Roland Leuschel, bekannt als 'Crash-Prophet', ist gestorben. Ein Nachruf auf den kritischen Analysten und Warner vor Schulden und Notenbankpolitik.
Roland Leuschel sagte Crashs voraus, warnte vor Schulden und Notenbank-Politik und blieb dabei immer ein Gentleman. Ein Nachruf auf den unbestechlichen Kritiker.
Die Finanzwelt trauert um einen ihrer schärfsten Kritiker. Roland Leuschel ist am 20. August 2026 im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Börsenwelt eine Institution – und die kritische Öffentlichkeit eine Stimme, die sich nie dem Mainstream gebeugt hat.
Viele kannten ihn als „Crash-Propheten“. Das Etikett wurde ihm nie ganz gerecht. Leuschel war kein Schwarzseher aus Prinzip, sondern ein nüchterner Realist mit einem außergewöhnlichen Gespür für historische Zyklen, geldpolitische Fehlentwicklungen und menschliche Übertreibungen an den Märkten.
1987 sagte er den Börsencrash und 1989 den „Mini-Crash“ fast punktgenau voraus und schrieb damit Finanzgeschichte. Auch vor dem Platzen der Dotcom-Blase und vor der Finanzkrise 2008 warnte er frühzeitig. Die Risse im System sah er, lange bevor sie für die meisten sichtbar wurden.
Die Schuldenpolitik der Staaten und die massiven Eingriffe der Notenbanken betrachtete er zeitlebens mit großer Sorge. In mehreren Bestsellern, oft gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Claus Vogt verfasst, lieferte er pointierte Kritik und konkrete Vorschläge. Gold war für ihn mehr als eine spekulative Anlage. Es stand für finanzielle Freiheit und den Schutz des Ersparten.
Es braucht Mut, mitten auf einer Börsenparty das Ende der Musik anzukündigen. Leuschel scheute diesen Konflikt nie. Trotzdem blieb er dabei immer ein Gentleman: in der Sache hart, im Ton stets kultiviert.
Seine Expertise erarbeitete er sich über Jahrzehnte auf dem internationalen Parkett, unter anderem als Direktor und Chefstratege der Banque Bruxelles Lambert. Bis ins hohe Alter trieb ihn ein Anliegen an: gewöhnliche Anleger vor Verlusten zu bewahren und über die Risiken der Finanzmärkte aufzuklären.
Mit Roland Leuschel verliert die Finanzwelt einen unbequemen, aber unverzichtbaren Kopf. Seine Analysen werden fehlen, gerade jetzt, wo der finanzpolitische Kurs vieler Staaten oft orientierungslos wirkt. Was bleibt, ist sein umfangreiches literarisches Werk und die Erinnerung an einen Mann, der sich traute, gegen den Strom zu schwimmen.
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