2026 beschloss Berlin dazu ein Vergesellschaftungsrahmengesetz. Es tritt 24 Monate nach seiner Verkündung in Kraft. Um tatsächlich zu verstaatlichen, ist dann aber ein konkretes Anwendungsgesetz notwendig.
Bevor das kommt, sind allerdings erst die Gerichte am Zug: Welche Unternehmen wären betroffen? Ist die Vergesellschaftung verhältnismäßig? Wie werden die Wohnungen bewertet? Wie hoch ist die Entschädigung? Der Berliner Immobilienrechtler Patrick Brock, Partner bei Taylor Wessing, nennt die Debatte einen „langfristigen Unsicherheitsfaktor“. „Bis dahin, und ehrlicherweise weit darüber hinaus, reden wir eher über politische und rechtliche Hängepartien als über eine unmittelbar bevorstehende Vergesellschaftung.“
Damit landet die Debatte dann doch wieder beim Neubau. Eine aktuelle Mitgliederbefragung des Bundes freier Wohnungs- und Immobilienunternehmer Berlin/Brandenburg ergab, dass 37 Prozent der befragten Unternehmen wegen politischer Unsicherheit Investitionen zurückgestellt hätten. Nach Verbandsangaben betrifft das 3480 geplante Wohnungen. 77 Prozent berichten, die Vergesellschaftungsfrage spiele bereits in Gesprächen mit Banken und Finanzierungspartnern eine Rolle.
Damit wird aus zwei scheinbar getrennten Debatten eine einzige. Die Linke will hohe Mieten bekämpfen. Sie setzt dabei auf Vergesellschaftung, Mieterschutz und einen stärkeren öffentlichen Wohnungssektor. Gleichzeitig kämpft sie an mehreren Stellen gegen Neubau oder für eine deutliche Begrenzung von Bauvorhaben. Die Berliner Banken stellen diese Verbindung her. „Wenn wir mehr bezahlbaren Wohnraum wollen“, sagt der Chef der Investitionsbank Berlin Hinrich Holm, „sollten öffentliche Mittel vor allem dort eingesetzt werden, wo neue Wohnungen gebaut werden.“
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Verfassungsrechtler: Berlins Enteignungsplan wird scheitern | 0 | 12.07 | 22-09-2026 |
| 2 | Linken-Fraktionschefin Reichinnek: Menschen wollen bezahlbare Mieten | 0 | 10.87 | 21-09-2026 |
| 3 | Wowereit: Enteignungspläne der Linken sind falsch | 0 | 9.37 | 22-09-2026 |
| 4 | Nach Linken-Wahlsieg bangt Vonovia um 130.000 Wohnungen | 0 | 11.9 | 22-09-2026 |
| 5 | Verfassungsrechtler betont: „Über Enteignung entscheidet Karlsruhe“ | 0 | 11.82 | 24-09-2026 |
| 6 | Millionen Wohnungen im Blick: So könnte Berlin Mietwucher jagen | 0 | 7.66 | 15-09-2026 |
| 7 | Landespolitik | Linke in Berlin: Bloß nichts anbrennen lassen | 0 | 13.31 | 26-09-2026 |
| 8 | Erste Vorgespräche in Berlin ohne Einigung: Grüne wollen Wahlergebnis und Sondierungen mit Basis diskutieren | 0 | 15.62 | 16-09-2026 |
| 9 | Mieten werden teurer – jetzt wird Kaufen wieder interessant | 0 | 7.97 | 02-10-2026 |
| 10 | Landeseigene Vermieter verschicken Briefe: Fünf Tipps, wie Sie Ihre Mieterhöhung prüfen | 0 | 7.97 | 03-06-2026 |