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"Burning Berlin": Bedrohte Liebe im aufkeimenden Faschismus

Дата публикации: 26-08-2026 08:18:16

Flirts, Partys, Eifersucht: Das Musical "Burning Berlin" erzählt von lesbischer Subkultur in den 1920ern. Die Nazis haben viel davon zerstört. Dennoch ist das keine Geschichte für die Geschichtsbücher - sondern sie hat mit dem Hier und Jetzt zu tun.


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Theater Queeres Musical "Burning Berlin" Lesbische Liebe im aufkeimenden Faschismus

Käthe Fleischmann und Lotte Hahm verlieben sich Ende der 1920er in Berlin. (Quelle: Burning Berlin/Jyn)
Käthe Fleischmann und Lotte Hahm verlieben sich Ende der 1920er in Berlin. (Quelle: Burning Berlin/Jyn)

Von Maggi Geppert

Mit zerknittertem Hemd und verrutschter Krawatte stolpert Lotte Hahm auf die Bühne. Ihre Freundinnen werfen sich vielsagende Blicke zu und wollen wissen: "Lernen wir sie diesmal kennen?". Die Gruppe trifft sich an einem Abend der späten 1920er Jahre im "Damenklub Violetta". Hier wird getanzt, getrunken und geflirtet.

Mit einem leichten Schwips traut sich auch Käthe Fleischmann auf die Tanzfläche, die zum ersten Mal in den Damenklub gekommen ist. Einige Blickwechsel später folgt der erste Tanz zwischen Lotte und Käthe. Es ist der Beginn einer großen Liebesgeschichte.

Eine wahre Geschichte

"Burning Berlin" beruht auf wahren Begebenheiten. 1926 eröffnete die in Dresden geborene Lotte Hahm den "Damenklub Violetta". Mit mehreren hundert Mitgliedern galt er als einer der wichtigsten Vernetzungsorte für Lesben und trans Menschen im Berlin der Weimarer Republik. Später wurde Hahm von ihrer Partnerin Käthe Fleischmann bei der Leitung des Klubs unterstützt. Zusammen gründete das Paar außerdem zwei lesbische Bars, die auf Fleischmanns Namen liefen. Da sie Jüdin war, randalierten SA-Männer schon ab 1932 in ihren Lokalen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde queeres Nachtleben verboten. Den "Damenklub Violetta" führte Hahm zeitweise getarnt als "Sportklub Sonne" weiter. Ende der 1930er Jahre musste Fleischmann am Berliner Osthafen Zwangsarbeit leisten und konnte schließlich mit der Hilfe ihrer Partnerin fliehen.

Das Stück "Burning Berlin - Das Dyke* Musical" über die lesbischen Pionierinnen Lotte Hahm und Käthe Fleischmann feiert am 24. August 2026 um 19:30 Uhr im Club SO36 in Berlin-Kreuzberg Premiere.

"Queere Literatur ging in Flammen auf"

"Damals wurde eine große Infrastruktur von jetzt auf gleich zerstört", sagt Giuseppina Lettieri, Produzentin von "Burning Berlin" und Leiterin des Queer History Month am Spinnboden Lesbenarchiv in der Anklamer Straße.

Auch das weltweit erste "Institut für Sexualwissenschaft", begründet vom jüdischen Arzt Magnus Hirschfeld, wurde 1933 von den Nazis geplündert. Es galt als wichtige Forschungseinrichtung rund um Themen sexueller Vielfalt. Auch einige der ersten geschlechtsangleichenden Operationen für trans Menschen wurden hier durchgeführt.

"Bei der Bücherverbrennung auf dem Opernplatz im Mai 1933 ging sehr viel queere Literatur und bahnbrechende Forschung in Flammen auf", sagt Lettieri. Daher auch der Name des Musicals: "Burning Berlin" Aber man habe damit auch die brennende Leidenschaft der damaligen queeren Community sichtbar machen wollen, so Lettieri weiter.

