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In eigener Sache: Warum ich das Wettrüsten mit Adblockern beende, denn die Verlierer sind leider die Leser

Дата публикации: 26-09-2026 06:01:56

Wer auf igor’sLAB seinen Adblocker heute wieder aktiviert, dürfte nach einigen Wochen eine kleine Überraschung erleben, denn er funktioniert wieder. Die Banner verschwinden und ich werde vorerst nichts dagegen unternehmen. Dahinter steckt weder ein technischer Rückzug noch das Eingeständnis, dass ich den inzwischen erstaunlich aufwendigen Kleinkrieg zwischen Filterlisten und meinen Gegenmaßnahmen nicht mehr hätte gewinnen können. Eher ist das Gegenteil der Fall.

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📖 Lesezeit: ca. 25 Minuten · 4.823 Wörter · 34.881 Zeichen

Inhaltsübersicht als Kurzfassung

Der Artikel beschreibt das Ende des technischen Wettrüstens zwischen igor’sLAB und Werbe- beziehungsweise Inhaltsfiltern. Obwohl die Gegenmaßnahmen technisch weiter funktioniert hätten, beendet der Betreiber den Anti-Adblocker, weil zunehmend nicht nur Banner, sondern auch redaktionelle und funktionale Bestandteile der Seite betroffen waren. Künftig sollen Leser die Seite auch mit aktiviertem Blocker nutzen können; eine Adblock-Wall oder gesperrte Artikel sind nicht geplant.

Wichtigste Fakten
Aspekt Konkrete Angabe Einordnung
Eigene Filterregeln Fast 700 individuelle Regeln, Änderungen und Varianten Der Konflikt umfasste weit mehr als einzelne Banner
Anteil der direkten Such- und Rückverweise Mehr als 70 Prozent aus KI-Angeboten Eigene Auswertung von Referrer- und Reichweitendaten, keine allgemeine Internetaussage
Dauer der beschriebenen Eskalation Fast 8 Wochen In diesem Zeitraum wurden Filter und Gegenmaßnahmen wiederholt angepasst
Betroffene Seitenbestandteile Unter anderem Galerien, PDF-Darstellung, 3D-Viewer, Pagination und Übersetzungsfunktionen Die Auswirkungen gingen teilweise über Werbung hinaus
Entscheidung des Betreibers Anti-Adblocker wird beendet Inhalte sollen Vorrang vor der Sichtbarkeit einzelner Banner haben
Technische Eckdaten
Komponente Beschreibung Funktion
ILAA Filter Lab Eigene Prüf- und Analyseumgebung Untersuchung der Auswirkungen von Filterregeln auf igor’sLAB
Watchdog-System Separater Mini-PC mit isolierten Browserprofilen Automatisierte Prüfungen unabhängig vom normalen Arbeitsplatz
Filterkonfigurationen AdGuard und uBlock Origin Vergleich der Seite unter unterschiedlichen Filterzuständen
Auswertung DOM, Styles, Netzwerkzugriffe und sichtbare Elemente Ermittlung von Änderungen zwischen ungefilterter und gefilterter Darstellung
Automatisierung Snapshots, Renderprofile und Regressionstests Vergleich neuer Filtergenerationen mit vorherigen Zuständen
KI-Unterstützung Auswahl aus definierten Gegenmaßnahmen Analyse von Regeln und Vorschläge; komplexe Änderungen blieben bestätigungspflichtig
Messwerte und Beobachtungen
Messwert oder Beobachtung Wert Kontext
Individuelle Regeln und Varianten Fast 700 Eigene Historie rund um igor’sLAB über die beschriebenen vergangenen Wochen
Direkte Suchtreffer beziehungsweise Rückverweise aus KI-Angeboten Mehr als 70 Prozent Eigene Referrer- und Reichweitenauswertungen
Beobachtungszeitraum der Eskalation Fast 8 Wochen Danach enthielten die Filterlisten laut Artikel zunehmend problematische Wechselwirkungen
Indirekt verschwundene DOM-Elemente Bis zu 1.500 als Beispiel Das Entfernen eines übergeordneten Containers kann zahlreiche untergeordnete Elemente mit entfernen
Reaktionszyklus Teilweise innerhalb eines Tages Neue Regeln konnten analysiert und Gegenmaßnahmen automatisiert geprüft werden
Gemessene Verlustquote der Banner Keine konkrete Zahl genannt Der Betreiber beschreibt sie nur als nicht existenzbedrohend für das Werbemodell
Teardown, Materialprüfung und Aufbau

Eine klassische Demontage, Platinenanalyse oder Materialprüfung findet im Artikel nicht statt. Beschrieben wird jedoch der technische Aufbau des Filter Lab mit konkreten Beobachtungs- und Prüfverfahren.

Das Watchdog-System läuft auf einem eigenen Mini-PC und ist damit vom normalen Arbeitsplatz getrennt.Isolierte Browserprofile können mit unterschiedlichen Filterkonfigurationen gestartet werden.Eine Zielseite wird zunächst ohne den betreffenden Filterzustand als Baseline erfasst und anschließend mit AdGuard oder uBlock Origin erneut geladen.Verglichen werden Änderungen am DOM, an Styles, an Netzwerkzugriffen und an sichtbaren Elementen.Das System unterscheidet zwischen tatsächlich entfernten Elementen und solchen, die nur deshalb verschwinden, weil ihr übergeordneter Container entfernt wurde.Filterlisten können in Snapshots eingefroren und neue Regeln mit früheren Zuständen verglichen werden.Neue Prüfmodule müssen freigegeben werden, bevor der Watchdog sie verwendet. Die KI durfte nicht ungeprüft Code auf der Website ausführen.Testbedingungen und Grenzen

Die Untersuchungen basierten auf vergleichbaren Browserprofilen, eingefrorenen Filterlisten und dem Vergleich einer ungefilterten Baseline mit gefilterten Darstellungen. Geprüft wurden unter anderem uBlock Origin und AdGuard. Der Betreiber weist ausdrücklich darauf hin, dass manche Aussagen über die Gegenseite nur aus zeitlichen Abläufen und beobachteten Mustern abgeleitet werden können. Ob konkrete Filteranpassungen tatsächlich von einer KI erzeugt oder vorgeschlagen wurden, wird nicht als beweisbar dargestellt.

Auch die Aussage zum Anteil der KI-vermittelten Zugriffe bezieht sich ausschließlich auf die eigenen Referrer- und Reichweitendaten von igor’sLAB. Sie ist keine allgemeine Aussage über das Internet. Eine konkrete Zahl zur Banner-Verlustquote wird ebenfalls nicht genannt.

