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Wie auf der Sonnenallee 1994

Дата публикации: 23-09-2026 12:41:05

Für "4 Blocks Zero" kehrt die Berliner Gangsterserie in die Vergangenheit der Hamady-Familie zurück. Das Problem: die Sonnenallee sieht heute ganz anders aus. In Babelsberg entstand deshalb vor einem Jahr ein ganz eigener Kiez. Anna Wollner hat sich damals den Dreh angeschaut.


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Am Set von "4 Blocks Zero" Wie auf der Sonnenallee 1994

4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung)
4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung)

Von Anna Wollner

Es ist ein wunderschöner Herbsttag in Potsdam-Babelsberg. Vor grauen Häuserfassaden stehen alte Autos, an den Wänden kleben Plakate und Graffiti. Satellitenschüsseln hängen über Hauseingängen, orangefarbene Fliesen ziehen sich an den Wänden entlang.

Dazwischen warten Männer mit Schnurrbärten und Lederjacken, Frauen in weiten Jeans und Kinder auf ihren Einsatz. Es sieht aus wie Neukölln Mitte der 1990er Jahre. Dabei ist die echte Sonnenallee rund 30 Kilometer entfernt.

Zurück zum Anfang

Gedreht wird hier im Herbst 2025 auf dem Gelände von Studio Babelsberg für "4 Blocks Zero" die Vorgeschichte der Gangsterserie "4 Blocks".

Die Originalserie erzählte drei Staffeln lang von der arabischstämmigen Familie Hamady und ihrem kriminellen Imperium im heutigen Neukölln. Das Prequel [Vorgeschichte, die aber später gedreht wird] springt zurück ins Jahr 1994 und zu den Anfängen der Familie. Die Staffel startet am 25. September.

4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung) 4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung)

Die Filmstraße, in der für "4 Blocks Zero" gedreht wird, ist die "Neue Berliner Straße", die einst für "Babylon Berlin" gebaut wurde. Jetzt muss sie gut sechs Jahrzehnte überspringen: von den 1920er und 30er-Jahren in die Neunziger.

Im Normalzustand ist sie allerdings weder das eine noch das andere. "Die Studiostraße ist meistens in einem relativ neutralen Zustand", erklärt Szenenbildner Lars Lange. "Von dem gesamten Straßendressing, was ihr hier seht, ist dann eigentlich nichts drin. Sie sieht sehr kahl aus."

Berlin Neukölln war vor allem grau

Für "4 Blocks Zero“ musste die Straße deshalb nicht nur dekoriert werden. Lange und sein Team haben ihr eine eigene Geschichte gegeben. „Wir haben angefangen, quasi die Backstory der Straße herzustellen und über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg auch ein bisschen die 50er und 60er mitzuerzählen.“

Fliesen kamen an die Fassaden, dazu alte Werbung, Laternen, Briefkästen, gelbe Telefonzellen und Verkehrsschilder. Graffiti, Tags, Plakate und Satellitenschüsseln erzählen von den 70er und 80er Jahren. Schicht für Schicht arbeitet sich das Szenenbild bis 1994 vor.

Das Neukölln dieser Zeit war oft grau, die Häuserfassaden schlecht unterhalten, der Putz abgebröckelt. Die Folgen der Teilung und die Umbrüche nach der Wiedervereinigung waren im Stadtbild noch deutlich sichtbar. Eine Umgebung, die sich heute in Neukölln nur noch schwer finden lässt.

4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung) 4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung)

Die Hosen waren ähnlich, die Schnitte nicht

Auf dem Drehplan steht ein Hoffest. Zahlreiche Komparsen bevölkern die Straße. Kinder, Erwachsene, ältere Menschen. Jeder einzelne muss aussehen, als sei er gerade im Jahr 1994 aus einem Neuköllner Hauseingang herausgekommen.

Für Kostümbildnerin Nici Zinell liegt darin eine besondere Herausforderung: "Eigentlich ist manches sehr ähnlich zu dem, was wir heute so im Straßenbild sehen", sagt Zinell. "Jeans, Hemden, Lederjacken. Es ist ähnlich, aber die Schnitte sind halt doch sehr, sehr anders."

