Der 39-jährige Angelo aus Belgien arbeitet in mehreren Flexi-Jobs und teilweise sechs Tage die Woche. Ein Modell, das nicht nur Vorteile bringt.
Der 39-jährige Angelo aus Belgien arbeitet in mehreren Flexi-Jobs und teilweise sechs Tage die Woche. Ein Modell, das nicht nur Vorteile bringt.
In Belgien wurde das System der Flexi-Jobs am 1.Juli 2026 reformiert, so, dass nun in vielen Branchen flexible Arbeitsplätze möglich sind. Tausende nutzen diese neuen Möglichkeiten. Der 39-jährige Angelo Krick etwa hat unter der Woche einen regulären Job und übernimmt am Wochenende verschiedene Flexi-Jobs. In kurzer Zeit war er unter anderem als Koch, Abwäscher, Fahrer, Parkplatzwächter, Regalauffüller, Verkäufer und Mitarbeiter in einer Blumengärtnerei tätig. Über seinen Fall berichtet die belgische Zeitung „HLN“.
„In einem Monat mache ich manchmal vier oder fünf verschiedene Jobs. Das mache ich immer am Wochenende, zusammen mit meinem regulären Job unter der Woche. Dann schaue ich mir an, was verfügbar ist und noch in meinen Zeitplan passt. Manchmal gibt es pro Wochenende zwei verschiedene flexible Jobs. Ich bin oft an sechs von sieben Tagen beschäftigt“, wird Krick zitiert.
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Der Belgier lebt mit seiner Freundin Sarah (38) und seiner Tochter Lina (12) zusammen. Zeit mit der Familie muss er sich freischaufeln. „Früher habe ich mehr Sport gemacht. Das liegt jetzt auf der Strecke, aber ich versuche immer noch, Arbeit, Familie und Sport zu verbinden.“
Obwohl ihm die abwechslungsreiche Arbeit Spaß macht, ist der Hauptgrund für seine zusätzliche Arbeit die finanzielle Situation seiner Familie. Je nach Einsatz verdient er zwischen 13,50 und 19,50 Euro pro Stunde und bringt so etwa 300 bis 500 Euro zusätzlich pro Monat mit nach Hause. „Für uns ist das kein Extra, sondern eine notwendige Ergänzung. Alles im Leben wird immer teurer.“
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Für Krick lohnt sich das Modell Flexi-Job, es gibt aber auch kritische Stimmen. Laut dem Sender BRF spaltet die Diskussion sogar die Regierung. Während Arbeitnehmer von einem steuerbegünstigten Zusatzverdienst profitieren können und Arbeitgeber kostengünstige Arbeitskraft gewinnen, offenbart die Praxis erhebliche Nachteile für das soziale Gefüge des Landes. Kritiker, darunter auch Regierungsvertreter, warnen vor einer Aushöhlung des Sozialstaates, da für diese Beschäftigungsverhältnisse keine regulären Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden.
Ein wesentliches Problem der Flexijobs ist die enorme Flexibilität, die oft zulasten der Arbeitnehmer geht. Arbeitgeber sind nicht dazu verpflichtet, Arbeitszeiten oder Einsatztermine mit einem nennenswerten Vorlauf anzukündigen, was die Planung für die Beschäftigten erschwert. Zudem fehlen Flexi-Jobbern grundlegende Rechte, die bei regulären Arbeitsverträgen Standard sind: Es gibt keinen Anspruch auf doppeltes Urlaubsgeld und keine Entschädigungen für unregelmäßige Arbeitszeiten oder Überstunden.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die fehlende Sicherheit bei der Einkommensplanung. Da es sich oft um kurzfristige Verträge handelt, die immer wieder verlängert werden können, ohne jemals in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis überzugehen, befinden sich die Beschäftigten in einer prekären Lage. Diese Art der Beschäftigung begünstigt zudem laut Kritikern die Verdrängung regulärer Arbeitsplätze, da Unternehmen verstärkt auf billigere Flexi-Arbeitskräfte zurückgreifen, anstatt Stammpersonal einzustellen.