Rekordhohe Sprit- und Energiepreise haben die Inflationsrate in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit Ende 2023 getrieben. Firmen reichen die gestiegenen Energiepreise an Kunden weiter.
Rekordhohe Sprit- und Energiepreise haben die Inflationsrate in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit Ende 2023 getrieben. Firmen reichen die gestiegenen Energiepreise an Kunden weiter.
30.09.2026, 09.14 Uhr
Inflationsrate steigt weiter: Nicht nur die Heizölpreise sind kräftig gestiegen. Auch für Strom und Lebensmittel müssen Verbraucher deutlich mehr bezahlen als vor einem Jahr.
Foto: Rolf Poss / IMAGORekordpreise an den Tankstellen haben das Leben in Deutschland im September so stark verteuert wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Getrieben von teurer Energie kletterte die Inflationsrate auf 3,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen am Mittwoch mitteilte. Stärker waren die Verbraucherpreise hierzulande zuletzt im Dezember 2023 mit damals 3,7 Prozent gestiegen. Von August auf September des laufenden Jahres erhöhten sich die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent.
Angesichts des schwelenden Irankriegs und des Vorrückens der Huthi-Miliz im Jemen an der Meerenge von Bab al-Mandab gab es zuletzt neue Sorgen um die globale Ölversorgung. Der Preis für Brent-Öl stieg zeitweise deutlich über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter), an den Tankstellen in Deutschland kletterten die Preise für E10 und Diesel auf Höchststände.
Insgesamt mussten die Menschen in Deutschland im September für Kraftstoffe und Haushaltsenergie 14,9 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor, wie die Berechnungen der Statistiker ergaben. Damit beschleunigte sich der Preisauftrieb nach schon starken Anstiegen in den Vormonaten.
Nahrungsmittel waren dagegen nur 0,4 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, wobei hier der Preisauftrieb wieder leicht anzog.
Dienstleistungen, darunter Pauschalreisen und Restaurantbesuche, verteuerten sich um 2,7 Prozent und damit nochmals geringer als in den Vormonaten.
Unternehmen dürften höhere Energiepreise weitergebenSeit Beginn des Irankriegs Ende Februar treibt teure Energie, darunter auch Heizöl, die Inflation maßgeblich nach oben. Im August lag die allgemeine Teuerungsrate in Deutschland bereits bei 2,9 Prozent.
Je länger die Energiepreise hoch sind, umso größer das Risiko, dass auch andere Preise steigen, weil etwa Transport und Kühlung von Lebensmitteln teurer werden. Und die Importpreise, die zeitverzögert die Verbraucherpreise beeinflussen, stiegen im August mit gut 8 Prozent so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr. Auch die Folgen von Hitze und Trockenheit, die die Ernte schmälern oder wie das Niedrigwasser im Rhein Lieferungen verteuern, treiben die Preise.
Das Ifo-Institut erwartet, dass Unternehmen die höheren Energiepreise zunehmend an Kunden weitergeben. „Sprit und Heizöl haben sich bereits spürbar verteuert, im Winter dürften die Energieversorger die Preise für Strom und Gas anheben“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Die Bundesregierung will nun Autofahrer abermals entlasten. Vom 1. Oktober an bis zum Jahresende gilt erneut ein Tankrabatt, mit dem die Steuern auf Sprit um rund 17 Cent je Liter sinken. Das dürfte die Inflation bis Jahresende dämpfen, so wie beim vorherigen Tankrabatt, der im Mai und Juni galt. Allerdings stiegen die Spritpreise wieder, nachdem der erste Tankrabatt ausgelaufen war.
Mittelfristig dürfte die Inflation in Deutschland erhöht bleiben. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen damit, dass die Teuerung von 2,8 Prozent in diesem Jahr auf 3,2 Prozent 2027 steigen wird.
Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bethmann Hal sieht erst einmal keine Besserung ist in Sicht, „da der Irankrieg so bald nicht beendet sein dürfte. Der Tankrabatt wird zwar entlasten, das Inflationsbild aber nicht auf den Kopf stellen. Entfällt der Tankrabatt, geht es mit der Inflationsrate wieder eine Etage höher. Letztlich verbleibt die Inflationsrate länger deutlich über dem Zwei-Prozent-Preisziel der EZB. Durch Hitzenachwirkungen bei Produktion und Nahrungsmitteln bestehen Aufwärtsrisiken. Die deutsche Vorgabe hält die EZB in der Spur zu einer weiteren Zinsanhebung.“
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank sagt der Tankrabatt dürfte die Teuerungsrate im Oktober wieder unter 3 Prozent drücken. „Aber die Inflation ohne die stark schwankenden Energiepreise wird in den kommenden Monaten wohl nach oben driften, weil die Unternehmen die gestiegenen Energiepreise an ihre Kunden weitergeben. Die Inflation verfestigt sich. Die EZB wird ihre Leitzinsen weiter anheben müssen.“
Für den Euroraum erwartet die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls, dass die Inflation für längere Zeit deutlich über der Zielmarke der Notenbank von 2 Prozent bleiben wird. Bei diesem Wert sieht die EZB ihr oberstes Ziel gewahrt: Für einen stabilen Euro zu sorgen und die Kaufkraft der Menschen zu erhalten.
Wegen des Aufwärtstrends bei der Inflation gehen Ökonomen davon aus, dass die EZB den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins dieses Jahr noch ein drittes Mal auf dann 2,75 Prozent anheben wird.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Zugleich sind steigende Zinsen eine Belastung für alle, die investieren wollen – von Privathaushalten bis Unternehmen. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann das die Konjunktur abwürgen.
la,mje/dpa-afx, Reuters
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