Als Beispiele für problematische oder weit gefasste Regeln nennt der Artikel unter anderem Selektoren für allgemeine WordPress-Strukturen, Regeln zum Entfernen von data-Attributen an Bildern sowie Filter für Blob-Bilder, eingebettete SVG-Strukturen und Data-Images. Solche Regeln können neben Werbeelementen auch Lazy Loading, Galerien, Bildinformationen, Autorenbilder oder andere Funktionen betreffen.

Einordnung

Der Betreiber grenzt uBlock Origin ausdrücklich von einem reinen Werbeblocker ab. Die offizielle Einordnung als umfassender Inhaltsblocker umfasst neben Werbung auch Tracker, Coin Miner, Pop-ups und weitere Kategorien. Der Artikel kritisiert deshalb nicht die technische Möglichkeit des Filterns, sondern die Kombination aus weitreichenden Regeln und fehlender Transparenz für den Anwender.

Besonders kritisch bewertet wird, dass Filterregeln teilweise allgemeine Seitenstrukturen bearbeiten. Ein CSS-Selektor kennt laut der Argumentation nicht automatisch die redaktionelle Bedeutung eines DOM-Knotens, Bildes oder PDF-Readers. Dadurch kann ein Leser eine beschädigte Seite für fehlerhaft halten, ohne zu wissen, dass sein Filter Inhalte entfernt hat.

Als separates Beispiel wird die EasyPrivacy-Regel für met.vgwort.de genannt. Sie unterbindet die Zugriffserfassung der VG WORT. Der Artikel unterscheidet dabei zwischen einer bewussten Entscheidung des Nutzers gegen externe Reichweitenmessung und einer standardmäßigen Blockade, deren Folgen dem Nutzer möglicherweise nicht bekannt sind.

Vom Acceptable-Ads-Modell von eyeo beziehungsweise Adblock Plus wird uBlock Origin ausdrücklich abgegrenzt. uBlock Origin unterstützt Acceptable Ads laut Artikel nicht. Im weiteren Adblocking-Ökosystem können größere kommerzielle Teilnehmer für entsprechende Dienstleistungen Lizenzgebühren zahlen, während kleine und mittlere Websites kostenlos teilnehmen. Der Betreiber lehnt eine solche zusätzliche Instanz für seine eigene Werbung dennoch ab.

StärkenDas Filter Lab ermöglicht automatisierte Vergleiche zwischen ungefilterten und gefilterten Seitenzuständen.Die Analyse berücksichtigt nicht nur sichtbare Banner, sondern auch DOM-Strukturen, Styles, Netzwerkzugriffe und funktionale Seitenelemente.Die Auswertung berücksichtigt den Unterschied zwischen einer direkten Entfernung und dem indirekten Verschwinden untergeordneter Elemente.Die Anti-Adblocker-Gegenmaßnahmen konnten automatisiert getestet werden, ohne neue Änderungen ungeprüft zu veröffentlichen.Die endgültige Entscheidung priorisiert die vollständige Darstellung von Artikeln gegenüber der Sichtbarkeit einzelner Banner.EinschränkungenBreite Filterregeln können neben Werbung auch Logos, Copyright-Hinweise, Autorenbilder, Vorschaubilder, Galerien, PDF-Reader und 3D-Viewer betreffen.Navigation, Pagination, Übersetzungsfunktionen und Teile der Multilanguage-Infrastruktur lagen zeitweise ebenfalls im möglichen Wirkungsbereich.Der Leser erkennt häufig nicht, dass ein Inhalt durch seine Filterliste entfernt wurde, und kann die Seite deshalb fälschlich für defekt halten.Der Artikel nennt keine konkrete absolute Verlustquote für Banner.Die vermutete KI-Beteiligung bei gegnerischen Filteranpassungen bleibt eine Schlussfolgerung aus beobachteten Mustern und ist kein nachgewiesener Sachverhalt.Fragen und AntwortenWarum beendet igor’sLAB den Anti-Adblocker? Weil die Gegenmaßnahmen zunehmend mit redaktionellen und funktionalen Seitenelementen kollidieren konnten und der Betreiber diese Schäden nicht auf dem Rücken der Leser austragen möchte.Werden Artikel künftig hinter einer Adblock-Wall gesperrt? Nein. Eine Adblock-Wall, gesperrte Artikel und ein Dialog zum Abschalten des Blockers sind nicht geplant.Was kann durch breite Filterregeln verschwinden? Unter anderem Galerien, PDF-Darstellungen, 3D-Viewer, Autorenbilder, Vorschaubilder, Navigation und Übersetzungsfunktionen.Warum ist die Sichtbarkeit der Banner für das Geschäftsmodell nicht entscheidend? Die Kampagnen sind laut Artikel überwiegend zeitbasierte Präsenzmodelle und nicht von einzelnen Klicks oder jedem einzelnen Seitenaufruf abhängig.Wird der Betreiber weiterhin selbst einen Blocker verwenden? Ja. Er möchte weiterhin selbst entscheiden, welche Werbung, Tracker oder unerwünschten Inhalte er blockiert.

Automatisch aus dem Artikelinhalt als redaktionelle, sichtbare Inhaltsübersicht erzeugt.

Wer auf igor’sLAB seinen Adblocker heute wieder aktiviert, dürfte nach einigen Wochen eine kleine Überraschung erleben, denn er funktioniert wieder. Die Banner verschwinden und ich werde vorerst nichts dagegen unternehmen. Dahinter steckt weder ein technischer Rückzug noch das Eingeständnis, dass ich den inzwischen erstaunlich aufwendigen Kleinkrieg zwischen Filterlisten und meinen Gegenmaßnahmen nicht mehr hätte gewinnen können. Eher ist das Gegenteil der Fall. Technisch war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich dieses Spiel noch sehr lange hätte weiterspielen können, zumal es durch die zunehmende Automatisierung für mich sogar immer weniger Arbeit geworden wäre. Beenden werde ich es trotzdem. Die Technik zwingt mich nicht dazu, vielmehr bin ich nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen nicht mehr bereit, den Preis dafür von den Falschen bezahlen zu lassen. Aus dem ursprünglichen Thema Adblocking ist nämlich etwas entstanden, das mit dem schlichten Entfernen von Werbung immer weniger zu tun hatte. Meine eigene Historie umfasst für die vergangenen Wochen mittlerweile fast 700 individuelle Regeln, Änderungen und Varianten rund um igor’sLAB. Darunter befanden sich präzise Regeln, bei denen ich durchaus anerkennen kann, was sie tun. Entfernt ein Filter ein eindeutig identifizierbares Werbeelement, ist das technisch sauber. Als Seitenbetreiber kann ich das mögen oder nicht, aber es bleibt wenigstens ein klarer Vorgang. Irgendwann griffen die Regeln jedoch immer stärker in allgemeine Seitenstrukturen ein und genau dort wurde aus dem Skalpell zunehmend etwas, das eher an eine Machete erinnert.

