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Zeitumstellung: Darum wäre die "ewige Sommerzeit" fatal

Дата публикации: 27-09-2026 06:00:00

Am 25. Oktober werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag einmal wieder die Uhren umgestellt. Viele fordern das Aus der Zeitumstellung. Dies könnte aber schädlich sein - und es gäbe auch technische Herausforderungen.

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Zweimal im Jahr wird in Deutsch­land, aber auch in anderen EU-Ländern, über Sinn und Unsinn einer Maßnahme heftig disku­tiert: Am Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren wieder auf Winter- oder Normal­zeit gestellt. Das bedeutet, dass die Zeit eine Stunde zurück­gestellt wird, von 3 auf 2 Uhr. Abends wird es dann eine Stunde früher dunkel, während morgens früher die Sonne aufgeht.

Warum stellen wir über­haupt die Uhren um?

Die Umstel­lung von der Winter­zeit, die eigent­lich die "Normal­zeit" ist, auf die Sommer­zeit wurde in Deutsch­land erstmals während des Ersten Welt­krieges einge­führt. Schon damals lautete die Begrün­dung: "Ener­giesparen". Nach Kriegs­ende wurde die Zeit­umstel­lung abge­schafft, im Zweiten Welt­krieg dann erneut einge­führt und 1949 wieder abge­schafft. 1980 wurde die Zeit­umstel­lung dann ein letztes Mal einge­führt – eben­falls aus Ener­giespar­gründen. Und dieser Zustand gilt bis heute. Man wollte das Tages­licht besser nutzen, im Sommer kann die Beleuch­tung in Wohn­räumen länger aus bleiben. Ein Wegfall der Zeitumstellung könnte fatal sein Ein Wegfall der Zeitumstellung könnte fatal sein
Foto: Elisa Schau/dpa
Ob Haus­halte durch die Umstel­lung auf Sommer­zeit tatsäch­lich Energie sparen können, ist aller­dings umstritten. Studien zeigen, dass Haus­halte im Frühling und Sommer zwar weniger Strom für Licht verbrau­chen, dafür läuft aber im Frühling und Herbst morgens die Heizung länger.

Warum wurde die Zeit­umstel­lung nicht längst abge­schafft?

Eigent­lich sollte die Zeit­umstel­lung längst in den Geschichts­büchern sein. Schon im Jahr 2019 stimmte das EU-Parla­ment dem Vorschlag der EU-Kommis­sion zu, die saiso­nale Umstel­lung bis 2021 abzu­schaffen. Eine EU-weite Online-Umfrage im Jahr 2018 ergab zuvor eine über­wälti­gende Mehrheit (über 80 Prozent) für die Abschaf­fung der Zeit­umstel­lung, wurde jedoch nicht als recht­lich bindendes Refe­rendum, sondern als Stim­mungs­bild gewertet. Beson­ders hier­zulande ist die Zeit­umstel­lung ein kontro­vers disku­tiertes Thema: rund 3 Millionen der insge­samt 4,6 Millionen Teil­nehmer der Umfrage kamen aus Deutsch­land.

Seither liegt der Ball bei den EU-Mitglied­staaten. Sie müssen entscheiden, ob sie die saiso­nale Zeit­umstel­lung abschaffen wollen und ob sie eine dauer­hafte Sommer­zeit oder dauer­hafte Normal­zeit wollen. Eine EU-weite Einigung gibt es aber bisher nicht. Mögli­cher­weise gibt es nun Allein­gänge: Italien unter­nimmt seit Ende 2025 konkrete Schritte, um die halb­jähr­liche Zeit­umstel­lung abzu­schaffen und dauer­haft die Sommer­zeit (ora legale) einzu­führen.

Was würde die ständige Sommer­zeit bedeuten?

Auch eine Mehrheit der Deut­schen (55 Prozent) ist laut einer Umfrage der DAK für eine ständige Sommer­zeit. Nur 37 Prozent würden die Winter­zeit – also die Normal­zeit – dauer­haft beibe­halten wollen.

Eine ständige Sommer­zeit würde im Winter dafür sorgen, dass es abends länger hell bleibt. Das würde beispiels­weise Frei­zeit­sportler freuen: Wer etwa bis 16.30 Uhr arbeitet, kann dann selbst Ende Dezember noch eine Stunde in Hellig­keit draußen Sport treiben. Und Gastro­nomen dürften auch erfreut sein: Bei milden Tempe­raturen und viel Sonne, was es etwa im November oder März immer öfter gibt, würden viele nochmal nach der Arbeit einen Bier­garten aufsu­chen.

Die Kehr­seite der Medaille: An vielen Tagen im Dezember und Januar würde es erst ab 9 Uhr hell werden, was vor allem für all jene Menschen ein Problem wäre, die vorher aufstehen müssen, etwa für Schule oder Arbeit. Solange es draußen noch dunkel ist, produ­ziert der Körper das Schlaf­hormon Mela­tonin. Dieses macht uns müde. Erst bei ausrei­chendem Sonnen­licht redu­ziert der Körper die Mela­tonin-Produk­tion. Das bedeutet: Bei dauer­hafter Sommer­zeit gehen wir ins Bett, obwohl wir noch gar nicht müde sind, stehen aber umge­kehrt auf, obwohl wir noch gar nicht ausge­schlafen sind.

