Die KfW lockt Familien mit 0,53 Prozent Zins. Doch der Förderkredit hat Bedingungen – und ein günstiger Kredit macht ein altes Haus nicht automatisch zum Schnäppchen.
Die KfW lockt Familien mit 0,53 Prozent Zins. Doch der Förderkredit hat Bedingungen – und ein günstiger Kredit macht ein altes Haus nicht automatisch zum Schnäppchen.
Arndt Gerhardts ist Immobilienmakler und seit über 20 Jahren in der Branche tätig. Er ist Autor des Buches "Hurra, mein Haus ist weg!", einem Ratgeber, in dem er Schritt für Schritt erklärt, wie man eine Immobilien erfolgreich verkauft. Gerhardts ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Genau damit wirbt das KfW-Programm „Jung kauft Alt“ seit seiner Verbesserung Anfang August. Zum Start nannte die KfW bei 35 Jahren Laufzeit und zehn Jahren Zinsbindung einen Effektivzins von 0,53 Prozent. Je nach Kinderzahl gibt es inzwischen 140.000, 160.000 oder 180.000 Euro Förderkredit. Das klingt gut. Ist es auch. Nur sollte eine Familie deswegen noch lange kein altes Haus kaufen.
Gefördert werden Familien und Alleinerziehende mit mindestens einem minderjährigen Kind, die erstmals selbst genutztes Wohneigentum erwerben. Das zu versteuernde Haushaltseinkommen darf bei einem Kind 90.000 Euro betragen, für jedes weitere Kind kommen 10.000 Euro hinzu.
Nach dem Kauf bleiben 54 Monate für die Sanierung. Möglich ist der Weg zum Effizienzhaus 85 EE oder über Einzelmaßnahmen. In der Praxis kann das Fenster, Dämmung, Dach oder Heizung betreffen. Das kann schnell richtig teuer werden.
Nehmen wir eine Familie mit zwei Kindern. Sie kann bis zu 160.000 Euro über „Jung kauft Alt“ finanzieren. Kostet das Haus 350.000 Euro, bleiben 190.000 Euro Kaufpreis übrig. Dazu kommen Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und eventuell Makler. Diese Nebenkosten fördert das Programm nicht.
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Auch die Sanierungskosten werden über das Programm „Jung kauft Alt“ nicht mitfinanziert. Dafür können weitere Förderprogramme genutzt werden. Bezahlt werden müssen die Maßnahmen trotzdem.
Genau deshalb ist der Zinssatz allein die falsche Zahl. Der KfW-Kredit ist attraktiv, aber nur für einen Teil des Gesamtprojekts. Entscheidend ist, was Kauf, Nebenkosten, Sanierung und restliche Finanzierung zusammen kosten.
2025 wurden bei „Jung kauft Alt“ gerade einmal 690 Förderzusagen mit einem Kreditvolumen von rund 80 Millionen Euro erteilt. Für ein bundesweites Förderprogramm ist das nicht gerade der große Durchbruch.
Jetzt hat der Bund reagiert: höhere Kreditbeträge und mehr Freiheit bei der Sanierung. Das ist vernünftig. Trotzdem bleibt ein merkwürdiger Widerspruch: Ein Haus mit Energieklasse E ist für dieses Programm zu gut. Ein schlechteres Haus der Klasse F kann förderfähig sein – wenn die Familie sich anschließend zur Sanierung verpflichtet.
Als Klimaprogramm kann man diese Logik verstehen. Als Wohneigentumsförderung für junge Familien finde ich sie diskussionswürdig. Warum unterstützt man Familien nicht grundsätzlich beim Erwerb von Wohneigentum und lässt ihnen die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann welche Sanierung sinnvoll ist? Ein viel einfacherer Hebel wäre, die Grunderwerbsteuer beim erstmaligen Erwerb selbst genutzten Eigentums deutlich zu senken oder ganz abzuschaffen. Das wäre echte Entlastung beim Kauf – direkt, verständlich und ohne ein weiteres Förderprogramm mit neuen Bedingungen, Nachweisen und Fristen.
Ich würde einer Familie niemals empfehlen, eine Immobilie zu kaufen, weil sie dafür einen günstigen Förderkredit bekommt. Die Reihenfolge muss andersherum sein.
Passt die Lage? Passt das Haus zur Familie? Ist der Kaufpreis realistisch? Welche Mängel gibt es? Was kostet die Sanierung wirklich? Und bleibt danach noch genügend finanzieller Spielraum?
Gerade bei älteren Immobilien ist das entscheidend. In meinem Buch empfehle ich bei erkennbaren Mängeln, sie fachlich prüfen zu lassen, ein Sanierungskonzept und eine Kostenschätzung einzuholen und diese Kosten schon beim Kaufpreis zu berücksichtigen. Denn aus einem vermeintlichen Schnäppchen wird schnell ein Fass ohne Boden, wenn nach dem Kauf Fenster, Dach, Fassade und Heizung gleichzeitig auf der Rechnung stehen.
„Jung kauft Alt“ ist nach der Nachbesserung deutlich interessanter. Der günstige Kredit kann Familien helfen, einen Teil des Kaufpreises bezahlbarer zu finanzieren. Allerdings: eine Förderung macht aus einer schlechten Immobilie noch keine gute Immobilie.
Wer ohnehin ein älteres Haus kaufen möchte, ausreichend Reserven hat und die Sanierung realistisch kalkuliert, sollte das Programm prüfen. Wer dagegen nur wegen 0,53 Prozent Zins plötzlich Gefallen an einem energetischen Sanierungsfall findet, sollte noch einmal rechnen.
Nicht die Förderung sollte entscheiden, welches Haus Sie kaufen. Das Haus muss passen – und die Förderung kann dann ein sehr guter Bonus sein.
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