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Auftakt der Filmfestspiele von Venedig: Es lebe das Fort-da-Spiel

Дата публикации: 01-09-2026 12:39:00

Die 83. Filmfestspiele von Venedig haben schon für Nervosität gesorgt, bevor sie heute überhaupt begonnen haben. Was nicht an den langen Filmen liegt. mehr...

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Die 83. Filmfestspiele von Venedig haben schon für Nervosität gesorgt, bevor sie heute überhaupt begonnen haben. Was nicht an den langen Filmen liegt.

Palazzo del Cinema in Venedig, das weiße Gebäude vor blauem Himmel Noch ist es ruhig am Palazzo del Cinema

Foto: Felix Hörhager/dpa

Tim Caspar Boehme

Auf dem Lido wirkt das Festivalgelände der Filmfestspiele von Venedig am Montag noch ein bisschen verschlafen und in den letzten Vorbereitungen: Ein paar Baumaterialien liegen herum, Pressevertreter lassen sich nur vereinzelt blicken, um ihre Akkreditierung abzuholen, alles geht seinen ruhigen Gang. Doch die 83. Mostra internazionale d’arte cinematografica hat, bevor sie an diesem Mittwoch beginnt, schon für einigen Wirbel gesorgt.

So berichtete das Branchenblatt Deadline am Sonnabend, die Filmfestspiele hätten dem Magazin gegenüber mitgeteilt, sie würden die Pressekonferenz zum Auftakt dieses Jahr absagen. Eine offizielle Absage hatte es bis dahin nicht gegeben, doch das Festival habe Konflikte bei der Zeitplanung als Grund genannt. Das klingt als Begründung überraschend, gehört eine Pressekonferenz am Anfang doch zu den Routineterminen von Großveranstaltungen dieser Art.

Das Magazin vermutete, die Filmfestspiele von Venedig wollten so etwaige Skandale vermeiden, wie es sie bei der Berlinale im Frühjahr gegeben hatte. Dort fragte ein Journalist bei der Pressekonferenz in aktivistischer Absicht nach der Haltung des Festivals zu Gaza. Der Jurypräsident Wim Wenders versuchte sich an einer Antwort, die durch ihren viel zitierten Satz „Wir müssen uns aus der Politik heraushalten“ für internationalen Protest und vorschnelle Absagen einiger Gäste des Festivals sorgte. Allerdings schiene es ein fehlgeleiteter Versuch, daraus die Konsequenz zu ziehen, dass man die Vereinnahmung durch Aktivisten vermeidet, indem man öffentliche Statements wie bei einer Pressekonferenz gleich unterbindet.

Das Festival hat denn auch nicht so entschieden, meldete wenige Stunden später das Magazin Variety. An diesem Mittwoch soll es vor der Eröffnung wie gewohnt die traditionelle Pressekonferenz geben. Allerdings hatte auch Variety zuvor vom Festival erfahren, dass man überlege, die Pressekonferenz abzusagen. Empörte Reaktionen in den sozialen Medien auf die Meldung in Deadline ließen die Festivalleitung anscheinend umdenken.

Mitten im Kulturkampf

Wenn man meint, jetzt sei doch alles gut, täuscht das hingegen. Denn allein die Erwägung eines solchen Schritts zeigt, wie heftig der Kulturkampf um die Freiheit der Künste inzwischen geführt wird. Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, hatte erst am Freitag bei ganz anderer Gelegenheit, nämlich zur Eröffnung des Musikfests Berlin, in seiner Ansprache zum Thema Kulturkampf gesagt: „Wir sind dabei, ihn zu verlieren.“ Mit „wir“ meinte er „alle, denen die Freiheit von Kunst und Kultur in diesem Land etwas bedeutet“.

Die Heftigkeit des Kulturkampfs, der längst international tobt, zeigt sich auch darin, dass der für diesen Text reservierte Platz schon fast erschöpft ist, ohne dass ein Wort über das verloren worden wäre, worum es bei den Filmfestspielen eigentlich geht: die Filme.

Davon ist dann in den nächsten Tagen ausführlicher zu lesen. An dieser Stelle nur ein paar quantitative Superlative. Denn dieses Festival bietet einige bemerkenswert lange Filme: einen fünfeinhalbstündigen Dokumentarfilm über den Schriftsteller Jorge Luis Borges von Regisseur Mariano Llinás, die sechsstündige Fortsetzung des Dokumentarfilmprojekts „My Undesirable Friends“ von Julia Loktev, die sich diesmal russischen Journalistinnen im Exil widmet, und den achtstündigen Dokumentarfilm „Joie de vivre“ über den Regisseur Bernardo Bertolucci und die vergangene Cinephilie des 20. Jahrhunderts. Kurze Filme gibt es übrigens auch.

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