Daher sind Versuche, eine ewige Sommer­zeit einzu­führen, bereits geschei­tert, beispiels­weise von 2011 bis 2014 in Russland: Depres­sionen haben zuge­nommen, viele waren aufgrund der Müdig­keit unkon­zentriert oder schlecht gelaunt und auch die Unfall­rate ist gestiegen. Seither gilt dort die dauer­hafte "Normal­zeit".

Was würde die ständige Normal­zeit bedeuten?

Die Sommer­zeit stimmt also nicht mit dem natür­lichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers überein. Dieser richtet sich nach der Sonne und nicht nach der Uhrzeit. Die Deutsche Gesell­schaft für Schlaf­forschung und Schlaf­medizin spricht sich daher für eine dauer­hafte Winter­zeit, also die Normal­zeit, aus.

Die Nach­teile dieser Regelung sind - neben dem dann wegfal­lenden Ener­giespar­effekt (wenn es ihn gibt) - eher im wirt­schaft­lichen Sektor zu suchen. Ende Juni wird es in einigen Regionen Deutsch­lands dann schon vor 4 Uhr hell. Die meisten dürften da noch schlafen, ihnen bringt also die frühe Hellig­keit nichts. Dafür geht im Spät­sommer die Sonne schon ab 18 Uhr unter und im Frühling/Herbst gar schon ab 17 Uhr. Frei­zeit­akti­vitäten wie der Besuch im Bier­garten nach der Arbeit oder ein Spazier­gang zum Shopping in die Fußgän­gerzone fallen also mögli­cher­weise aus, da es schnell zu kalt und dunkel wird.

An ganz heißen Sommer­tagen, die wir im vergangenen Sommer ja häufig erlebt hatten, profi­tieren viele derzeit noch von der Sommer­zeit: Da es etwa um 9 Uhr noch erträg­liche Tempe­raturen gibt, treiben viele noch draußen Sport oder nutzen die Gelegenheit zur Garten­arbeit oder andere Aktivitäten im Freien. Bei dauer­hafter Normal­zeit könnte es den meisten um die gleiche Uhrzeit schon zu heiß dafür sein, man müsste also früher aufstehen, was mit Sicherheit nicht jedermanns Fall ist.

Letztlich gibt es also durchaus Gründe, die Zeit­umstel­lung abzu­schaffen, aber auch ebenso welche, sie dauer­haft beizu­behalten.

Was bedeutet eine Beibe­haltung oder Abschaf­fung der Sommer­zeit für tech­nische Geräte?

Ein oft über­sehener Aspekt sind die Auswir­kungen der Zeit­umstel­lung auf tech­nische Systeme. Dabei gibt es jeweils Vor- und Nach­teile, egal, ob die Zeit­umstel­lung beibe­halten wird oder nicht. Aktuell müssen viele tech­nische Geräte noch manuell umge­stellt werden - von der simplen Armbanduhr oder der Digi­taluhr an Haus­geräten bis zu vielen sicher­heits­rele­vanten Geräten wie Alarm­anlagen, Zeit­erfas­sungs­systeme, Schließ­systeme oder Video­über­wachungen, die oft zeit­gesteuert sind. Wenn diese Systeme nicht korrekt synchro­nisiert werden, kann es zu Fehl­funk­tionen oder Sicher­heits­lücken kommen. Die Zeitumstellung ist für viele technische Geräte eine Herausforderung Die Zeitumstellung ist für viele technische Geräte eine Herausforderung
Foto: teltarif.de
Umge­kehrt sind viele tech­nische Geräte derzeit auf die Zeit­umstel­lung vorbe­reitet. Windows-PCs etwa stellen die Uhrzeit bei akti­vierter Option auto­matisch auf Sommer- oder Winter­zeit um. Auch bei vielen anderen modernen Gadgets wie Smart­phones oder Digi­talra­dios geschieht die Zeit­umstel­lung voll­auto­matisch. Die meisten Smart­phones beziehen die Uhrzeit auto­matisch von Zeit­servern im Internet. Während sie offline sind, läuft die zuletzt geladene Uhrzeit in der lokalen Uhr weiter.

Würde die Zeit­umstel­lung abge­schafft, könnte es Geräte geben, die ein Problem bekommen, da die Firm- oder Software von der Zeit­umstel­lung ausgeht und so program­miert ist. Ohne entspre­chende Updates oder - sofern über­haupt möglich - manuelle Konfi­gura­tion würde weiter wie bisher die Sommer- und Winter­zeit ange­zeigt, obwohl es die Zeit­umstel­lung dann gar nicht mehr gibt.

Noch chao­tischer sähe die Lage aus, wenn in Europa ein Land die dauer­hafte Sommer­zeit einführt, der Nachbar die dauer­hafte Winter­zeit und wiederum andere die Zeit­umstel­lung in bishe­riger Form beibe­halten würden. Ein solcher Flicken­teppich würde Branchen wie die Luft­fahrt, den Schie­nenver­kehr und die Logistik vor große Heraus­forde­rungen stellen, da verläss­liche, grenz­über­schrei­tende Flug- und Fahr­pläne erschwert werden.

Auch interessant: So stellen sich Handys auf die Sommer­zeit um.

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