Nina wollte nur für ein Jahr ins Ausland gehen – nun bleibt sie erstmal auf Mallorca. Es hat gedauert, bis sie sich dort wirklich zuhause gefühlt hat. Eine psychologische Psychotherapeutin gibt Tipps, wie man Anschluss findet und Kontakte pflegt.**********Ihr hört: Gesprächspartnerin: Nina, ist ausgewandert, weil sie einem spontanen Urlaubsimpuls gefolgt ist Gesprächspartner: Andreas Genoni, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Fachbereich: Migration und Mobilität Gesprächspartnerin: Laura Nickel, psychologische Psychotherapeutin, ist vor rund drei Jahren nach Portugal gezogen Autorin und Host: Shalin Rogall Redaktion: Mo Lorenz, Sarah Brendel, Friederike Seeger, Anton Stanislawski Produktion: Philipp Adelmann**********Mehr zum Thema bei Deutschlandfunk Nova:Befragung zu räumlicher Mobilität – Auswandern als Gewinn – nicht als ScheiternAufgeben oder durchziehen: Wann sind wir bereit für einen Neustart?Neustart: Der September ist der bessere Januar**********Den Artikel zum Stück findet ihr hier.**********Ihr könnt uns auch auf diesen Kanälen folgen:
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Nina wollte nur für ein Jahr ins Ausland gehen – nun bleibt sie erstmal auf Mallorca. Es hat gedauert, bis sie sich dort wirklich zuhause gefühlt hat. Eine psychologische Psychotherapeutin gibt Tipps, wie man Anschluss findet und Kontakte pflegt.
Im Dezember 2022 hat Nina eine Woche Urlaub auf Mallorca gemacht. Sie erinnert sich noch genau daran, wie sie ihre Mutter vom Strand aus angerufen und gesagt hat: "Ich fühle mich so wohl hier und würde am liebsten sofort hierherziehen."
Sie flog dann zwar zurück nach Hause, aber schaute sich nach Jobs auf Mallorca um. Zwei Monate später bewarb sie sich auf einen Job, der genau ihrem Profil entsprach. Sie wurde eingestellt, und ihr Impuls, Hals über Kopf ins Ausland auszuwandern, wurde plötzlich zur Realität.
"Wenn ich in Deutschland bin, vermisse ich es total, hier zu sein. Also das Herz ist immer an zwei unterschiedlichen Orten."
Nina, ist nach Mallorca ausgewandert
Bevor es mit dem Job losging, hatte sie eine freie Woche auf Mallorca – das fühlte sich noch wie Urlaub an. Dann begann das wahre Leben: Anmeldungen, Dokumente, Wohnungs- und Freundessuche.
Wirklich anzukommen, klappt nicht von einem Tag auf den anderenRund ein Jahr nach dem Telefonat mit ihrer Mutter hat sie das erste Treffen mit ihrem jetzigen Freund. Circa anderthalb Jahre dauert es, bis sie eine Freundin findet, mit der sie sich so gut versteht, dass sie gemeinsam verreisen.
Der Moment, in dem sie wirklich das Gefühl hat angekommen zu sein, ist, als sie mit ihrem Freund eine gemeinsame Wohnung bezieht und die beiden ihren Kater adoptieren, erzählt Nina.
Ihre Familie und Freundinnen in der Heimat zurückzulassen, fällt Nina nicht immer leicht. Sie bedauert es, dass sie bei der Brautkleid-Suche ihrer besten Freundin nicht dabei sein kann und dass sie nur das Ergebnis als Whatsapp-Nachricht zu sehen bekommt. Nina konnte nicht für diesen besonderen Tag zu ihrer Freundin fliegen, weil gegen Ende des Jahres einfach viel in ihrem Job zu tun war. Aber die Hochzeit der besten Freundin hat sie sich natürlich nicht entgehen lassen.
"Man plant das die ganze Zeit und denkt: 'Voll cool.' Dann realisiert man: 'Ich habe immer noch dieselben Probleme und bin damit jetzt noch mehr alleine.'"
