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Update beim Kaffee - Wie kommen wir raus aus der Catch-up-Culture?

Дата публикации: 14-08-2026 14:00:00

Freunde treffen, nur um sich abzudaten: Raphaella merkt irgendwann, dass sich das nicht richtig für sie anfühlt. Sie will lieber etwas im Hier und Jetzt erleben. Was die Catch-up-Kultur mit Leistungsdruck zu tun hat, erklärt eine Soziologin.**********Ihr hört: Gesprächspartnerin: Raphaella, versucht, aktiv aus Update-Freundschaften wieder mehr ins Hier und Jetzt zu kommen Gesprächspartnerin: Claudia Neu, Professorin für Soziologie ländlicher Räume an den Unis Göttingen und Kassel Gesprächspartner: Alexandre Mueller, Psychotherapeut mit Schwerpunkt auf u.a. Freundschaftstherapie Autor und Host: Przemek Żuk Redaktion: Anton Stanislawski, Friederike Seeger, Yevgeniya Shcherbakova, Celine Wegert Produktion: Philipp Adelmann**********Quellen:Langheit, S. & Pulin, F. (2022). Developmental changes in best friendship quality during emerging adulthood. Journal of Social and Personal Relationships, 39(11). S. 3373-3393.Yücel, E., & Dincer, D. (2024). The Transformative power of friendships: Examining the relationships among friendship quality, self-change, and well-being. Personal Relationships, 31(2), S. 301–332.Folk, D., & Dunn, E. (2026). Everything Is Better Together: Analyzing the Relationship Between Socializing and Happiness in the American Time Use Survey. Social Psychological and Personality Science, 17(4), S. 426-435.Bosch, M., Fernandez-Borsot, G., Miró I. Comas, A. et al. (2022). Evolving friendship? Essential changes, from social networks to artificial companions. Social Network Analysis and Mining, 12(39).**********Mehr zum Thema bei Deutschlandfunk Nova:Alle immer busy: Wie führen wir enge Freundschaften mit wenig Zeit?Freundschaft: Wie finden wir unsere Gruppe?Einseitige Freundschaft: Wie setzen wir Grenzen? **********Den Artikel zum Stück findet ihr hier.**********Ihr könnt uns auch auf diesen Kanälen folgen:
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Freunde treffen, nur um sich abzudaten: Raphaella merkt irgendwann, dass sich das nicht richtig für sie anfühlt. Sie will lieber etwas im Hier und Jetzt erleben. Was die Catch-up-Kultur mit Leistungsdruck zu tun hat, erklärt eine Soziologin.

Raphaella stellt irgendwann fest, dass ihr in ihren Freundschaften etwas fehlt. Zu einem echten Austausch mit Freund*innen kommt es selten.

Denn bei Gesprächen und Treffen geht es meist um die Erlebnisse, die man in den letzten drei Monaten gemacht hat.

Wenn Kontakte zu To-dos werden

Solche Update-Treffen findet Raphaella unbefriedigend. Sie wünscht sich spontanere Kontakte – und auch, gemeinsam mehr im Hier und Jetzt zu sein.

Raphaella ist Ende 20 und arbeitet als Social-Media-Managerin. Nach einem Arbeitstag nutzt sie die Zeit gerne, sich draußen zu bewegen: Sie geht spazieren und sammelt dabei Schritte, sagt sie.

Spontane, hartnäckige Anrufe

Sie will aktiv an dem arbeiten, was sie unzufrieden macht. Also fängt sie damit an, ihre Spaziergänge zu nutzen, um Menschen anzurufen, die ihr wichtig sind. Mit Friends spricht sie darüber, dass sie kein Fan dieser Catch-up-Kultur ist.

Raphaella, eine junge Frau mit Sonnenbrille

© privat

Raphaella erwartet von Treffen mit Freunden mehr als nur ein Update

Dabei ist sie spontan: Sie verabredet sich nicht für Telefonate, sondern ruft einfach an und bleibt auch mal hartnäckig, wenn sie jemanden mal nicht erreichen kann. Manchmal führt das Gespräch auch zu einem spontanen Treffen.

Mit der Zeit geht immer häufiger jemand ans Handy, wenn sie anruft, erzählt sie. Und Freund*innen sagen Raphaella, dass sie es gut finden, auf diese Weise aus ihrem Alltagstrott herausgerissen zu werden.

"Arbeiten, Kochen, Familie, Freunde, dann noch Sport und das alles unter einen Hut zu bringen: Da kann es sich wie ein To-do anfühlen, im Leben der Freunde stattzufinden oder die Freunde im eigenen Leben stattfinden zu lassen."

Raphaella will gemeinsam mit Freunden im Moment leben und nicht nur Update-Freundschaften haben

Raphaella bemerkt aber auch, dass ihre Freund*innen unterschiedlich auf den Versuch reagieren, spontaner miteinander in Kontakt zu treten und mehr im Moment zu sein.

Manche spiegeln ihr, dass sie genauso empfinden, andere sind mit den Jahren "introvertierter" geworden, so nennt es Raphaella.