Eigenes Statistikmodul mit Geodaten von Cloudflare

Glauben muss man mir das übrigens nicht und einen Screenshot aus meinem Filter-Lab muss auch niemand akzeptieren, denn ein Teil davon steht öffentlich in den aktuellen uBlock-Quick-Fixes. Dort finden sich für igorslab.de beispielsweise Regeln wie

igorslab.de##.herald-sticky, igorslab.de##.herald-above-footer oder igorslab.de##img[src^=”blob:http”].

Noch interessanter wird es bei

igorslab.de##img:remove-attr(/data-.+/)

Dabei handelt es sich nicht um meine Interpretationen, sondern um öffentlich einsehbare Regeln. Gerade an img:remove-attr(/data-.+/) lässt sich gut zeigen, warum mir diese Entwicklung irgendwann zu bunt wurde. Die Regel entfernt nicht dieses eine Attribut an diesem einen Werbebanner, sondern passende data-*-Attribute an Bildern. Wer WordPress und moderne JavaScript-Komponenten kennt, weiß, was daran problematisch werden kann. Solche Attribute sind nämlich kein exklusives Reservat der Werbeindustrie, da Plugins sie für Zustände, Lazy Loading, Galerien, Viewer, Bildinformationen und die unterschiedlichsten Interaktionen nutzen. Die semantische Bedeutung des einzelnen Attributs kennt der Filter nicht. Er entfernt es, weil es zum Muster passt, was technisch effizient ist und ungefähr so feinfühlig wie die Reparatur einer Armbanduhr mit einer Rohrzange.

Ähnlich sehe ich eine Regel wie

igorslab.de##div.widget[class*=”-widget”][id*=”-widget-“].

Natürlich lassen sich damit Konstruktionen treffen, die für Werbung verwendet werden. Gleichzeitig operiert man aber auf einer Struktur, die in WordPress nun einmal nicht ausschließlich Werbung beschreibt. Widgets sind zunächst einmal Widgets. Was darin steckt und weshalb es dort steckt, ist eine andere Frage. Auch .herald-sticky und .herald-above-footer oder Regeln, die Elemente anhand vergleichsweise allgemeiner Kombinationen aus Klassen, IDs und Linkeigenschaften identifizieren, bewegen sich zwangsläufig in Bereichen, die über den konkreten Banner hinausgehen können.  Hinzu kamen Regeln, die Bilder aus bestimmten lokalen URL-Mustern auf winzige Platzhalter umleiten, sowie andere, die auf Blob-Bilder, eingebettete SVG-Strukturen oder Data-Images zielten. Jede dieser Regeln kann man einzeln erklären und für jede einen konkreten Anlass finden. Vermutlich hat der jeweilige Autor auch für fast alles eine technische Begründung. Mein Problem beginnt dort, wo die Summe dieser Maßnahmen nicht mehr nur das Zielobjekt betrifft.

Sie sieht mein Editor ohne Filter aus…

In meinen eigenen Tests habe ich verschwundene Logos und Copyright-Hinweise gesehen, Autorenbilder oder zugehörige Darstellungen wurden unsichtbar und an anderer Stelle gerieten Vorschaubilder und Bildergalerien in Mitleidenschaft. Die PDF-Darstellung, 3D-Viewer und andere funktionale Bestandteile einer Artikelseite landeten zumindest zeitweise in einem Umfeld, in dem sich immer breitere Filter und meine WordPress-Strukturen gegenseitig in die Quere kamen. Selbst die Pagination, die Übersetzungsfunktionen und Bereiche meiner Multilanguage-Infrastruktur lagen nicht mehr grundsätzlich außerhalb dieser Schusslinie.

Ohne Textfeld und Funktionen kann man nichts schreiben

Entscheidend ist für mich dabei, dass ein Leser das alles nicht weiß. Er ruft einen Artikel auf und sieht die Version, die sein Browser nach Abarbeitung der abonnierten Filterlisten übrig lässt. Fehlt ein Werbebanner, entspricht das genau seiner Erwartung. Fehlt aber eine Galerie, ein PDF-Reader oder ein 3D-Modell, weiß er gar nicht, dass dort überhaupt etwas sein sollte. Reagiert die Navigation nicht mehr korrekt oder taucht ein Vorschaubild nicht auf, denkt er ja nicht: Donnerwetter, da hat aber jemand beim kosmetischen Filtering etwas großzügig ausgeschnitten. Verständlicherweise glaubt er, meine Seite sei kaputt und schlicht prinmitiv. Damit war ich an dem Punkt angekommen, an dem ich mich fragen musste, wem ich mit meinem Anti-Adblocker eigentlich noch einen Gefallen tue.

Die meisten Betroffenen haben mit diesem Kleinkrieg überhaupt nichts zu tun

Die Zusammensetzung meiner Leserschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Meinen eigenen Referrer- und Reichweitenauswertungen zufolge stammen mittlerweile mehr als 70 Prozent der direkten Suchtreffer beziehungsweise des entsprechenden Backtraffics aus KI-Angeboten, womit die großen KI-Anbieter Google Search als einzelne Vermittlungsquelle bei mir längst überholt haben. Das ist allerdings keine allgemeine Aussage über das Internet, sondern eine Beobachtung aus meinen eigenen Daten. Ein nicht kleiner Teil meiner monatlichen Leserschaft besteht damit aus Menschen, die nicht jeden Morgen gezielt igor’sLAB öffnen. Sie suchen nach einer Grafikkarte, einem Netzteil, einem Thermal Pad, einer SSD oder nach einer Lösung für ein sehr spezielles technisches Problem und landen über eine KI-Antwort oder einen dort angegebenen Quellenverweis zum ersten Mal auf meiner Seite. Daneben gibt es den für mich natürlich enorm wichtigen Kern der Stammleser.

