Eine Stanford-Studie zeigt: Vor allem junge Beschäftigte geraten durch KI unter Druck – ihre Chancen auf den ersten Job sinken.
Eine Stanford-Studie zeigt: Vor allem junge Beschäftigte geraten durch KI unter Druck – ihre Chancen auf den ersten Job sinken.
Kaum ein Thema wird derzeit so hitzig diskutiert wie die Frage, was künstliche Intelligenz mit unseren Arbeitsplätzen macht. Während die einen von gewaltigen Produktivitätsgewinnen schwärmen, warnen andere vor einer Welle von Kündigungen, die ganze Branchen betreffen könnte.
Eine neue Studie der Stanford University bringt nun mehr Klarheit in diese Debatte, denn sie stützt sich nicht auf Umfragen oder bloße Vermutungen, sondern auf echte Gehaltsabrechnungsdaten von Millionen amerikanischer Beschäftigter.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker forscht und berät als Direktor des cyberintelligence.institute international zu Cybersicherheit, digitaler Resilienz sowie IT-Recht in China und den USA. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Die Forschenden um den Ökonomen Erik Brynjolfsson werteten dafür Lohndaten aus, die der Personaldienstleister ADP für mehr als fünfundzwanzig Millionen Beschäftigte in über siebenhundert Berufen bereitstellt. Bis Juni 2026 fanden sie keinen Beleg dafür, dass künstliche Intelligenz der gesamten Wirtschaft in großem Stil Arbeitsplätze kostet. Wer schon länger im Berufsleben steht, muss sich also kaum Sorgen um seinen Job machen, zumindest nicht wegen der Technologie allein.
Anders sieht es für Berufseinsteiger aus. Junge Beschäftigte zwischen zweiundzwanzig und fünfundzwanzig Jahren, die in stark durch KI beeinflussten Berufen arbeiten, liegen mittlerweile neunzehn Prozent unter dem Beschäftigungsniveau, das sie erreicht hätten, wäre ihre Berufsgruppe genauso gewachsen wie weniger exponierte Vergleichsgruppen. Diese Lücke ist seit der ersten Erhebung im Sommer 2025 stetig gewachsen, damals lag sie noch bei fünfzehn Prozent.
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Bemerkenswert ist dabei, wie sich diese Lücke aufbaut. Sie entsteht kaum durch zusätzliche Kündigungen, sondern vor allem dadurch, dass Unternehmen zurückhaltender neue junge Beschäftigte einstellen und Ausbildungsplätze bereitstellen. Wo künstliche Intelligenz menschliche Aufgaben tatsächlich ersetzt, etwa in der Softwareentwicklung oder im Kundenservice, sinkt die Beschäftigung junger Menschen spürbar, während sie in Berufen, in denen die Technologie eher unterstützend wirkt, stabil bleibt oder sogar wächst.
Die Forschenden erklären sich diesen Unterschied mit der Art des benötigten Wissens: Aufgaben, die sich aus Lehrbüchern, Vorschriften oder Ausbildungsinhalten erlernen lassen, kann eine KI inzwischen erstaunlich gut übernehmen. Erfahrungswissen dagegen, das sich erst durch jahrelange Praxis, durch Fehler und durch den Austausch mit erfahrenen Kollegen entwickelt, lässt sich kaum in einem Sprachmodell abbilden. Ausgerechnet jene einfacheren, standardisierten Aufgaben aber, an denen sich Berufsanfänger traditionell hocharbeiten, verschwinden deshalb nun zuerst.
Bislang schlägt sich die Entwicklung vor allem in der Beschäftigung nieder und kaum in den Gehältern, denn die Grundlöhne der betroffenen Gruppen sind bisher nicht spürbar gesunken. Wer einen Job in einem stark durch KI exponierten Beruf ergattert, wird also nicht automatisch schlechter bezahlt, sondern findet seltener überhaupt eine Stelle.
Auch wenn die Daten aus den USA stammen, dürfte der Mechanismus kaum an Ländergrenzen haltmachen, weil ähnliche KI-Werkzeuge und Tätigkeiten auch in Europa mittlerweile weit verbreitet sind.
Für Sie als Berufseinsteigerin oder Berufseinsteiger, aber auch für Unternehmen und die Bildungspolitik, wirft diese Entwicklung eine unbequeme Frage auf: Wie soll praktische Erfahrung überhaupt noch entstehen, wenn ausgerechnet jene Einstiegsaufgaben zunehmend automatisiert werden, die früher als Sprungbrett in den Beruf dienten?
Die Autoren der Studie betonen selbst, dass ihre Daten Muster zeigen und keine endgültigen Kausalzusammenhänge beweisen, weshalb sie ihre Ergebnisse monatlich aktualisieren, um die Entwicklung weiter zu beobachten. Schon jetzt aber zeichnet sich ab, dass Unternehmen ihre Einarbeitungswege überdenken müssen, damit aus dem heutigen Berufseinsteiger nicht ein Beschäftigter wird, dem irgendwann genau jene Erfahrung fehlt, die künstliche Intelligenz bislang nicht ersetzen kann. Gleichzeitig müssen auch Universitäten und Hochschulen ihre Ausbildung stärker in Richtung dualer, möglichst praxisnaher Lehr- und Lernmodelle ausrichten.
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