„Berlin-Vibes“ mitten im Saarland: Besucher lobten die Lichtinstallationen in Reden. Die Steiger Gallery will den früheren Industriestandort neu beleben. Und: Besucher sollen die Zukunft des Wassergartens mitbestimmen.
„Berlin-Vibes“ mitten im Saarland: Besucher lobten die Lichtinstallationen in Reden. Die Steiger Gallery will den früheren Industriestandort neu beleben. Und: Besucher sollen die Zukunft des Wassergartens mitbestimmen.
28.09.2026 , 17:00 Uhr
Wo einst Kohle gefördert wurde, entsteht ein neuer Raum für Kunst und Begegnung: Die Steiger Gallery Im Landkreis Neunkirchen feierte am Wochenende ihre Eröffnung und lockte Tausende Gäste in den Erlebnisort Reden. Laut den kreativen Köpfen hinter der Steiger Gallery verbindet sie die Geschichte des Wassergartens mit zeitgenössischer Kunst und eröffnet neue Perspektiven auf einen Ort im Wandel.
Von Freitag bis Sonntag konnten die unterschiedlichen Kunstinstallationen rund um die Wassergärten kostenlos bewundert werden. Die Steiger Gallery ist ein Projekt der Industriekultur Saar. Finanziert wird es durch das Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes und die Staatskanzlei des Saarlandes. Realisiert wird das Projekt gemeinsam mit dem Zweckverband Erlebnisort Reden, der K8 Institut für strategische Ästhetik, dem Verein Prospektiv sowie der Saaris – Saarland Innovation und Standort GmbH, Abteilung Kreativwirtschaft/Dock 11.
„Hier herrscht eine chillige Atmosphäre und es freut mich, dass so viele Menschen zur Eröffnung gekommen sind. Als Bergmannstochter weiß ich: Industrielle Orte sind Teil unserer Identität und verdienen es, auch für kommende Generationen lebendig zu bleiben“, betonte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot in ihrer Eröffnungsrede am Freitag.
Das Kesselhaus im Zentrum der Gallery wurde zu einer Bühne umfunktioniert, die von Liegestühlen und anderen Sitzgelegenheiten eingerahmt wurde und so Platz für viele verschiedene künstlerische Performances bot. Sobald die Sonne unterging, wurden durch eindrucksvolle Lichtinstallationen das Kesselhaus und einige andere Orte zu mystischen Plätzen, die zum Verweilen einluden – begleitet von atmosphärischen Klängen durch verschiedene DJs und Performance-KünstlerInnen und leckerem Essen durch verschiedene Street-Food-Stände.
Auf dem Weg in die große Werkstatt begegnete man märchenhaften Walking Acts, einem Wanderzirkus und allerlei Projekten zum Mitmachen. Die Große Werkstatt war der Indoor-Bereich der Veranstaltung und Raum für den kuratierten Creator & Maker Market. Mehr als 30 Aussteller präsentierten ihre handgefertigten, eigenständig entwickelten und hochwertigen Produkte sowie außergewöhnliche gestalterische Ansätze aus der Design- und Kreativszene.
Ein weiteres Highlight erwartete die Besucher dann in den stillgelegten Wassergärten, wo beeindruckende Malereien und Installationen neue Akzente setzten. Eine riesige, künstliche Sonne beleuchtete die Kulisse. „Uns gefällt es richtig gut, es hätte sogar noch mehr Kunst sein können für unseren Geschmack. Tolle Atmosphäre, vor allem wenn es dunkel wird durch die Lichtinstallationen, die uns ein bisschen Berlin-Vibes geben“, erzählte Besucherin Victoria Ohlmann-Kraß.
Auch die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, stieß bei ihr und ihrem Mann auf Begeisterung. Denn für die dauerhafte künstlerische Bespielung des Wassergartens Reden hat die Steiger Gallery einen offenen „Call for Concept“ ausgeschrieben. Kunstschaffende weltweit waren eingeladen, künstlerische Konzepte für den Standort einzureichen. Die Resonanz war groß: 192 Vorschläge gingen ein, von Künstlerinnen und Künstlern aus 28 Ländern und allen sechs bewohnten Kontinenten.
Diese künstlerischen Ideen wurden in einem Info-Container vorgestellt. Hier kann man noch bis zum 25. Oktober seine Stimme abgeben. Das Publikumsvotum fließt direkt in die weitere Auswahl und mögliche Zukunft des Wassergartens ein. Am Samstag wurde laut Veranstalter die höchste Besucherzahl gemessen, bei der bestimmt auch das tolle spätsommerliche Wetter mitgespielt hat.
Am Sonntag stand der Tag dann im Zeichen regionaler Akteure der Breitenkultur. Eine Musical-Performance des Theatervereins Spieltrieb sowie Konzerte der Spielgemeinschaft der Musikvereine Merchweiler und Hüttigweiler und des Musikvereins Harmonie Schiffweiler standen auf dem Programm. Sie alle wurden aktiv in die Gestaltung des Programms eingebunden und machten die kulturelle Vielfalt der Region erlebbar.
Weiterhin konnte man sich kostenlosen Führungen durch die Gallery anschließen, um mehr über die Künstlerinnen und Künstler und ihre Projekte innerhalb des Wassergartens zu erfahren. „Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Wochenende und schätzen, dass etwa 7000 Menschen die Veranstaltung besucht haben. Vor allem freuen wir uns, dass am Samstag auch viele junge Menschen gekommen sind, was eine Erschließung einer neuen Zielgruppe ist“, zieht der Standort-Manger des Zweckverbandes Reden, Eric Schneider, sein Resümee.
„Es ist zwar echt schade, dass das Wasser abgestellt wurde, aber diese tollen Kunstwerke trösten einen darüber hinweg. Ist wirklich toll hier!“, so eine begeisterte Besucherin auf dem Weg durch die Wassergärten. Auch Initiatorin Kathrin Lambert vom Verein Prospektiv freut sich über das erfolgreiche Eröffnungswochenende: „Wir freuen uns sehr, dass wir so ein breites Publikum erreichen konnten und haben wirklich tolles Feedback bekommen von den Besuchern. Und wir hoffen, dass die Politik auch sieht, dass solche Genre-übergreifende, experimentelle und junge Formate auch an solchen Orten mit einer bedeutenden Geschichte funktionieren und dass dieser Transformationsprozess dadurch vorangetrieben wird.“ Das Kulturwochenende war dabei erst der Anfang, denn jetzt beginnt die anschließende vierwöchige Pilotphase. Bis zum 25. Oktober lädt sie dazu ein, den Wassergarten neu zu entdecken – als Ort zwischen Industriegeschichte, Natur, Kunst und Zukunft. (jpu/jen)