Genau hier wird es interessant, denn unter den Stammlesern ist die Situation mit Werbeblockern nach meinen Beobachtungen wesentlich entspannter. Viele kennen das Werbemodell der Seite und wissen, dass hier keine Pop-up-Orgie stattfindet. Entsprechend haben sie igor’sLAB schon vor langer Zeit freigeschaltet. Beim zufälligen Erstbesucher ist die Wahrscheinlichkeit eines aktiven Content Blockers hingegen deutlich größer. Die Kollateralschäden trafen also ausgerechnet jene Menschen am häufigsten, die meine Seite noch gar nicht kennen. Ein Stammleser weiß möglicherweise, dass unter einer bestimmten Überschrift normalerweise ein Viewer erscheint oder zu einem Test mehrere Bilder gehören. Der Erstbesucher weiß das nicht, weshalb ein Element, das sein Filter entfernt, für ihn schlicht nicht existiert. Ihm wird dann nicht nur Werbung vorenthalten, sondern im ungünstigsten Fall ein Teil des Artikels. Genau das war für mich am Ende die rote Linie.

Man muss nicht die Werbung vor den Filtern zu schützen, sondern die Seite vor den Filtern

Was zunächst widersinnig klingt, beschreibt ziemlich genau, was ich in den letzten Entwicklungsstufen getan habe. Sobald ich wusste, welche Muster besonders gern angegriffen werden und welche zentralen Komponenten meiner Seite dadurch versehentlich mit in Gefahr geraten, konnte ich meine Struktur so umbauen, dass die Filter möglichst dort landeten, wo sie am wenigsten Schaden anrichten. Unter anderem habe ich deshalb bewusst austauschbare Klassen und Strukturen geschaffen. Wollte ein Filter unbedingt auf irgendeinen Selektor springen, bekam er im Zweifelsfall lieber etwas, das ich ohne Schmerzen wegwerfen konnte. Magie steckt dahinter keine, sondern dieselbe Idee, die man in vielen Sicherheitssystemen findet: Man hält den Angreifer möglichst von dem fern, was wirklich wichtig ist. Teilweise war das ein ziemlich absurdes Spiel. Auf der einen Seite wurden die Regeln spezifischer und später wieder allgemeiner, auf meiner Seite verschwanden dafür stabile Erkennungsmerkmale oder wurden auf ungefährliche Oberflächen verlagert. Ich wusste inzwischen, welche Bereiche für die eigentliche Artikeldarstellung kritisch sind und welche ich verändern konnte, ohne dass ein Leser etwas davon merkt. Damit konnte ich die Filter faktisch auch lenken.

Sah ein Filterlistenpfleger einen neuen Selektor, baute er eine Regel dagegen. Ich wusste aber, dass dieser Selektor im Zweifelsfall genau deshalb dort stand, damit an einer anderen Stelle nicht herumgeschnitten wurde. Man mag das verschlagen finden, ich nenne es Schadensbegrenzung. Schon zu diesem Zeitpunkt ging es mir nämlich nicht mehr ausschließlich darum, jeden Banner sichtbar zu halten. Zunehmend wollte ich die immer wilderen Filterversuche von den empfindlichen Teilen der Seite fernhalten. Etwas böse formuliert habe ich der Filterlogik teilweise einen Kauknochen hingelegt, damit sie nicht weiter an den Möbeln frisst.

Auf Dauer lässt sich so etwas natürlich nicht manuell betreiben. Taucht morgens eine neue Regel auf und ich starte anschließend mehrere Browserprofile, vergleiche die Seite gefiltert und ungefiltert, analysiere DOM-Änderungen und suche danach den verantwortlichen Selektor, habe ich mir irgendwann einen Vollzeitjob geschaffen, der nur daraus besteht, anderen Leuten beim Schreiben von Filterregeln zuzusehen. So entstand mein ILAA Filter Lab mit dem separaten Watchdog-System. Dabei handelt es sich um einen eigenen Mini-PC, auf dem die Prüfungen unabhängig von meinem normalen Arbeitsplatz laufen. Dort lassen sich isolierte Browserprofile mit unterschiedlichen Filterkonfigurationen starten. Eine Zielseite wird zunächst als Baseline ohne den betreffenden Filterzustand erfasst und anschließend unter AdGuard oder uBlock Origin erneut geladen, sodass sich die Veränderungen an DOM, Styles, Netzwerkzugriffen und sichtbaren Elementen danach gegeneinander auswerten lassen. Das ganze kommuniziert dann mit meinem Server.

Von Anfang an war mir dabei die Trennung zwischen Beobachtung und tatsächlicher Regelattribution wichtig. Entfernt ein Filter einen übergeordneten Container und verschwinden darunter 1.500 DOM-Elemente, haben nicht plötzlich 1.500 Regeln getroffen, sondern vielleicht genau eine. Ein brauchbares System muss deshalb unterscheiden können, was tatsächlich entfernt wurde und was nur deshalb nicht mehr existiert, weil sein Elternknoten verschwunden ist. Am Ende lief genau diese Infrastruktur stabil genug, um komplette Testreihen automatisch abzuarbeiten. Filterlisten ließen sich in Snapshots einfrieren, AdGuard und uBlock konnten unter vergleichbaren Bedingungen getestet und neue Regeln gegen vorherige Zustände verglichen werden, während der WordPress-Teil die Ergebnisse wieder entgegennahm. So entstand nicht nur ein Anti-Adblocker, sondern ein kleiner Prüfstand für Filterwirkung. Der nächste logische Schritt war die KI-Unterstützung.

An dieser Stelle möchte ich sauber unterscheiden, denn manches kann ich messen, anderes auf der Gegenseite lediglich aus dem Verhalten und Mustern ableiten. Dass die letzten Filteranpassungen gegen igor’sLAB tatsächlich von einer KI erzeugt oder vorgeschlagen wurden, ist sehr wahrscheinlich, denn das Reaktionsmuster war recht eindeutig. Zuletzt kamen Änderungen in einer Geschwindigkeit und teilweise in einer Form zurück, die mit dem früheren, eher gemächlichen manuellen Hin und Her wenig zu tun hatte. Auf meiner Seite war KI dagegen ganz bewusst Teil der Planung. Ausdrücklich nicht wollte ich, dass das Filter Lab neue Diffs einfach blind an ein Sprachmodell schickt und anschließend ungeprüften Code auf die Website wirft. Vielmehr sollte die KI aus einem definierten Satz zulässiger Gegenmaßnahmen auswählen können. Sie konnte neue Filterregeln analysieren, bekannte Renderprofile dagegen simulieren und Vorschläge liefern. Komplexere Änderungen blieben jedoch bestätigungspflichtig und neue Prüfmodule musste ich freigeben, bevor der Watchdog sie verwenden durfte. Und dann gibt es auch noch ein Privatleben, dass ich nicht wegen solcher Dinge beinträchtigen lasse.

