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DIE NEUESTEN ENTWICKLUNGEN - Gescheiterte Investorenpläne der Fifa: SFV zieht Unterstützung für Infantino zurück

Дата публикации: 30-09-2026 16:01:01

Die Fifa wollte einen Teil ihrer kommerziellen Rechte an private Investoren abgeben. Anfang August hat der Verband das Vorhaben jedoch zurückgezogen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

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Die neuesten Entwicklungen

Gescheiterte Investorenpläne der Fifa: SFV zieht Unterstützung für Infantino zurück

Die Fifa wollte einen Teil ihrer kommerziellen Rechte an private Investoren abgeben. Anfang August hat der Verband das Vorhaben jedoch zurückgezogen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

30.09.2026, 18.01 Uhr

7 Leseminuten


Die Fifa hat einen Teil der kommerziellen Rechte an ihren Turnieren an private Investoren verkaufen wollen – daraufhin hat es Kritik gegeben.

Die Fifa hat einen Teil der kommerziellen Rechte an ihren Turnieren an private Investoren verkaufen wollen – daraufhin hat es Kritik gegeben.

Steven Senne / AP

Die neuesten Entwicklungen:
  • Der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) beschliesst, die im Juni 2026 erklärte Unterstützung für die Kandidatur von Gianni Infantino für eine weitere Amtszeit als Fifa-Präsident zurückzuziehen. Der Entscheid fiel in der Sitzung des Zentralvorstandes vom 25. September. Er folge auf eine umfassende Neubewertung der Entwicklungen der vergangenen Monate, teilte der SFV am Mittwoch (30. 9.) mit. «Aus Sicht des SFV werfen verschiedene Vorgänge grundlegende Fragen zu Führung, Governance, Transparenz und Entscheidungsprozessen innerhalb der Fifa auf», schreibt der SFV. «Dies betrifft insbesondere die Themen Regelklarheit und Wettbewerbsintegrität im Fall Balogun sowie die institutionelle Einbindung und Verantwortlichkeit im Zusammenhang mit Fifa Forward Enterprise.»
  • Der Weltverband Fifa wirft der europäischen Fussball-Union Uefa «Schikane», die «Verbreitung von Falschinformationen» und versuchte Einflussnahme vor der Präsidentschaftswahl vor. Das geht aus einer von der Fifa beim Bundesbezirksgericht in Miami eingereichten Stellungnahme hervor, wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag (29. 9.) berichtet. Der Weltverband versucht damit, einen Uefa-Antrag auf Herausgabe von Beweismitteln zu verhindern.
  • Die vier einflussreichsten Ligen Europas haben den Weltverband Fifa und Präsident Gianni Infantino in einer am Freitag (25. 9.) veröffentlichten Erklärung scharf attackiert: «Die langjährigen Grundlagen des Fussballs wurden in den vergangenen Jahren durch ein grundlegendes Führungsproblem bedroht, da der Fifa-Präsident ausbeuterische Ideen aktiv gefördert hat, anstatt sie zu verhindern», hiess es von der Bundesliga, La Liga, der Serie A und der Premier League.
  • Gianni Infantino gesteht Fehler ein und zeigt sich erstmals für Gespräche bereit. Der Fifa-Chef hat am Montag (21. 9.) auf die Kritik an seinem Führungsstil reagiert. Er hat sich in einem Brief an die 211 nationalen Mitgliedsverbände sowie die Mitglieder im Fifa-Rat gewandt. In epischer Breite beschwört der Schweizer die Einheit des Fussballs. Ebenfalls räumt Infantino Fehler und Missverständnisse beim geplanten und geplatzten Investoren-Deal für die WM-Rechte ein, der aus seiner Sicht jedoch moralisch und juristisch korrekt war. Infantino hat nun einen Wandel der Führungsstrukturen bis ins Präsidentenamt angekündigt. An seiner Kandidatur für eine vierte Amtszeit hält er weiterhin fest.
  • Frankreichs Fussballverband FFF entzieht dem massiv unter Druck stehenden Fifa-Chef Gianni Infantino das Vertrauen im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im März 2027. Das habe der Exekutivausschuss des Verbands auf Antrag seines Präsidenten Philippe Diallo einstimmig beschlossen, teilte der FFF in Paris am Donnerstag (10. 9.) mit. Zwar sei dem Fifa-Präsidenten Infantino, der bisher noch keinen Gegenkandidaten hat, ursprünglich Unterstützung zugesagt worden, doch seien diese Voraussetzungen nun nicht mehr gegeben. Als Grund nannte der FFF Infantinos mittlerweile zurückgenommene Pläne zur Einbindung von Investoren für zukünftige WM-Geschäfte. Die Initiative habe dem Ansehen und der Einheit des Fussballs schweren Schaden zugefügt.
  • Mehr als 100 000 Personen haben eine Beschwerde unterzeichnet. Sie fordern, dass die Fifa wegen angeblicher Verstösse gegen den Ethikkodex des Weltfussballverband gegen Infantino ermittelt. Die Beschwerde wurde von der Menschenrechtsorganisation Fair Square eingereicht. Zu den Vorwürfen zählen Machtmissbrauch, Verletzung der politischen Neutralität und Verstoss gegen Treuepflichten im Bestreben, «sich beim US-Präsidenten einzuschmeicheln».
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InhaltsverzeichnisWarum hat die Fifa die Investorenpläne zurückgezogen?