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Bei der Bücherverbrennung auf dem Opernplatz im Mai 1933 ging sehr viel queere Literatur und bahnbrechende Forschung in Flammen auf

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Giuseppina Lettieri, Produzentin von "Burning Berlin"

Aus der Community für die Community

"Warum kennt heute niemand mehr diese legendäre Geschichte?", dachte sich Melissa Suan-Baum, als sie 2024 bei einer Recherche im Spinnboden Lesbenarchiv über die Liebesbeziehung zwischen Hahm und Fleischmann stolperte. Gemeinsam mit ihrer Frau Fani Suan-Baum beschloss sie, deren Leben als Musical auf die Bühne zu bringen.

"Wir wollten den Protagonistinnen nicht nur Worte für ihre Gefühle und ihren Aktivismus verleihen, sondern auch Musik, damit sie das ausdrücken können, was ihnen damals verwehrt blieb", sagt Melissa Suan-Baum. Ihre Partnerin Fani Suan-Baum fügt hinzu: "Am Ende des Tages wollten wir der Community aber auch einfach einen Anlass geben, mal ausgelassen zusammenzukommen."

Musiker:in Theresa "Terry" Zanon steuerte den entsprechenden Sound bei. "Es ist eine schöne Mischung aus kitschigem Musical-Pop, Jazz und Cabaret. In manchen Stücken habe ich auch versucht, die 1920er mit ihrem chansonartigen Stil einzufangen."

Herzensprojekt ohne öffentliche Fördergelder

Für sie alle ist es das erste Mal, dass sie ein Musical geschrieben haben. "Eine Herausforderung bei so einem Herzensprojekt ist es, sich nicht komplett selbst auszubeuten", sagt Lettieri. Man habe auf öffentliche Fördergelder verzichtet, um unabhängig zu bleiben. Lettieri betont aber auch: "In den letzten Jahren hat sich durch den gesellschaftlichen Backlash und Rechtsruck für queere Projekte in der Förderlandschaft vieles verschärft. Die Förderchancen sind nicht mehr so groß wie noch vor einigen Jahren".

Ausgeholfen haben der Zuschuss der "Schachtsiek Familien Stiftung" und eine Spendenkampagne. Von den erhofften 30.000 kamen bei dieser Kampagne jedoch nur knapp 7.000 Euro zusammen. Immerhin: alle vier Vorstellungen im SO36 sind ausverkauft.

Aufruf zu queerem Widerstand

Die Premiere findet fast genau einen Monat nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin statt. Für die Macher:innen war es wichtig, mit dem Stück darauf zu reagieren. Der letzte Song etwa richtet sich als "Ode an die Community" direkt an queere Menschen und ruft zum gemeinsamen Widerstand auf. "Wir wissen, wie gesellschaftlich wieder über unsere Rechte debattiert wird, für die Lotte, Käthe und alle anderen in dem Stück schon damals gekämpft haben. Wir wollen dem Publikum sagen: Das ist keine Geschichte für die Geschichtsbücher, sondern das hat ganz viel mit dem Hier und Jetzt zu tun", sagt Lettieri.

Lesbische Liebe noch lange nicht auserzählt

Lotte Hahm, Käthe Fleischmann und viele ihrer Freundinnen haben das NS-Regime überlebt. Auch daran wollen die Macher:innen von "Burning Berlin" erinnern. "Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, sich ein Beispiel an dem Feuer zu nehmen, das die Community hatte, um auch nach dem Krieg alles wieder aufzubauen", sagt Songschreiber:in Zanon.

Ein klassisches Happy End gibt es für die Protagonistinnen in "Burning Berlin" nicht. Aber, so heißt es im Stück, lesbische Liebe habe eben kein Ende, sondern sei eine nie-endende Geschichte.

Sendung: rbb24 Inforadio, 24.07.2026, 14:55 Uhr

Audio: rbb24 Inforadio, 24.07.2026, Maggi Geppert

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