Das Ganze war damit modular aufgebaut. Brauchte die Analyse eine neue Messung, musste ich nicht jedes Mal den Watchdog neu kompilieren oder stundenlang daneben sitzen und Skripte kopieren, denn ein neues freigegebenes Modul ließ sich nachladen und danach für weitere Prüfungen verwenden. Spätestens an diesem Punkt wusste ich ziemlich sicher, dass der technische Kampf nicht das Problem sein würde.

Die Filter waren teilweise noch gar nicht bei den Nutzern angekommen und ich hatte bereits die Gegenprobe

Für jemanden, der Gegenmaßnahmen automatisiert, hat das öffentliche Entwicklungsmodell der Filterlisten natürlich einen kleinen Schönheitsfehler, denn die Regeln liegen öffentlich herum. Neue Quick-Fixes sind im Repository sichtbar und werden anschließend über die entsprechenden Listen verteilt. uBlock führt die Quick-Fixes als eigenes, standardmäßig verwendetes Filterpaket und das zugehörige Repository ist offen einsehbar. Ich musste also nicht darauf warten, dass irgendein Leser meldet, bei ihm sei wieder etwas verschwunden. Mein System konnte neue Regeln analysieren, bevor sie bei einem großen Teil der Nutzer überhaupt angekommen waren. Einmal am Tag gegenzupatchen war irgendwann kein ernsthafter Aufwand mehr und die Reaktionsschleife wurde immer kürzer. Interessant wurde es, als auf meine Änderungen wiederum sehr schnell neue Varianten folgten. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass bereits auf Strukturen reagiert wurde, bevor die vorherige Filtergeneration überhaupt lange genug breit ausgerollt war, um nennenswerte reale Evidenz zu sammeln. Daraus kann ich zwar nicht beweisen, wer auf der Gegenseite welches Werkzeug benutzt hat, aber ich kann beschreiben, was ich in der zeitlichen Abfolge meiner eigenen Änderungen und der öffentlichen Regeln gesehen habe. 

Technisch war das faszinierend, inhaltlich irgendwann nur noch grotesk. Wo soll so etwas denn enden? Eine Seite variiert ihre Strukturen, worauf der Filter allgemeiner wird. Weil der allgemeinere Filter Kollateralschäden erzeugt, trennt die Website diese Bereiche stärker voneinander, woraufhin der Filter nach einem anderen gemeinsamen Merkmal sucht. Entfernt die Website auch dieses Merkmal, landen beide Seiten irgendwann bei immer komplexeren Regeln, die Maschinen gegeneinander erzeugen und testen können. Das lässt sich hervorragend automatisieren und genau darin liegt das Problem. Arbeiten zwei Automaten schnell genug, lässt sich nämlich auch Unsinn sehr effizient produzieren. Und genau das ist in den Filterlisten nach fast 8 Wochen passiert.

uBlock selbst nennt sich nicht einmal bloß einen Adblocker

Fairerweise sollte man an dieser Stelle einen Punkt festhalten, der in der Debatte gern untergeht. uBlock Origin beschreibt sich selbst ausdrücklich nicht als reinen Adblocker, sondern als „wide-spectrum content blocker“. Neben Werbung nennen die offiziellen Beschreibungen auch Tracker, Coin Miner, Pop-ups und weitere Kategorien. Das Werkzeug ist also absichtlich wesentlich mächtiger als ein simpler Bannerfilter. Grundsätzlich habe ich dagegen nichts, im Gegenteil. Ein Werkzeug, das JavaScript, gefährliche Domains, Tracking oder unerwünschte Drittanbieterzugriffe kontrollieren kann, ist nützlich. Ich nutze selbst Filtertechnik und würde nie behaupten, dass ein Browser ungeprüft alles ausführen sollte, was irgendeine Website gern laden möchte. Nicht die Fähigkeit zu filtern ist also das Problem. Es beginnt erst dort, wo derjenige, der eine öffentliche Filterliste pflegt, aus dieser Fähigkeit eine redaktionelle Entscheidung macht, ohne dass der Anwender überhaupt noch mitbekommt, welche Entscheidung ihm gerade abgenommen wurde.

Zwischen „Ich möchte nicht verfolgt werden“ und „Ich möchte dieses Seitenelement nicht sehen“ liegt nämlich ein erheblicher Unterschied, genauso wie zwischen „Blockiere einen bekannten Trackingserver“ und „Entferne dieses DOM-Element, weil seine Klassenstruktur verdächtig aussieht“. Noch größer wird dieser Unterschied, wenn das entfernte Element nicht einmal Werbung ist. Auch das ist keine Polemik meinerseits. Das uAssets-Projekt nennt Website Breakage ausdrücklich als einen der Bereiche, für die Korrekturen vorgenommen werden. Parallel dazu gibt es mit unbreak.txt eine eigene Standardliste, deren Name den Sachverhalt schon sehr hübsch zusammenfasst: Man blockiert Dinge und braucht anschließend Regeln, die reparieren, was beim Blockieren kaputtgegangen ist. Technisch betrachtet ist das nicht ungewöhnlich. Große Regelsysteme haben Fehlalarme und Wechselwirkungen, das kennt man von Antivirus-Software ebenso wie von Spamfiltern. Perfektion erwartet niemand. Gerade dieses Wissen sollte aber eigentlich zu mehr Zurückhaltung führen, wenn Regeln immer breiter werden.

Was journalistisch wichtig ist, versteht eine Filterengine nicht. Ein DOM-Knoten hat für sie keine Bedeutung und ein Bild ist zunächst eine Ressource mit URL, Attributen und Kontext. Ob dieses Bild ein Werbebanner, ein Wärmebild meines TTV-Testers oder das Foto eines Autors zeigt, kann ein CSS-Selektor nicht wissen, wenn die Regel nicht präzise genug formuliert wurde. Auch ein PDF-Reader trägt kein kleines Schild mit der Aufschrift „Bitte nicht erschießen, ich gehöre zum Artikel“. Das muss der Mensch berücksichtigen, der die Regel baut. Arbeitet man aber irgendwann mit dem Anspruch, eine Gegenmaßnahme um jeden Preis zu erwischen, verschiebt sich zwangsläufig die Priorität. Dann lautet die Frage nicht mehr, wie man genau die Werbung entfernt, sondern welches Merkmal man noch treffen kann, damit diese Website nicht wieder entkommt. Das ist ein völlig anderer Sport.