Bei manchen Friends kann Raphaella Update-Treffe akzeptieren

Sie wollen mehr Zeit mit sich und zu Hause verbringen. Und wieder andere freuen sich zwar über den Kontakt, wollen aber digital kommunizieren, statt sich zu treffen.

Insgesamt ist Raphaella zwar kein Fan der Catch-up-Kultur. Aber es gibt Freund*innen, bei denen sie es akzeptieren kann, dass man sich bei einem Treffen oder beim Schreiben nur updatet.

Bleibende Erinnerungen durch das Überraschende schaffen

Für Soziologin Claudia Neu ist die Catch-up-Kultur ein typisches Phänomen unserer Zeit. Viele Menschen fühlen sich im Alltag oft belastet: wegen der Krisen und nicht endenden Bedrohungen, die oft gar nicht vor der eigenen Haustür stattfinden, die wir aber über Social Media ständig mitbekommen, erklärt die Professorin für Soziologie ländlicher Räume an den Universitäten Göttingen und Kassel.

Zu gehetzt für ein zwangloses Treffen

Gleichzeitig leben wir in einer Leistungsgesellschaft. Wir wollen effektiv sein, viel leisten und uns ständig optimieren, weil ein großer Leistungsdruck und viel Druck herrscht, sagt Claudia Neu.

So entstehe das Gefühl, zu gehetzt zu sein für ein längeres, zwangloses Treffen. Stattdessen eben: Nur ein schnelles Update. Das geht über Social Media natürlich noch schneller und mit scheinbarer Nähe.

"Diese Catch-up-Culture ist da, um mal schnell ein Update zu geben, damit man in Verbindung bleibt. Aber eigentlich fühlt man sich zu gehetzt, um einen netten und völlig zwanglosen Abend in der Kneipe zu verbringen."

Claudia Neu, Soziologin

Wenn wir nicht einfach mal bei einer Freundin vorbeischauen oder ein Getränk zu lang in der Bar verweilen, betrügen wir uns selbst um schöne Stunden, sagt die Soziologin. Denn das schaffe bleibende Erinnerungen.

Menschen auf Stand-up-Paddles auf der Außenalster vor der Hamburger Skyline

© picture alliance/dpa | Jonas Walzberg

Es geht viel verloren, wenn wir Freundschaften optimiert führen, sagt Claudia Neu. In Erinnerung bleiben schöne Stunden, die sich einfach ergeben.

Es bleibt nicht in Erinnerung, dass wir dem Leistungsdruck folgend eine Beziehung "optimiert" haben, sagt Claudia Neu. "Wir erinnern uns an das Überraschende, das Unerwartete, die unerwartete Begegnung und auch vielleicht das unerwartete Schwere", erklärt sie.

"Es hat auch, ohne jetzt übermäßig kulturpessimistisch sein zu wollen, natürlich mit der Möglichkeit zu tun, dass ich über Social Media eine Art Nähe erzeugen kann."

Claudia Neu, Soziologin

Die Catch-up-Culture ist nicht nur negativ, sagt der Psychotherapeut Alexandre Mueller aus Zürich. Manchmal sei es auch eine Strategie, sich an die eigenen Lebensumstände und Bedürfnisse anzupassen. Wenn wir gerade Eltern geworden sind oder einen Job haben, der viel Kraft und Zeit beansprucht, dann kann es gut sein, Gespräche zu nutzen, um sich gegenseitig auf den neusten Stand zu bringen.

Auch ein Update-Gespräch kann uns verbinden

Der Psychotherapeut erklärt: Wichtig sei, wie wir uns nach so einem Austausch oder Treffen fühlen: Haben wir ein gutes Gefühl? Werden unsere Gefühle ernst genommen? Fühlen wir uns gesehen? Wenn das der Fall ist, kann auch ein Update-Gespräch eine wichtige Funktion erfüllen: Wir fühlen uns einander nah und verbunden.

Für Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil kann die Catch-up-Culture herausfordernd sein, sagt Alexandre Mueller. Die Distanz, die durch den unregelmäßigen Austausch und die fehlende Kommunikation zwischen den Updates entsteht, verstehen solche Menschen eher als beziehungsbedrohend.

"Wichtig ist, dass man bei solchen Treffen eine emotionale Validierung erfährt. Das heißt, dass nicht nur über die Fakten gesprochen wird, sondern dass Gefühle und Vulnerabilitäten validiert werden."

Alexandre Mueller, Psychotherapeut

Wenn wir die Catch-up-Culture als einen Austausch von Informationen sehen, gibt es die Möglichkeit, die gemeinsame Beziehung auf eine andere Ebene zu bringen, sagt Alexandre Mueller. Seine Tipps:

  • Sich selbst mehr offenbaren, auch verletzliche Seiten zeigen
  • Gemeinsam Dinge zu unternehmen, statt sich nur zum Reden zu treffen
  • Bestenfalls etwas unternehmen, was man vorher noch nicht gemacht hat, um eingespielte Muster zu vermeiden
"Ich denke, es ist wichtig, dass wir ein gemeinsames Erlebtes haben und dass es nicht nur um Gespräche geht."

Alexandre Mueller, Psychotherapeut

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