Der Weltfussballverband Fifa hat am Samstag (1. 8.) bekanntgegeben, das Projekt zum Verkauf kommerzieller Rechte von Fussballturnieren an private Investoren werde «nicht weiterverfolgt». Die Pläne hätten die Fifa-Mitgliedsverbände und den Fussball stärken sollen, das Projekt habe jedoch «zur Spaltung geführt», heisst es in der Mitteilung, die im Namen des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino veröffentlicht wurde.

Statement attributable to the FIFA President

The FIFA Forward Enterprise project was intended to provide a basis for further strengthening our FIFA Member Associations and our sport worldwide, especially in those countries where support is most needed. And more so, as we said…

— FIFA Media (@fifamedia) July 31, 2026

Die Absage der Fifa kam überraschend schnell. Einige Stunden zuvor hatte Infantino noch verlauten lassen, er wolle das Projekt weiterführen. In einer Mitteilung vom Freitag (31. 7.) nahm die Fifa die Rückmeldungen und Bedenken der Kontinentalverbände zwar «zur Kenntnis». Gleichzeitig bekräftigte der Weltverband sein Bekenntnis «zu einem offenen und demokratischen Konsultationsprozess». Die Fifa kritisierte in der Mitteilung unter anderem die Medien; der geplante Konsultationsprozess sei durch «fehlerhafte Berichte» beeinträchtigt worden. «Niemand verkauft den Fussball. Dies käme für die Fifa niemals infrage.»

Das Vorhaben der Fifa stiess jedoch seit Bekanntmachung auf breite Kritik. Der europäische Fussballverband Uefa, der asiatische Dachverband (AFC) sowie jener von Nord- und Mittelamerika (Concacaf) lehnten den Vorschlag ab. Auch Mitarbeiter aus dem Umfeld von Infantino äusserten Kritik.

Die Investorenpläne haben dazu geführt, dass das Vertrauen in Infantino gelitten hat und seine Wiederwahl gefährdet sein könnte. Nach dem Rückzug seitens der Fifa teilte die Uefa mit, man begrüsse die Entscheidung. Gleichzeitig hiess es in der Mitteilung: «Wir müssen die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.»

Was plante die Fifa?

Der Fifa-Präsident Gianni Infantino wollte einen Teil der kommerziellen Rechte an Turnieren an private Investoren verkaufen. Zu diesem Zweck sollte die neue Firma Fifa Forward Enterprise gegründet werden. Mit dem Tochterunternehmen wären sämtliche wichtigen Geschäfte über alle Fifa-Wettbewerbe hinweg gebündelt worden; von den Übertragungs- und Sponsoringrechten über das Ticketing bis hin zur Lizenzierung. Der Wert des neuen Tochterunternehmens hätte rund 20 Milliarden Dollar betragen.