Ich blockiere selbst und genau deshalb fehlt mir inzwischen das Verständnis

Den Wunsch nach einem Adblocker kann ich ausgesprochen gut verstehen, schließlich nutze ich selbst einen. Gerade deshalb habe ich wenig Verständnis für die zunehmend religiöse Vorstellung, jede Form von Werbung sei automatisch böse und jeder technische Trick zu ihrer Entfernung schon deshalb legitim. Zu einem erheblichen Teil hat sich das Internet diese Blocker selbst eingebrockt. Manche Seiten traktieren ihre Leser mit automatisch startenden Videos, Overlays, Pop-ups und Werbenetzwerken. Auf manchen Affiliate-Seiten muss man den eigentlichen Inhalt mit der Wünschelrute suchen. Dazu kommen Trackingketten, die Nutzer quer durch das Netz verfolgen und Daten sammeln, die für das Lesen eines Artikels überhaupt nicht notwendig sind. So etwas blockiere ich ebenfalls. 

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich sogar einen längeren Artikel darüber geschrieben, warum ich einen Teil dieser Entwicklung selbst unerträglich finde. Ironischerweise haben ausgerechnet viele große Websites und Werbeanbieter offenbar nicht verstanden, wie viel Vertrauen sie über Jahre verspielt haben. Aus diesem Grund werde ich meine eigene Anti-Adblocker-Technik übrigens auch nicht als fertige Wunderwaffe an irgendwen verkaufen. Das liegt nicht daran, dass sie nicht funktionieren würde. Ich habe nur keinerlei Interesse daran, dass irgendeine Werbeschleuder damit anschließend ihren blinkenden Müll unblockbar durch den Browser prügelt. Technik hat keinen eingebauten moralischen Kompass und wer sie weitergibt, entscheidet mit darüber, wofür sie verwendet werden kann. Für Filtertechnik gilt allerdings genau dasselbe.

Der mündige Nutzer sollte selbst entscheiden und nicht irgendeine Filterliste für ihn

An diesem Punkt stört mich das Grundprinzip vieler vorkonfigurierter Filterlisten inzwischen mehr als die eigentliche Blockade meiner Banner. Warum lautet bei einer unbekannten Website die voreingestellte Antwort eigentlich automatisch, erst einmal zu entfernen? Bei Sicherheitsrisiken ist das selbstverständlich sinnvoll, denn ein bekannter Malware-Host muss nicht zunächst freundlich angezeigt werden, damit der Nutzer hinterher darüber abstimmen kann. Auch bekannte Tracker kann man aus Datenschutzgründen vorsorglich blockieren. Ein sichtbares Seitenelement ist aber etwas anderes. Der mündige Leser könnte eine Seite zunächst so sehen, wie der Betreiber sie anbietet. Danach könnte er entscheiden, ob ihm die Werbung zu viel ist, ob er bestimmte Elemente entfernen möchte oder ob er die Seite künftig komplett blockiert. Stattdessen findet die Auswahl häufig vorher statt. Der Leser sieht also nicht erst die Website, um danach zu entscheiden, was er davon möchte, sondern bekommt bereits eine von Dritten vorsortierte Version geliefert. Für Werkzeuge, die gern mit Nutzerkontrolle begründet werden, ist das ein erstaunlicher Widerspruch.

Selbstbestimmung bedeutet für mich nicht, dass irgendein unbekannter Listenpfleger stellvertretend festlegt, was auf einer Seite relevant ist, sondern dass der Leser diese Entscheidung selbst trifft.

Während dieser Auseinandersetzung wurde mir sinngemäß entgegengehalten, man filtere eben „Werbung und mehr“. Über diesen Satz musste ich länger nachdenken als über manche Filterregel, denn genau dieses „und mehr“ ist das Problem. Wie viel mehr ist gemeint und wer legt fest, was dazugehört? Wann wird aus einer störenden Werbefläche eine angebliche Annoyance und wann aus einer Annoyance ein legitimes Seitenelement? Wann wird ein Affiliate-Link so behandelt, dass sich seine technische Navigation verändert? Und wann ist ein Zählpixel noch Tracking, wann greift sein Entfernen dagegen direkt in die Vergütung eines Autors ein? Mit solchen Fragen beschäftigt sich der Anwender, der auf das kleine Schildsymbol seines Blockers klickt, normalerweise nicht. Er hat „Werbung blockieren“ im Kopf und bekommt eine komplexe Infrastruktur aus Werbefiltern, Privacy-Regeln, kosmetischen Filtern, Scriptlets und Quick-Fixes. Das muss nicht schlecht sein, aber wer solche Listen pflegt, trägt damit auch Verantwortung.

Die ganzen Medienbibliothek wird zerstört. JPGs unmöglich, Bilderanzeigen fehlen komplett.Bei der VG WORT wird es für mich endgültig absurd

Der für mich vielleicht ärgerlichste Punkt hat mit meinen Bannern überhaupt nichts zu tun. EasyPrivacy enthält derzeit ausdrücklich die Regel

||met.vgwort.de^.

Dabei handelt es sich weder um eine Vermutung noch um ein historisches Fundstück aus irgendeinem Forum, die Regel steht vielmehr in der aktuellen internationalen EasyPrivacy-Liste. Blockiert wird damit die Zugriffserfassung der VG WORT. Mit METIS betreibt die VG WORT ein Verfahren für Online-Texte, bei dem die Zugriffe für die Zugriffsausschüttung über Zählmarken erfasst werden. Die VG WORT erläutert selbst, dass Texte über dieses Verfahren meldefähig sind, wenn die Zugriffszählung erfolgt und die erforderlichen Mindestzugriffe erreicht werden. Seit 2026 gibt es daneben zwar eine neue Verbreitungsausschüttung für bestimmte Texte und Websites. Das ändert aber nichts daran, dass die Zugriffsausschüttung weiterhin besteht und auf der Zählung beruht. Wird met.vgwort.de blockiert, wird der betreffende Zugriff über diese Zählmarke folglich nicht erfasst.