Nina, ist ausgewandert, weil sie einem spontanen Impuls gefolgt ist
So groß die Freude über ihren Neustart auf Mallorca war, so sehr hat sie neben Highlights auch schwierige Momente erlebt. Sie hat gemerkt, dass die belastenden Themen bleiben, auch wenn wir einen Ortswechsel vornehmen.
© privat
Nina ist glücklich über ihre Entscheidung nach Mallorca zu ziehenAndreas Genoni forscht zu Migration und Mobilität. Die meisten Menschen, die aus Deutschland ins Ausland auswandern, sind generell jung, häufig Männer und erst mal ohne Familie unterwegs, erklärt der Wissenschaftler. Eine Studie, an der er beteiligt war, ergab: Rund 58 Prozent der Befragten nannten berufliche Gründe. Hinzu kamen Motivationen, etwa einen bestimmten Lebensstil zu führen, Erfahrungen zu sammeln oder auch wegen des Klimas umzuziehen.
Lebenszufriedenheit steigt zunächst deutlichUnd das Auswandern hat einen nachweisbaren Effekt: Die Lebenszufriedenheit steigt deutlich an. Im Vergleich: Sie nimmt rund doppelt so stark zu wie bei Menschen, die innerhalb Deutschlands umziehen, und fast doppelt so stark wie bei Menschen, die zum ersten Mal Eltern werden.
"Wenn Menschen aus Deutschland auswandern, dann steigt ihre Lebenszufriedenheit zunächst deutlich an."
Andreas Genoni, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Allerdings nicht dauerhaft, denn die Zufriedenheit lässt nach zwei bis drei Jahren wieder nach, erklärt Andreas Genoni. Es gibt weitere Faktoren, die die Lebenszufriedenheit beeinflussen können. Dazu zählt, in welchem Land man lebt, ob die eigenen Qualifikationen dort anerkannt werden und wie viel Einfluss man auf die Entscheidung hatte, ins Ausland zu gehen.
In den Zwanzigern ereignet sich meist viel im Leben, sagt Nina, und sie bedauert es mitunter, dass sie nicht enger an der Seite ihrer Freundinnen und Freunde in Deutschland sein kann. Manche Ereignisse verpasst sie dadurch zwangsläufig.
"Ich würde behaupten, dass ich das mit meinen engsten Freundinnen und meiner Familie gut hinkriege, aber es ist schon Arbeit."
Nina, gibt sich Mühe, um den Kontakt zur Familie und Freunden in Deutschland zu pflegen
Laura Nickel ist psychologische Psychotherapeutin. Sie ist selbst vor rund drei Jahren nach Portugal ausgewandert. Um neue Kontakte zu knüpfen, empfiehlt sie, Mut zu fassen und aktiv auf andere zuzugehen. Eine Möglichkeit sei es zum Beispiel in einem Co-Working-Space zu arbeiten und andere dort auch um Rat bei organisatorischen Dingen zu fragen.
Es gibt auch Communities und Podcasts, die Expats helfen, im Ausland Fuß zu fassen, erklärt sie. Wir sollten uns auch zugestehen, dass mal etwas schiefläuft oder länger dauert, rät Laura Nickel.
"Mal mutig sein und in die Co-Working-Gruppe posten: 'Hey, ich bin gerade neu angekommen und meine Interessen sind das und das.' Das kann durchaus hilfreich sein, die Awkwardness in Kauf zu nehmen."
Laura Nickel, psychologische Psychotherapeutin, ist nach Portugal gezogen
Um den Kontakt zu Menschen in der Heimat zu halten, gibt es viele Möglichkeiten. Unter Umständen kann das auch unsere Wahl beeinflussen, in welches Land wir ziehen, um nicht zu weit weg zu sein. Immer wieder mal zu Events von Freunden und der Familie zu reisen, ist ein Teil der Kosten, die zum Auswandern dazugehören, sagt Laura Nickel.
Ein paar Tipps, die sie sonst noch gibt:
Wichtig findet Laura Nickel auch, sich immer mal wieder zu fragen: Möchte ich bleiben oder wie lange möchte ich noch bleiben? Das sollte man nicht als Versagen werten, sagt sie. Denn es können sich auch immer Dinge an der eigenen Lebenssituation oder an der von Familienmitgliedern oder Freunden verändern, die dann für einen erneuten Ortswechsel sprechen können.
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