Die Fifa wäre zwar Mehrheitsbesitzerin der neuen Firma gewesen, aber 20 bis 30 Prozent der Anteile hätten an private Geldgeber veräussert werden sollen. Infantino versicherte, dass die Investoren keinen Einfluss auf Turnierformate, Kalender oder Spielregeln haben würden. Jedem der 211 Mitgliedsverbände wollte Infantino bei einer Zustimmung im Januar 40 Millionen Dollar auszahlen.

Joshua Kushner, der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, wäre mit seiner Investmentgesellschaft Thrive Capital federführend gewesen. Kushner sollte unter anderem mithilfe der amerikanischen Bank JP Morgan Investoren für die Minderheitsbeteiligung von 4,2 Milliarden Dollar zusammenbringen.

Gehört zur erweiterten Familie von US-Präsident Donald Trump: Joshua Kushner hätte eine Schlüsselrolle beim Fifa-Plan gespielt.

Gehört zur erweiterten Familie von US-Präsident Donald Trump: Joshua Kushner hätte eine Schlüsselrolle beim Fifa-Plan gespielt.

James Devaney / Getty

Welche Konsequenzen hat der Fall für Gianni Infantino?

Im März 2027 will sich Infantino für eine dritte und statuarisch letzte Amtszeit als Präsident wählen lassen. Darüber entscheiden wird der Fifa-Kongress. Wahlberechtigt sind die 211 Mitgliedsverbände. Im ersten Wahlgang ist eine Zweidrittelmehrheit von 141 Stimmen erforderlich, ab dem zweiten genügt die einfache Mehrheit von 106 Stimmen.

Nach der heftigen Kritik und dem Rückzug der Investorenpläne stellt sich die Frage, ob Infantino noch über genügend Rückhalt verfügt. Besonders die Uefa macht Druck. Die derzeitige Fifa-Führung habe «nicht nur das Vertrauen der Uefa, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fussballfamilie verloren». Der Fussballverband Wales will als erster einzelner Verband die Wiederwahl Infantinos nicht unterstützen, wie Sky News in England berichtete.

Bisher haben einzig die einzelnen Fussballverbände von Wales und Frankreich öffentlich ihre Unterstützung für die von Gianni Infantino beabsichtigte Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten im kommenden Jahr entzogen. Ein möglicher Gegenkandidat von Infantino hat sich bislang noch nicht in Stellung gebracht. Das Zeitfenster für eine offizielle Kandidatur endet im November.

Die Uefa droht dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino zudem mit rechtlichen Schritten vor Schweizer Gerichten. Dafür wurden Ende August bei amerikanischen Gerichten Informationen über die geplanten Geschäfte angefragt. Der Fussball-Weltverband Fifa wirft dem europäischen Kontinentalverband Uefa vor, mit diesem Vorgehen eine «Verleumdungskampagne» gegen ihn und seine Führung voranzutreiben. Die Fifa will nun Teil des Verfahrens werden und erwirken, dass die Entscheidung über den Uefa-Antrag verzögert wird.

Sichert sich Gianni Infantino Macht und Einfluss weit über seine Amtszeit hinaus? Bei einer Zustimmung zu seinen Plänen wird er CEO der neu gegründeten Tochtergesellschaft FFE.

Sichert sich Gianni Infantino Macht und Einfluss weit über seine Amtszeit hinaus? Bei einer Zustimmung zu seinen Plänen wird er CEO der neu gegründeten Tochtergesellschaft FFE.

Chris Brunskill / Getty

Wer äusserte Kritik an den Investorenplänen?

Der Widerstand gegen die Pläne von Gianni Infantino war gross. Besonders aus dem Fussball-Mutterkontinent Europa gab es Kritik. Sie reichte von der EU-Kommission über Staatsoberhäupter bis zu Klubmanagern wie Bayern Münchens Max Eberl.