Das ist weder Werbung noch ein Affiliate-Banner oder ein Pop-up, sondern ein Mechanismus, mit dem Urheber an gesetzlichen Vergütungen beteiligt werden können. Natürlich kann jeder Nutzer für sich entscheiden, dass er auch diesen Abruf nicht möchte. Sagt jemand bewusst, dass er grundsätzlich keinerlei externe Reichweitenmessung will und deshalb auch VG WORT blockiert, habe ich damit überhaupt kein Problem, denn dann ist es seine Entscheidung. Gegen den Strich geht mir der Automatismus. Die Domain steckt in einer Standard-Privacy-Liste und Millionen Menschen müssen überhaupt nicht wissen, dass sie damit neben den üblichen Trackingdiensten auch eine Zugriffszählung für Autoren unterbinden. Gerade bei Texten, die sich in der Nähe einer relevanten Schwelle befinden, können fehlende Zählungen eine Rolle spielen. Wen trifft das? Nicht zwingend irgendeinen milliardenschweren Medienkonzern. Bei mir schreiben auch Menschen, die ihr Fachwissen neben ihrer eigentlichen Arbeit einbringen. Sie testen, messen und fotografieren und verbringen ihre Freizeit damit, einen Text so aufzubereiten, dass andere etwas davon haben. Eine VG-WORT-Ausschüttung ist dabei kein Lottogewinn, sondern eine kleine zusätzliche Vergütung für geleistete Arbeit.

Beseitigt eine Filterliste diese Zählung pauschal, hat das mit dem Entfernen eines lästigen Werbebanners ungefähr so viel zu tun wie ein Reifenwechsel mit einer Herzoperation. Beides kann Werkzeug erfordern, mehr Gemeinsamkeiten sehe ich nicht. An diesem Punkt sinkt meine Achtung vor einer bestimmten Filtermentalität tatsächlich unter null. Den normalen Nutzer, der gar nicht weiß, was seine Listen im Einzelnen tun, nehme ich dabei ausdrücklich aus der Kritik heraus. Meine Kritik richtet sich an Leute, die solche Regeln bewusst erstellen und pflegen und trotzdem so tun, als sei jede entfernte Ressource automatisch ein Dienst an der Menschheit. Das ist sie nicht.

Und dann wäre da noch das merkwürdige Geschäftsmodell rund um „akzeptable“ Werbung

Hier muss man sauber unterscheiden, denn ich möchte uBlock Origin nichts anhängen, was uBlock Origin nicht tut. uBO unterstützt Acceptable Ads ausdrücklich nicht und die Dokumentation begründet das sogar damit, dass keine externe Filterliste darüber entscheiden soll, eine Seite für den Nutzer vollständig freizuschalten. Das finde ich konsequent. Im weiteren Adblocking-Ökosystem gibt es jedoch das Acceptable-Ads-Modell von eyeo beziehungsweise Adblock Plus, bei dem Anzeigen, die festgelegten Kriterien entsprechen, auf eine Allowlist gelangen können. Nach Angaben des Betreibers nehmen kleine und mittlere Websites kostenlos teil, während größere kommerzielle Teilnehmer Lizenzgebühren für die dazugehörigen Dienstleistungen zahlen. Die Kriterien selbst sollen sich dadurch nicht käuflich umgehen lassen. Mit „Geld hinlegen und jeder Müll wird freigeschaltet“ hat das also nichts zu tun, eine solche Darstellung wäre sachlich falsch.

Für mich lehne ich dieses Modell trotzdem ab. Ich brauche keine private Institution, die darüber entscheidet, ob meine ohnehin sehr überschaubare Bannerwerbung akzeptabel genug ist, um beim Leser wieder erscheinen zu dürfen. Ganz sicher werde ich auch keine Gebühr dafür bezahlen, dass zwischen meiner Website und meinen Lesern noch eine zusätzliche Instanz sitzt, die meine Werbung zertifiziert. Wer sie blockieren will, soll sie blockieren. Das ist mir inzwischen lieber als eine digitale Schranke, an der irgendwann darüber verhandelt wird, welche Werbung passieren darf.

Das eigentliche Betriebsgeheimnis

Vielleicht ist das der lustigste Teil der ganzen Geschichte. Die verbreitete Vorstellung dürfte lauten, ich hätte wochenlang gegen Adblocker gekämpft, weil jeder verschwundene Banner sofort ein Loch in meine Kasse reißt. Das tut er aber nicht. Meine Bannerwerbung funktioniert anders als klassische programmatische Werbung. Ich versteigere nicht bei jedem Seitenaufruf irgendeine freie Fläche an ein Ad-Netzwerk und meine Vergütung hängt auch nicht davon ab, wie oft ein Leser auf ein Banner klickt. Im Kern sind die gebuchten Kampagnen zeitbasierte Präsenzmodelle, bei denen der Kunde für seine Präsenz auf igor’sLAB bezahlt und nicht für jeden einzelnen Klick. Ob ein Banner bei einem gewissen Anteil der Besucher weggefiltert wird, verändert meine Einnahmen deshalb nicht. Dass Werbung sichtbar sein muss, um für einen Kunden sinnvoll zu bleiben, ist natürlich trivial. Meine gemessene Verlustquote liegt aber nicht in einer Größenordnung, bei der dieses Modell plötzlich zusammenbrechen würde. Hinzu kommt, dass die für viele Werbekunden besonders interessante technische Kernzielgruppe überdurchschnittlich stark aus Stammlesern besteht, von denen wiederum viele die Seite ohnehin freigeschaltet haben.

Mit anderen Worten kann ich es mir leisten, den Kampf zu beenden. Genau deshalb tue ich es auch. Ich muss keinen Leser gegen seinen Willen zwingen, ein Banner zu betrachten, nur damit am Monatsende irgendein automatischer Tausenderkontaktpreis stimmt. Eine Paywall, die nach dem Abschalten eines Blockers verschwindet, habe ich nicht. Ich plane auch keine. Besteht der Preis für das Durchsetzen eines Banners darin, dass ein anderer Leser einen Teil meines Artikels nicht mehr korrekt sieht, ist die Rechnung für mich ziemlich einfach, denn dann gewinnt der Inhalt.

Was mich wirklich geärgert hat war nicht das Blockieren meiner Werbung

Damit kommen wir zum eigentlich unangenehmen Teil. Meine Achtung vor Teilen dieser Filterkultur ist in den vergangenen Wochen massiv gesunken, allerdings nicht, weil jemand meine Banner entfernt. Damit kann ich leben. Problematisch finde ich diese Mischung aus Selbstgewissheit und Kollateralschaden. Man beansprucht für sich das Recht, die Strukturen fremder Seiten immer aggressiver zu verändern. Den dadurch entstehenden Schaden betrachtet man offenbar als hinnehmbaren Nebeneffekt, solange nur die eigentliche Zielressource ebenfalls verschwindet. Reagiert die Website darauf, wird das nächste Muster gesucht. Nimmt dieses Muster andere Inhalte mit, wird eventuell später irgendwo eine Ausnahme gebaut. 

uAssets dokumentiert Website Breakage selbst als eigenes Arbeitsgebiet und EasyList schreibt in seiner eigenen Beschreibung sogar ausdrücklich, dass die Verantwortung für die Listen bei deren Autoren liegt.