Zwei bis drei Monate lang recherchierte das Kostümteam, sichtete Filme und Dokumentationen, suchte historisches Bildmaterial und durchforstete Fundus und Secondhandläden. Manche Jeans können sogar heute neu gekauft werden, weil Modelle aus den 1990ern inzwischen wieder produziert werden. Deshalb sind es oft Kleinigkeiten, die 1994 von 2025 unterscheiden: Schuhe, Accessoires, Schnitte – und natürlich die Frisuren. "Sehr viel Schnurrbärte, angedeutete Vokuhilas, viel Locken", zählt Zinell auf.

4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung) 4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung)

Sprung nach Charlottenburg

Noch erstaunlicher wird die Illusion ein paar Meter weiter. Denn die "Neue Berliner Straße" steht in "4 Blocks Zero" nicht nur für Neukölln: Auf der anderen Studiostraßenseite liegt Charlottenburg.

Und wo gerade noch das Neuköllner Hoffest stattfindet, entsteht wenig später ein Clubeingang. "Die Leute werden komplett anders aussehen als das, was wir heute drehen", erklärt Zinell. "Auf die andere Straßenseite mal kurz rüberzuspringen, aber in einem ganz anderen Stadtteil zu sein, ist schon total spannend."

Auch über die Kleidung werden die beiden Welten voneinander getrennt. Neukölln bleibt trist und gedeckt. Charlottenburg bekommt mehr Geld und mehr Farbe. "Für diese Clubsituation ist das schon sehr viel kurze Röcke, sehr viel Bling-Bling, sehr farbenfroh, bunt", sagt Zinell.

Auch die Autos wechseln. Statt der Fahrzeuge vom Neuköllner Hoffest stehen vor dem Club größere Limousinen und sogar ein Ferrari. Ein paar Schritte Studiostraße reichen für einen sozialen und geografischen Sprung.

Aber irgendwann hört auch die größte Kulisse auf. Am Ende der Filmstraße steht ein Greenscreen. Dort wird Berlin später digital fortgesetzt. "Da kommt dann eine S-Bahn-Brücke hin und in der Entfernung noch der Fernsehturm", erklärt Lange. Entstehen soll der Blick über eine "gefühlte Karl-Marx-Straße" Richtung Ostberlin.

Dass die Neuköllner Szenen in Babelsberg und nicht an Originalschauplätzen entstehen, hat nicht nur ästhetische Gründe. Eine Studiostraße lässt sich vollständig kontrollieren. Das Risiko, dass moderne Autos durchs Bild fahren, ist null, aktuelle Werbeschilder müssen nicht überhängt oder versteckt werden. Historische Busse können wieder und wieder dieselbe Strecke fahren. Und nachts kann gedreht werden, ohne einen ganzen Berliner Straßenzug lahmzulegen und die Nachbarn zu ärgern.

"Die Vorstellung, drei oder vier Nächte irgendeine Straße in Berlin zu sperren, um da mit Krawall zu drehen und Busse, die durchfahren und Fahrzeuge, ist wild", sagt der ausführende Produzent Matthias Junge. "Spätestens um Mitternacht der ersten Nacht hat man schon die Anwohner auf der Straße, und die sagen zu Recht: Seid ihr irre?"

4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung) 4 Blocks Zero - Key Art (Copyright: Discovery Communications Benelux/HBO Max/Julia Terjung)

Unbedingt anders als Babylon Berlin

Die künstliche Straße kann auch so lange verändert werden, bis jedes Detail zur Geschichte passt. Nur eins darf dabei nicht passieren: Dass jemand die wohl bekannteste frühere Rolle dieser Kulisse wiedererkennt.

"Es geht darum, dass nichts aus dem Szenenbild rausfällt und jemand sagt: Die Straße habe ich aber schon mal bei ‚Babylon‘ gesehen", sagt Szenebildner Lars Lange. Alles müsse sich so zusammenfügen, "dass es die Welt der Hamadys ist."

Am Nachmittag steht die Herbstsonne noch immer über den Fassaden. Der Wind fegt durch das künstliche Neukölln. Und die Komparsen warten im Schatten von Hauswänden, Hauswände, die ihre jahrzehntelange Geschichte erst vor wenigen Wochen bekommen haben, auf die nächste Einstellung.

Sendung: rbb|24, 23.09.2026, 14:43 Uhr

Audio: rbb|24, 23.09.2026, 14:43 Uhr, Sabine Priess im Gespräch mit Anna Wollner

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