Auch die Uefa stellte sich gegen den geplanten Investorendeal. Nach einer Dringlichkeitssitzung verkündete sie Ende Juli, dass alle 55 Mitgliedsnationen bis auf weiteres alle Wettbewerbe der Fifa boykottieren würden. Auch der Schweizerische Fussballverband (SFV) gehört zu den Mitgliedsnationen der Uefa. Der Boykott gelte, solange die Pläne der Fifa im Raum stünden. Ein solcher Boykott hätte zur Folge gehabt, dass die Weltmeisterschaft künftig ohne europäische Teams stattgefunden hätte. In der Abwesenheit grosser Fussballländer wie Spanien, England, Frankreich oder Deutschland hätte die WM ihren sportlichen Wert komplett eingebüsst.

Die Boykott-Drohung seitens Uefa wurde inzwischen offenbar zurückgezogen. Das berichteten der britische Sender Sky News und «The Times» Ende August. Die WM der U-20-Juniorinnen in Polen, die am 5. September begonnen hat, findet mit den Teams aus Europa statt. Laut den Berichten wird über einen Protest gegen den umstrittenen Führungsstil Infantinos aber weiter diskutiert.

Der Concacaf, der Dachverband von Nord- und Mittelamerika, lehnte die verkündeten Investorenpläne geschlossen ab. Der Widerstand wurde zudem von der asiatischen Fussball-Konföderation (AFC) unterstützt.

Infantino erfuhr ausserdem Widerstand aus den eigenen Reihen. Sein hochrangiger Berater Carlos Cordeiro trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück. Er vertrat den Fussball-Weltverband zuletzt in der Task-Force des Weissen Hauses zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. «Als leitender Berater des Fifa-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fussballfan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht», schrieb er.

Auch Kevin Lamour, Betriebsdirektor der Fifa, äusserte Ende Juli nach Bekanntwerden der Investorenpläne Kritik. Er warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Sie hätten Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung, hiess es in einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Mitte August hat sich der Weltfussballverband von Lamour getrennt. Zu den Gründen für das Ende der Zusammenarbeit nannte der Fifa-Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur keine Details.

Eine WM ohne den Weltmeister? Bei einem Boykott der Uefa würde Spanien nicht am kommenden Turnier teilnehmen.

Eine WM ohne den Weltmeister? Bei einem Boykott der Uefa würde Spanien nicht am kommenden Turnier teilnehmen.

Ronald Wittek / EPA

Warum lehnte die Uefa Infantinos Pläne rundum ab?

Die Uefa kritisierte, dass die WM kein «Anlageprodukt» sei und der Fussball nicht verkauft werden dürfe. Sie rückte auch Infantinos Verbindung zu Donald Trump in den Fokus. «Die Fifa kann unseren Sport nicht weiter dazu benutzen, sich und ihre Freunde zu bereichern.»

Doch die Kritik der Uefa dürfte nicht auf reiner Sorge um den Fussball beruhen. Die Fifa pushte ihre eigenen Wettbewerbe in letzter Zeit stark. Die Weltmeisterschaft wurde auf 48 Teams ausgeweitet, die Klub-Weltmeisterschaft in ein vierwöchiges Sommer-Grossturnier umgewandelt. Je stärker die Fifa ihre eigenen Formate ausbaut, desto mehr geraten die Uefa und ihr Premiumprodukt, die Champions League, unter Druck. Uefa und Fifa streiten sich dadurch um die Verteilung der weltweiten Sponsoren- und TV-Einnahmen. So geht es im Machtkampf der beiden Verbände am Ende vor allem um viel Geld.

Ziemlich beste Freunde: Donald Trump und Gianni Infantino. Ihre enge Verbindung stört die Uefa.

Ziemlich beste Freunde: Donald Trump und Gianni Infantino. Ihre enge Verbindung stört die Uefa.

Carl Recine / Getty

Mit Agenturmaterial

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