Genau deshalb darf man diese Verantwortung auch ansprechen. Wer behauptet, das Internet verbessern zu wollen, stellt sich damit nicht automatisch auf die moralisch richtige Seite jeder technischen Auseinandersetzung. Manchmal verbessert man nichts, sondern hat einfach nur erfolgreich ein div gelöscht.

Warum ich jetzt den Stecker ziehe

Ich könnte das Wettrüsten fortsetzen. Der Watchdog könnte weiterlaufen, Filterlisten könnten regelmäßig aktualisiert und gegen Snapshots verglichen werden. Neue Regeln ließen sich automatisiert analysieren und meine verschiedenen Renderprofile dagegen testen. Die KI-Komponente könnte Vorschläge für zulässige Gegenmaßnahmen liefern, während die Regressionstests anschließend prüfen, ob dabei normale Inhalte beschädigt werden. Technisch ist das lösbar und selbst die Kosten sind überschaubar. Genau das macht die Entscheidung interessant. Ich höre nicht auf, weil es zu teuer wird oder ich technisch keine Antwort mehr habe. Ich höre auf, weil ich irgendwann verstanden habe, dass die wichtigste Metrik dieses ganzen Projekts nicht die Zahl der Banner ist, die trotz uBlock noch sichtbar sind. Entscheidend ist, wie viele Leser noch genau den Artikel sehen, den wir veröffentlicht haben. Erfordert meine Antwort auf einen aggressiveren Filter wiederum eine kompliziertere Gegenmaßnahme, woraufhin der nächste Filter noch breiter wird und am Ende irgendwo ein unschuldiges WordPress-Element zwischen die Fronten gerät, dann ist das Spiel falsch geworden. Es ist meine Website, also liegt die Verantwortung bei mir. Ich kann den Filterlisten nicht vorwerfen, bei Kollateralschäden die falschen Prioritäten zu setzen, während ich gleichzeitig selbst akzeptiere, dass meine Gegenmaßnahmen denselben Leser in diesen Konflikt hineinziehen. Deshalb beende ich ihn von meiner Seite aus.

Das heißt nicht, dass ich ab heute Adblocker plötzlich gut finde oder die Diskussion über die Finanzierung kostenlos zugänglicher Inhalte für erledigt halte. Es bedeutet lediglich, dass ich die technische Eskalation nicht mehr auf dem Rücken der Leser austragen werde. Wer igor’sLAB mit aktivem Blocker besucht, wird deshalb wieder häufiger keine Banner sehen. Eine Adblock-Wall werde ich daraus nicht bauen, die Artikel werde ich nicht sperren und ich werde auch niemandem einen Dialog vor die Nase setzen, der erst verschwindet, wenn der Blocker ausgeschaltet wurde. Das wäre nur die nächste Runde desselben Unsinns. Stattdessen wünsche ich mir etwas viel Altmodischeres: Schaut euch eine Seite an und entscheidet selbst, ob ihr sie für fair haltet. Wer igor’sLAB trotz Werbung angenehm lesbar findet und die Arbeit unterstützen möchte, kann die Seite im Blocker freigeben, worüber ich mich freue. Wer das nicht möchte, lässt ihn eben an. Damit kann ich leben. Wesentlich schlechter leben kann ich mit einer Filterkultur, die dem Leser vorgaukelt, ihm die Entscheidung abzunehmen sei dasselbe, wie ihm mehr Kontrolle zu geben.

Vielleicht sollte man einen Adblocker wieder als Werkzeug betrachten

Meinen eigenen Blocker werde ich auch weiterhin benutzen. Meint eine Website, mein gesamtes Display müsse aus Pop-ups, Videoanzeigen, Affiliate-Kacheln und fünf verschiedenen Trackingnetzen bestehen, bekommt sie auch von mir die digitale Heckenschere zu sehen. Diese Entscheidung treffe ich aber selbst und genau das ist für mich der entscheidende Unterschied. Ich möchte nicht, dass jemand anderes vorher festlegt, welche journalistischen Bestandteile für mich entbehrlich sind. Ein Autorenbild möchte ich nicht verlieren, nur weil irgendeine generische Regel zu breit geraten ist. Ebenso wenig soll ein technischer Viewer verschwinden, weil seine Struktur zufällig einem Werbeelement ähnelt. Und ich möchte auch nicht, dass eine Zugriffszählung für die Vergütung eines Autors unbemerkt in derselben Tonne landet wie Google Analytics, irgendein Behavioral-Advertising-System und ein dubioses Third-Party-Pixel. Wer einen mächtigen Content Blocker verwendet, sollte sich gelegentlich ansehen, was seine Listen tatsächlich tun. Das bedeutet nicht, dass man anschließend alles erlauben muss. Kontrolle ist aber erst dann Kontrolle, wenn man weiß, worüber man entscheidet.

Für mich bleibt ein technisch ausgesprochen interessantes Projekt. Mein Anti-Adblocker funktioniert ebenso wie das Filter Lab und die Browserautomation, auch die Grundlage für eine KI-gestützte Regelanalyse steht. Über moderne Filtermechanismen habe ich wesentlich mehr gelernt, als ich jemals lernen wollte. Vermutlich ist es auch mehr, als ein normaler Websitebetreiber vernünftigerweise wissen sollte. Gefunden habe ich aber auch eine Grenze. Sie liegt nicht dort, wo ein Filter meinen Banner erwischt, sondern dort, wo das Wettrüsten anfängt, Inhalte zu treffen. Ich veröffentliche diese Seite schließlich nicht, damit ein Banner gewinnt, sondern damit jemand den Artikel lesen kann. Muss ich dafür die Banner eines Lesers opfern, dann soll es eben so sein. Den besonders eifrigen Regelbauern bleibt mir eigentlich nur ein kleiner Trost mitzugeben: Ihr habt jetzt wieder gewonnen, zumindest gegen die Banner. Die Bilder, die Autoren, die PDFs, die 3D-Modelle und der Rest des Artikels dürfen dafür hoffentlich ebenfalls wieder mitspielen. Damit kann ich sehr gut leben.

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